„Kuttenverbot“ für Rocker gilt bis Aschermittwoch

Von: Oliver Schmetz
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Brennpunkt Elsassplatz: Immer wieder kommt es dort – wie auf diesem Bild im September – vor einem „Hells Angels“-Treffpunkt zu Polizeieinsätzen. Jetzt gilt auch dort ein „Kuttenverbot“. Foto: Ralf Roeger
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Neben Elsassstraße, Elsassplatz und Kennedypark (nicht im Bild) ist das Tragen von Rockerkutten auf dem gesamten Weihnachtsmarkt sowie in Teilen von Pontstraße, Heinrichsallee und Jülicher Straße verboten.
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Brennpunkt Hansemannplatz: Auch dieser Bereich gehört ab Samstag zur Verbotszone. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wer die Machtdemonstrationen der meist martialisch tätowierten Muskelpakete schon einmal miterlebt hat, der weiß, wie sie wirken: Passanten wechseln dann mal lieber die Straßenseite oder nehmen Umwege in Kauf, Ladenbesitzer tauschen besorgte Blicke und sperren auch schon einmal die Türen zu.

Und manch einer ruft lieber die Polizei. Doch die kann bislang oft nicht viel machen, wenn sich Rockergangs zum „Schaulaufen“ treffen, wie es eigentlich sehr beschönigend genannt wird. Denn so lange die Rocker keine Straftaten begehen, bleibt es oft bloß bei Kontrollen – auch wenn die „Bandidos“ und die „Hells Angels“, die sich in Aachen seit Monaten zunehmend brutale Revierkämpfe um kriminelle Betätigungsfelder wie Drogenhandel und Prostitution liefern, schon durch ihr bloßes Auftreten bei vielen Bürgern Angst und Schrecken auslösen.

Das soll sich ab Samstag ändern. Denn mit Inkrafttreten einer städtischen Allgemeinverfügung (siehe Titelseite) wird den Mitgliedern diverser Rockergangs das „Schaulaufen“ in Aachen zumindest erschwert. Ihre „Kutten“ sowie diverse weitere Abzeichen und Parolen sind ab sofort in sechs klar begrenzten Bereichen der Stadt tabu: Zu den Verbotszonen gehören Elsassstrraße, Elsassplatz und Kennedypark im Ostviertel, Teile der Pontstraße, der Holzgraben, die Heinrichsallee und die Jülicher Straße vom Hansemannplatz bis zur Hein-Janssen-Straße sowie alle Standorte des Weihnachtsmarkts. Alle diese Orte sind in der Vergangenheit als Treff- und Anlaufpunkte für Rocker aufgefallen, teils auch als Orte gewalttätiger Aus-einandersetzungen – bis auf den Weihnachtsmarkt.

Dort hat das Verbot eher präventiven Charakter. Allerdings habe man die Gangs zuletzt auch vermehrt im näheren Umfeld des vorweihnachtlichen Budendorfs beobachtet, sagt die städtische Rechtsdezernentin Annekathrin Grehling, weswegen man ihnen nun auch dort einen Riegel vorschieben möchte. „Die wollen wir hier nicht haben“, bekräftigt die Dezernentin, auch wenn sie im gleichen Atemzug einräumt, dass die Stadt im Schulterschluss mit der Polizei nun zu einer „nicht alltäglichen Maßnahme“ greift, um der zunehmenden Eskalation im Rockerkrieg zwischen „Bandidos“ und Hells Angels“ zu begegnen.

„Man kann nicht einfach so eine Verbotsverfügung herausgeben“, weiß Grehling. Vielmehr gehe es immer um die Verhältnismäßigkeit der Mittel, um die Frage, was angemessen und erforderlich sei, und – vor allem hier – um die Frage, ob eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung bestehe. Stadt und Polizei bejahen dies, zumal in zunehmendem Maße Dritte „Opfer von Sachbeschädigungen und gar körperlichen Verletzungen“ würden, wie es in der Verfügung heißt. Zwar würden die Gangs bisher die Auseinandersetzungen scheinbar in den eigenen Reihen austragen, sagt auch Polizeisprecher Paul Kemen, „aber im Grunde können wir von Glück sagen, dass bisher noch kein Unbeteiligter schwer zu Schaden gekommen ist“.

Nicht zuletzt die Schüsse am Elsassplatz vorige Woche dürften da als Beleg dienen, auch wenn das Verbot kein „Schnellschuss“ als Reaktion auf diese Eskalation, sondern von längerer Hand vorbereitet worden sei, wie alle Beteiligten betonen. Dass man nun aktiv wird, freut insbesondere die Polizei. „Das ist ein notwendiger und logischer Schritt“, sagt Kemen, die Beamten hätten nun ein auf den Punkt festgelegtes Handlungsinstrument. Die Sanktionen reichen bei Zuwiderhandeln vom Platzverweis bis zur Festnahme. Dass die neue Waffe nicht stumpf bleibt, davon ist man überzeugt. Die polizeiliche Erfahrung belege, dass das öffentliche Zeigen von Abzeichen und Symbolen unter Rockern verfeindete Gruppen provoziere und zu schwerwiegenden Provokationen bis hin zu Gewalt führe, heißt es in der Verfügung. Das jetzige Verbot sei daher eine „geeignete, angemessene und erforderliche Maßnahme“, diese Gefahr abzuwenden. Bei der Polizei geht man davon aus, dass das „Kuttenverbot“ die Rocker in Aachen empfindlich treffen wird. Mit einem Ausweichen der Gangs in andere Teile der Stadt sei nicht zu rechnen, meint Kemen: „Von der Maßnahme sind Örtlichkeiten betroffen, die für die Mitglieder als Treffpunkte wichtig sind. Die ändert man nicht so schnell.“

Allerdings ist das „Kuttenverbot“ zeitlich befristet, sowohl an jedem Tag von 14 bzw. 17 Uhr nachmittags bis 3 Uhr nachts als auch im Ganzen bis zum 10. Februar. Anders gesagt: Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Jedoch ist, sollte die Gefahr bis dahin nicht gebannt sein, durchaus eine Verlängerung möglich.

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