Lampenfieber ist schon höher als jeder Ton

Von: David Grzeschik
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Freut sich mindestens so wie seine Schützlinge vom Aachener Domchor auf die Darbietungen bei der Heiligtumsfahrt: Domkapellmeister Berthold Botzet. Foto: David Grzeschik

Aachen. Wenn am Freitagabend um 19 Uhr die Heiligtumsfahrt 2014 eröffnet wird, hat Berthold Botzet eine ganz besondere Aufgabe: Der Domkapellmeister wird dann den Domchor leiten, der das zum Besten gibt, wofür Botzet seit vielen Wochen probt.

„Nach den intensiven Vorbereitungen kann ich es kaum noch erwarten“, freut sich Botzet auf die Eröffnungsvesper. Als musikalisch besonders anspruchsvoll wertet Botzet die Musik, die die Knaben und Herren singen, zwar nicht. Die Schwierigkeit resultiere dafür aber eher aus den ungewohnten Abläufen – schließlich werde die Eröffnungsvesper nur alle sieben Jahre zelebriert.

Für den Domkapellmeister selbst ist die Heiligtumsfahrt 2014 erst die zweite – nach seinem Debüt im Jahre 2007. „Vor sieben Jahren musste ich mich in bestimmten Bereich schon noch vortasten“, erinnert er sich. Inzwischen laufe vieles aber routinierter ab, nicht zuletzt, weil Botzet die „Dinge optimiert“ habe. Stress hat er jetzt, kurz vor der Eröffnung der Heiligtumsfahrt, allerdings trotzdem. Zwischen zwölf und 14 Stunden ist sein Arbeitstag im Moment lang. Während der Heiligtumsfahrt, bei der Botzet zehn Tage im Dauereinsatz ist, wird das nicht anders sein.

„Es ist ja nicht so, dass sich der Domchor nur auf dieses eine Großereignis konzentriert. Das normale Programm läuft nebenher ja weiter“, so der Domkapellmeister. Eine Herausforderung ist für den 53–Jährigen darüber hinaus die Frage, „wann man was probt“. Schließlich zeichnet der Domchor nicht nur für die Musik in zahlreichen Gottesdiensten verantwortlich, auch das Abschlusskonzert am 30. Juni mit den virtuosen Kantaten von Johann Sebastian Bach muss einstudiert werden.

Bei einem derart dichten Programm muss Botzet sorgfältig überlegen. Aus dem Grund hat der Domkapellmeister bereits an mehreren Wochenenden Sonderproben eingeschoben – und auch während der Heiligtumsfahrt wird er mit seinen Knaben weiter proben müssen.

Angst, dass sein Chor in dieser arbeitsintensiven Zeit durch die Fußball-Weltmeisterschaft abgelenkt werden könnte, hat Botzet indes nicht: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Heiligtumsfahrt in den Köpfen der Knaben auf Platz eins stehen wird, weil es ein unheimlich bedeutendes Erlebnis für sie ist.“ Die Chance zu haben, bei der Heiligtumsfahrt so nah dabei zu sein, sei für viele Knaben einmalig, wie Botzet betont. „Und wenn Sie einmal nachrechnen: Wer Pech hat, erlebt in seiner Knaben-Karriere auch mal keine Heiligtumsfahrt“, so der Chorleiter.

Neben dem Knaben- wird 2014 erstmalig auch bei einer Heiligtumsfahrt der Mädchenchor am Aachener Dom zu erleben sein. Botzet zeigt sich mit dem Chor, der unter seiner Leitung aufgebaut wurde und seit einem Jahr von Domkantor Marco Fühner betreut wird, sichtlich zufrieden: „Die Mädchen entwickeln sich wunderbar- und das, weil sie von Beginn an ernst genommen wurden“, zieht der Domkapellmeister ein Fazit. Die Mädchen werden die Gottesdienste am Samstag singen, der Sonntag bleibt den Jungen vorbehalten. Gerade das ist Botzet wichtig: „Wir müssen die beiden Chöre auf gleicher Ebene sehen – aber trotzdem ist es richtig, dass die großen Sachen schon aus der Tradition heraus der Knabenchor macht.“

Etwas Besonderes hat sich Botzet unterdessen für die Abschlussfeier am 28. Juni auf dem Katschof ausgedacht. Dann werden Knaben- und Mädchenchor am Aachener Dom erstmalig gemeinsam in einem Gottesdienst musizieren. Botzet überlegt einen Moment. „Ich würde nicht sagen, dass das das musikalische Highlight ist. Aber sagen wir: das emotionale.“

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