Aachen - Ladendiebstahl: Massive Kritik trifft die Polizei

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Ladendiebstahl: Massive Kritik trifft die Polizei

Von: Robert Esser
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Diebstahl umsonst belegt? Rolf
Diebstahl umsonst belegt? Rolf Bauer beklagt im Modeshop „Mango” in der Adalbertstraße, dass die Polizei oft kein Interesse an Fotos und Videos von Tätern habe - weil gar nicht gefahndet werde. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Opfer schlagen Alarm. Messerscharfe Bilder führt Rolf Bauer in einem kleinen Büro über dem Modeshop „Mango” in der Adalbertstraße vor. Über den Überwachungsbildschirm flimmern unfassbar dreiste Raubzüge.

Da fingern Handtaschenräuber unbekümmert in fremden Portemonnaies, da erbeuten Ladendiebe zigfach Klamotten - ganze Taschen und Rucksäcke voll. All dies, obwohl sie wissen, dass sie bei ihren kriminellen Machenschaften gefilmt werden und identifiziert werden könnten. Genau hier beginnt für Bauer - und Geschäftsnachbarn in Aachens größter Einkaufspassage - der Skandal: „Die Polizei nimmt Beschaffungskriminalität der Drogenszene ohne erkennbaren Widerstand in Kauf”, wirft er Polizeipräsident Klaus Oelze in einem Brief vor.

Dieser liegt Staatsanwaltschaft, Oberbürgermeister und Stadtratsfraktionen vor. Darin erhebt Bauer massive Vorwürfe: Die Polizei erscheine nach Alarmierungen oft so spät, dass die Täter bereits über alle Berge seien. Videobeweise und Fotos der Diebe würden zuweilen gar nicht von den Beamten angenommen, Nahbereichsfahndungen nicht eingeleitet. „Wir hören immer die gleichen Antworten: keine Zeit, keine Ressourcen, kein Streifenwagen frei”, ärgert sich Bauer. Seit Jahren gehe das so, seit Februar explodiere die Zahl der Diebstähle.

„Täter aus der Drogenszene, Ladendiebe, Banden und Handtaschenräuber haben in Aachen ein gegen Null gehendes Risiko, zur Rechenschaft gezogen zu werden”, behauptet Bauer. „Es sei denn, die Gewerbetreibenden servieren die Täter auf dem silbernen Tablett.” So habe er mit seiner Tochter Judith, Chefin von „Mango”, selbst vor der Ladentüre - und Richtung Drogenszene am Kaiserplatz - Ausschau nach geflüchteten Tätern halten müssen, weil die Polizei eine Fahndung trotz Fotobeweis verweigert hätte. Mit hohem körperlichen Risiko, aber mit Erfolg: „Ich bin getreten worden, doch mit Hilfe von Passanten konnten wir im April einen Dieb stellen, der uns schon mehrfach heimgesucht hatte”, schildert er.

Was ihn wütend macht: „Es kann doch nicht sein, dass wir Bürger den Job der Polizei machen müssen!” Eine Mitschuld sieht Bauer bei der Politik - weil die den Kaiserplatz nicht von der Junkie-Szene befreie. Und bei der Justiz. Sogar Serientäter kehrten - „höchstens nach einer Geldstrafe” - direkt zu Raubzügen zurück. „Die nicht abschreckenden Urteile führen zu einer sehr gefährlichen Entwicklung für die Stadt”, warnt er. Bald könne man in Aachen kein Geschäft mehr ohne Wachmann vor der Tür betreiben - „oder es müssen Einmannschleusen eingebaut werden, wie in Südamerika und Südafrika”.

In der Polizeistatistik landeten 2011 exakt 2596 Ladendiebstähle in Aachen - 8,8 Prozent mehr als 2010. Bauer verweist auf die Dunkelziffer: „Kaum ein Geschäft in der Innenstadt macht sich die Mühe, eine Anzeige zu machen, weil die Täter ohnehin nicht ermittelt werden.” Er glaubt, die echte Quote liege bis zu 50-fach höher. Dass Langfinger in Aachen überaus aktiv sind, bestätigen am Montag bei einer stichprobenartigen Umfrage der AZ mehrere größere Filialisten. Namentlich dürfen sie - ohne Zustimmung der Konzernleitung - kein Statement abgeben. Dies gilt ebenso für Vorwürfe gegen Polizei und Justiz.

Polizeisprecher Paul Kemen teilt auf AZ-Anfrage mit: „Rechtsfreie Räume gibt es nicht. Die Aachener Polizei tut alles, um Kriminalität zu verhindern, zu bekämpfen und Straftaten aufzuklären.” Er betont: „Dass sie dabei sehr fein auf die Sorgen und Nöte der Bevölkerung eingeht, zeigen die kurzfristig anberaumten, aber auf lange Sicht ausgelegten Schwerpunkteinsätze im Ostviertel.”

OB Marcel Philipp erklärt, dass Ordnungsamt und Polizei inzwischen mehr Anzeigen schreiben. „Die Fallzahlen steigen. Es werden mehr Täter dem Richter vorgeführt”, sagt er. In Gesprächen habe man die Justiz für eine schärfere Verfolgung vermeintlicher Bagatelldelikte sensibilisieren können. „Ich habe den Eindruck, dass die Szene am Kaiserplatz nicht mehr so zahlreich vor Ort agiert wie früher - auch wenn das Problem noch nicht gelöst ist”, erklärt er.

Bauer reicht das nicht: Er fordert mehr Polizeipräsenz in der Adalbertstraße. Das Präsidium untersucht indes intern, ob Beamte tatsächlich die Annahme von Beweismitteln verweigert und Fahndungserfolge gefährdet haben.
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