Längst verjährte Jugendsünden leben auf

Von: Jutta Katsaitis-Schmitz
Letzte Aktualisierung:
Eine lebensnahe Komöde in Pla
Eine lebensnahe Komöde in Platt: Die Spielschar von „Öcher Verzäll” sorgt mit turbulenten Szenen und echten originellen Typen für Unterhaltung.

Aachen. „Wie et Leäve sue es”, heißt eän ammesierlich Stöcksje een dreij Opzög des Niederländers Hans Stelsmann, das jetzt in Öcher Platt Premiere in Aachen hatte. Aufgeführt wurde die lebensnahe Komödie von der Spielschar Öcher Verzäll im vollen Brüsselsaal des Eurogress.

Die Zuschauer erlebten den lachenden und auch weinenden Alltag, wie er sich vielfach hinter den berühmten vier Wänden abspielt. Das beginnt schon beim morgendlichen Frühstück, wenn der Zeitung lesende Frührentner Luwwi Ooemeseäk (Leo Lauscher) än sing Frau Trüdd (Jette Meis) sich mit finsterer Miene „Liebenswürdigkeiten” an den Kopf werfen.

Auslöser sind zunächst nur Nichtigkeiten, bis sich alles hochschaukelt. „Den, der die Frührente erfunden hat, müssten sie an dem höchsten Baum aufhängen”, trumpft Trüd letztlich auf. Bei dieser Stimmung zieht sogar Hündchen „Gina”, das sein Bühnendebüt gab, den Schwanz ein. Vortrefflich gelang Regisseur Hans Bost die Besetzung der beiden Rollen mit dem Vollblutkomödianten Leo Lauscher und seiner ebenbürtigen Partnerin Jette Meis. Das Publikum lachte und begann sogar zu singen: „Sönd vür ouch net op Jebuurtsdaag ejelade”, denn auch im zweiten Akt ging es mit allerlei Reibereien weiter.

„Luwwi” ist zwar hilfsbereit, aber tollpatschig. Was er anpackt, geht schief. Dann vergisst er auch noch „Trüdds” 60. Geburtstag, und Nobber Allewis Stommel (Karl-Heinz Brunquell) wärmt in der Geburtstagsrunde plötzlich gemeinsam erlebte, längst verjährte „unmoralische” Jugendsünden auf. „Kiek mich net soue an, wie enge Kreppeesel” faucht Luwwi seine Schwiegermutter Lisett Noppenei (Monika Lange) an, so dass nicht nur sie, sondern auch Bäbbche, die Tochter der Ooemeseäks (Gerti Rozenboom), und ihr Mann Hein Meählworm (Bernd Müller) empört die „Party” verlassen. Turbulente Szenen, die überzeugende, typengerechte Darstellung durch die Spielschar und die Öcher Mundart als Balsam für die Seele waren Garanten für eine gelungene Premiere.

Hans Bost aus Kerkrade führte beim Öcher Verzäll zum ersten Mal Regie. „Bei den ersten 25 Proben ging es um Textsicherheit”, berichtete er. Dann empfahl er den Spielern, auf der Straße Menschen zu beobachten, die dem Typ der Rolle entsprachen. Es war der Schlüssel zum Erfolg.

Wiederholungen in Stolberg

Weitere Aufführungen gibt es im Kulturzentrum Frankental Stolberg am: heute, 23., 29. und 30. Oktober, Beginn jeweils 19 Uhr. Vorverkauf unter Telefon 02402-95960, 02402-20697 und 02407-1012.

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