Aachen - Lachfalten sind Spuren eines langen Lebens

Lachfalten sind Spuren eines langen Lebens

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Geschichten erfahren, Vertrauen gewinnen: Künstlerin Petra Kather (links) hat mit ihrer Kollegin Barbara Brouwers Senioren im Osterviertel besucht und anschließend ihre Falten in Gips gegossen. Jeder Falte ist eng mit einer Geschichte verknüpft. Hier erzählt die 92-jährige Berta Schmitz von ihrem Leben. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Falten - davon haben die lebenserfahrenen Bewohner des AWO-Seniorenwohnsitzes Kennedypark reichlich. Kummerfalten sind dabei, doch auch viele Lachfalten sind als Spuren des Lebens in den Gesichtern verewigt.

Auf letztere haben es die beiden Künstlerinnen Barbara Brouwers und Petra Kather abgesehen, denn hinter jeder von diesen steckt eine Geschichte. Sie besuchen seit einigen Wochen die Seniorenheime und -tagesstätten des Aachener Ostens, kommen mit den Bewohnern und Besuchern ins Gespräch über das Leben und das Lachen und verewigen schließlich ihre Lachfalten zuerst in einer Abformungsmasse und später in Gips.

„Lachfalten” ist ein Teil von „Go East!” einem interaktiven Kunstprojekt von Künstlern des Atelierhauses Aachen im Rahmen der „Sozialen Stadt Aachen-Ost”. Sprich: Künstler kommen mit Bürgern des Stadtteils ins Gespräch und machen nicht über sie, sondern mit ihnen Kunst.

Bereits für ihre preiswürdigen „Knopfgeschichten” der „Temporären Gärten” in der Soers im Rahmen der Euregionalen 2008 ließen Brouwers und Kather alte Menschen berichten.

„Diese Generation hat viel zu erzählen, doch sie stirbt langsam”, meint Brouwers. In den Gesprächen hätten sie in sehr kurzer Zeit eine große Bandbreite von Gefühlen erlebt. „Denn das Lachen liegt nah am Weinen”, meint Kather.

Wie schon bei den „Knopfgeschichten” spielt auch bei „Lachfalten” das Fühlen eine wichtige Rolle. „Die Menschen müssen eine besondere Nähe zulassen, erfahren aber auch eine besondere Art der Berührung beim Abformen der Lachfalten am Auge”, hat Kather erfahren. Zu Beginn seien die Künstlerinnen immer auf Skepsis, aber auch Neugier gestoßen. Durch Zeit und intensive Gespräche habe sich schließlich eine Vertrauensbasis entwickelt, die das Abformen, aber auch Fotografien in der ganz privaten Atmosphäre des eigenen Zimmers ermöglicht habe. „Wir haben damit die Individualität der Menschen in eine Form gebracht”, erklärt Brouwers.

Schließlich wurden die Senioren auch noch selbst künstlerisch aktiv, indem sie Kopien ihrer eigenen Lachfalten zu Schmetterlingen umgestalteten. Diese ganz individuellen Insekten zieren heute viele Eingangsbereiche von Senioreneinrichtungen - und mussten wegen der vielen Nachfragen mit Infotafeln versehen werden.

Rainer Krebsbach, Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Seniorenbegegnungsstätten der Stadt Aachen, hielt das Projekt von Barbara Brouwers und Petra Kather anfangs für „ziemlich verrückt”. Doch es habe sich gezeigt, dass Altenarbeit auch anders funktionieren könne. „Die Alten wollen sich nicht nur bedienen lassen. Sie wollen machen - vor allem neue Erfahrungen!”

„Go East!” - Kunst zum Mitmachen im Aachener Ostviertel

Im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Stadt Aachen-Ost” bieten verschiedene Künstler des Atelierhauses Aachen Kunst zum Mitmachen an: Barbara Brouwers und Petra Kather gehen für das Projekt Lachfalten in Einrichtungen für Senioren. Hier entstehen Abdrücke von Lachfalten, Fotos unterlegt mit Audioaufnahmen, 20 fotografische Porträts und eine Dokumentation des Projekts. Ausstellungsort: St. Fronleichnam. Die Ausstellung ist über den Rundgang am 4. Juli hinaus eine Woche lang zu sehen.

Antje Warnstorff fragt für ihr Projekt Migration der Spiele: „Was haben Sie denn als Kind gespielt?” Es entsteht unter anderem ein Pfad der Spiele im Kennedypark.

Mit Kettensäge und Axt, Schweißgerät und Pinsel hantieren die Teilnehmer des Projekts Holz, Stahl & Farbe der Künstler Bernward Frank, Uli Freude und Thomas Bortfeldt. Die entstehenden Objekte und eine Installation werden von einem figurengetragenen Dach geschützt.

Mit neuen Augen sehen sollen die Teilnehmer des Projekts von Hildegard Büchner, die zusammen mit Bewohnern aus Aachen-Ost Bilder und Skulpturen in unterschiedlichen Techniken und verschiedenen Materialien erschaffen will.

Künstler und Teilnehmer präsentieren die Ergebnisse bei einem Rundgang am Sonntag, 4. Juli.
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