Lange Reise eines Gemäldes in die Heimat

Von: Valerie Barsig
Letzte Aktualisierung:
Im Couven-Museum gelandet: Mus
Im Couven-Museum gelandet: Museumsleiterin Dr. Dagmar Preising (links) präsentierte mit Jutta Geisler das Schaffrath-Gemälde. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Gemäldekrimi beginnt in einem kleinen Kaff namens Ilienworth in Norddeutschland, ganz in der Nähe von Cuxhaven. Jutta Geisler bekommt von einer verstorbenen Freundin ein Bild vermacht, das sie in ihr Klavierzimmer hängt.

Eigentlich ist es zu groß für den Platz über dem Tasteninstrument. Das alte Gemälde zeigt ein prächtiges Barockzimmer, einen Kamin, zwei alte, verschnörkelte Stühle, eine Kommode. „Ich habe immer davor gesessen und mich gefragt, wer dort gewohnt haben mag, was das für Menschen waren”, erzählt Jutta Geisler. „Wenn die Sonne auf das Bild scheint, leuchtet es richtig.”

Schließlich entschließt sie sich, dem Ursprung des Gemäldes auf die Spur zu kommen und wendet sich an den Norddeutschen Rundfunk, der in seiner Sendung „Lieb und Teuer” alte Kunstgegenstände auf den Prüfstand stellt. Es folgt ein „Bewerbungsverfahren”, denn nicht alles, was alt ist, ist auch interessant. Doch auch die NDR-Experten wollen wissen, woher das Stück stammt, und die Recherche beginnt.

Das Bild ist nicht datiert, dennoch ist darauf die Signatur des Malers Hans Schaffrath zu sehen. Dieser Name führt den NDR zum Antiquitätenhändler Markus Bach in Roetgen, der ebenfalls ein Gemälde des Künstlers verkauft. Hans Schaffrath malte vor allem Interieur zu Beginn des 20. Jahrhunderts rund um Aachen.

Als Markus Bach das Motiv sieht, denkt er sofort an das Couven-Museum und schickt das NDR-Team zur Museumsleiterin Dagmar Preising. „Im Zweiten Weltkrieg ist das Museum komplett zerstört worden, daher gibt es das Zimmer, das auf dem Gemälde zu sehen ist, nicht mehr.” Dagmar Preising greift bei ihrer Recherche auf alte Fotografien des Couven-Museums in einem Buch von Felix Kuetgens von 1938 zurück.

Dabei entdeckt sie ein Foto, das nahezu deckungsgleich mit dem Gemälde ist - nur die schnörkeligen Stühle sind hier in Richtung Kamin gedreht. Ihr ist sofort klar: Das Bild muss wieder nach Hause zurück. Auf dem Gemälde zu sehen ist der Saal der Familie Fey, wie er im damaligen Museum zu sehen war. Die Feys waren eine wohlhabende Tuchmacherfamilie in Aachen. „Für uns ist es interessant, dass Schaffrath hier Bild gibt vom Couven, bevor es im Krieg zerstört wurde”, sagt Dagmar Preising. 1000 Euro für Schaffraths Innenansicht wurden von Sparkasse und Museumsverein gestellt.

Der neue Platz des Gemäldes ist nach drei Jahren Spurensuche nun über der Eingangstür zum Durchgang zum Hof des Couven - neben Fotos, die das alte Museum am Seilgraben zeigen, bevor es dem Erdboden gleichgemacht wurde.

„Einige Leute wollten mir mehr bezahlen”, berichtet Jutta Geisler. „Aber jetzt ist das Bild dort, wo es hingehört. Das Herz hat entschieden und das tut auch mir gut.” Wer den Beitrag sehen möchte, kann das auf der Seite von „Lieb und Teuer” unter http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/lieb_und_teuer.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert