Langzeitbaustelle: Kleinkölnstraße geht auf die Barrikaden

Von: Robert Esser
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Abschreckend für die Kunden: Die Großbaustelle entlang der Kleinkölnstraße kostet die Geschäftsinhaber Nerven und Umsätze. Foto: Michael Jaspers

Aachen. An der Baustelle gehen die Geschäftsinhaber auf die Barrikaden. Nach Holz- und Dahmengraben ziehen jetzt die Ladenbesitzer an der Kleinkölnstraße vom Leder.

Zum Beispiel im Schuhgeschäft: „Die Baustelle ist der Horror”, klagt Gabriele Harris. „Viele Kunden machen einen großen Bogen um die Kleinkölnstraße.” Seit Februar ist nur vor der Tür der Teufel los. Die Stawag muss Kanäle erneuern, dann werden Versorgungsleitungen verlegt.

Schließlich will die Stadt die Einkaufsstraße zwischen Büchel und Großkölnstraße noch im „Fußgängerzonen-Look” neu gestalten. 255000 Euro sind dafür veranschlagt. Doch erst Ende des Jahres soll der zweite Bauabschnitt fertig sein. Ein erstes Teilstück - nach wochenlangen Verzögerungen wegen archäologischer Funde - will man laut städtischem Presseamt im Juli wieder freigeben.

Auf Autoverkehr angewiesen

Doch der Autoverkehr wird dann noch nicht wie früher fließen. „Dabei sind wir auf den Verkehr und die Kundenströme angewiesen”, sagt Mohamed Moutamassik, der das Einrichtungsgeschäft Casa Moro betreibt. „Meine Einbußen liegen mittlerweile bei 50 Prozent”, sagt er.

Auch am Donnerstag quetschen sich trotz strahlenden Sonnenscheins nur wenige Passanten durch die notdürftig neben der Baustelle angelegten Fußgängerfluchten. Schon vor sechs Jahren, durch den Umbau der Großkölnstraße und die roten Fußgängerzonenmarkierungen, habe man die Kleinkölnstraße ausbluten lassen, kritisiert Barbara Borgmeier.

Die Geschäftsführerin des Spielzeuggeschäfts Intertoys erklärt, wegen der von der Stadt gestalteten Wegeführung hätten damals fünf Geschäfte dicht machen müssen. Jetzt fürchtet sie erneut um 15 Arbeitsplätze in ihrer modernen Filiale. Die lange Baustellenphase sei für die Einkaufsmeile fatal, sagt Borgmeier. „So tötet die Stadt unsere Straße ein zweites Mal.”

Einige Meter weiter steht tatsächlich schon die nächste Geschäftsaufgabe an. Walter Bosten schließt seinen Kiosk - nach 50 Jahren. „Weil die Umsätze fielen, hat uns Westlotto rausgeschmissen”, erzählt Ilona Ungermann. Die quirlige Verkäuferin sucht bereits einen neuen Job.

Auch die Nachbarn - etwa die Änderungsschneiderei Shirin und der asiatische Supermarkt Ha Long - klagen über erhebliche Einbußen. Raumausstatter Franz-Josef Steffens moniert, dass die Baustelle offenbar auch zur Randale einlädt. „Am Wochenende ist hier nachts die Hölle los. Absperrungen werden umgestoßen, sogar Maschinen wurden schon gestohlen”, erklärt er. „und die Polizei lässt sich gar nicht mehr sehen, weil die mit ihren Funkstreifen nicht mehr durch die Kleinkölnstraße fahren können.” Die Situation sei „dramatisch”, sagt er.

Wenn die komplette Straßenbaustelle zum Jahresende verschwunden ist, droht neuer Ärger. Vier Parkplätze gehen verloren. Und: Das marode Gebäude an der Kleinkölnstraße 3 soll zu einem schmucken Geschäfts- und Wohnhaus umgebaut werden. Auch diese Baustelle dürfte das Viertel über Monate in Mitleidenschaft ziehen.
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