Ladenschluss: Kioske geben noch keine Ruhe

Von: Robert Esser
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„Sonntags, wenn sonst alles zu ist, kamen die meisten Kunden“: Ganeskamoorty Kayanthakumar mit Unterschriftenlisten vor seinem Getränkemarkt-Kiosk an der Schanz. Foto: Michael Jaspers
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„So können wir nicht überleben“: Erdal Kazak organisiert im Kennedy-Kiosk, Peterstraße, Widerstand gegen beschränkte Verkaufszeiten. Foto: Robert Esser
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Im September 2013 kam das Ordnungsamt: Murat Güclü muss sich an der Ecke Südstraße/Boxgraben längst an den Ladenschluss halten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die kleinsten Lädchen fürchten größte Verluste. Kioskbetreiber der Kaiserstadt wollen nicht akzeptieren, dass sie samstags ab 22 Uhr sowie sonntags schließen müssen, während – zum Beispiel – die Tankstelle nebenan teils das gleiche Warensortiment auch am Wochenende rund um die Uhr verkaufen darf.

„Das ist ungerecht“, ärgert sich etwa Yassar Hagar. Der Eigentümer eines Kiosks mit Getränkeshop und Videothek im Partyviertel Pontstraße ist stinksauer: „Vor allem die vier Stunden von 22 bis 2 Uhr in der Nacht zum Sonntag haben Umsätze gebracht“, sagt er. Gerade zur WM treffe ihn die Durchsetzung der vom NRW-Gesetzgeber festgesetzten Öffnungszeiten hart. Dann sei die Pontstraße voll – in jeder Hinsicht. Gerade junge Nachtschwärmer mit schmalen Geldbeuteln ziehen die Kiosk-Shops den Bars, Kneipen und Diskos bei der Alkoholversorgung vor. Ruhiger sei es ohne Kiosk aber nicht, behauptet Hagar.

Um Flaschen wie grölendes Partyvolk von der Straße zu holen und den Geräuschpegel für ungezählte lärmgeplagte Anwohner zu senken, greift Aachens Ordnungsbehörde seit Monaten härter durch – vor allem im Innenstadtbereich und auf dem Adalbertsteinweg. Ebenso in der Nähe von Grünanlagen, die sich in Sommernächten bis zum Morgen in Grill- und Feierzonen verwandeln. Dort macht Hasan Mustafa im Westpark-Kiosk von Samstagabend, 22 Uhr, bis Montagmorgen dicht – was neuerdings Schließung bedeutet. „Wir wehren uns“, sagt der Betreiber.

Organisiert wird der Widerstand seit einigen Tagen über den Verein „AC – Kultur und Kommunikation“. Bei Erdal Kazak im Kennedy-Kiosk an der Peterstraße laufen die Fäden zusammen – und Unterschriftenlisten für eine Petition an den NRW-Landtag. Über 8000 Unterstützer-Namen liegen den rund 100 Vereinsmitgliedern laut Kazak bereits vor. „25 Prozent Verlust: So können wir nicht überleben“, stellt er fest. Die meist von ausländischen Bürgern geführten Shops hätten sich als unverzichtbare Integrationspunkte etabliert – und könnten nur fortbestehen, wenn auch am Wochenende verkauft werden dürfe, warnt Kazak. Ganeskamoorty Kayanthakumar vom Schanz-Kiosk stimmt zu: „Sonntags, wenn sonst alles zu ist, kamen die meisten Kunden.“ Deshalb hat man jetzt Anwalt Rainer Dietz beauftragt: Er stellte für zehn Kioskbetreiber bei der Stadt Aachen Anträge auf Duldung oder Ausnahmegenehmigung. „Man wird sehen, ob dies Erfolg hat“, sagt er.

Gastronomen wie Dennis Polychroniou vom Café Madrid im Pontviertel befürworten die Initiative der Ordnungsbehörden. „So verschwinden zumindest Samstagnacht harte Alkoholika mit extremen Folgen von der Straße“, lobt der Wirt. „Doch das kann nur ein erster Schritt sein. Viele werden sich künftig in Frittenbuden und an Tankstellen mit Bier eindecken“, prophezeit Polychroniou.

Dort gelten Alkoholika, Tiefkühlpizzen etc. neben Kfz-Ersatzteilen und Auto-Betriebsstoffen als „Reisebedarf“. Und der darf in der Regel sieben Tage die Woche rund um die Uhr über Tanktheken gehen. Elke Wartmann, Abteilungsleiterin im Ordnungsamt, räumt ein, dass teils zu unpräzise formulierte Gesetze in Sachen Ladenöffnungszeiten „ein Fluch für die Behörden“ seien. Es gebe Schlupflöcher, Grauzonen und von beiden Seiten Beschwerden. Das Ruhebedürfnis von Anwohnern sowie bindende Gesetze dürften aber nicht einzelnen Geschäftsinteressen geopfert werden – zumal manche Geschäftsmodelle „so vom Gesetzgeber bei der Liberalisierung sicher nicht gewollt waren“, heißt es.

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