Aachen - Kutschen, Kaviar und ein ganz treuer Fan

Kutschen, Kaviar und ein ganz treuer Fan

Von: Hans-Peter Leisten und Albrecht Peltzer
Letzte Aktualisierung:
10177554.jpg
Die Pferde sind in der Stadt: Die 21 Equipagen zogen von der Soers über Laurensberg durch die Altstadt zu Katschhof und Markt und von da aus wieder zurück zum Turniergelände im Sportpark Soers. Foto: Andreas Steindl
10175835.jpg
Die Pferde sind in der Stadt: Die 21 Equipagen zogen von der Soers über Laurensberg durch die Altstadt zu Katschhof und Markt und von da aus wieder zurück zum Turniergelände im Sportpark Soers. Foto: Andreas Steindl
10177354.jpg
Treue Turnierbesucher: Agnes Hausen war als 15-Jährige 1930 das erste Mal dabei, Tochter Carla Padaro und der 22-jährige Genaro haben sie auch in diesem Jahr begleitet. Foto: Andreas Steindl
10177355.jpg
Bitte lächeln: Ein Foto mit Sternekoch Johann Lafer gehörte objektiv zu den Höhepunkten des Turniers. Foto: Michael Jaspers
10178099.jpg
Auf Wiedersehen – bereits in wenigen Wochen bei der Reit-Europameisterschaft in der Soers. Foto: Andreas Steindl
10178003.jpg
Stadioninterview: Springreiterin Laura Klaphake und AZ-Redakteur Rober Esser. Foto: Michael Jaspers
10177353.jpg
ALRV-Aufsichtsrat Peter Weinberg im Gespräch mit AZ-Volontärin Laura Beemelmanns. Foto: Jaspers

Aachen. Weltfest, Reitturnier, CHIO ohne „O“ – Spektakel von A wie „Appetit“ bis „Z“ wie „Zügel“, zwischen Gourmetmeile und Parcours. 440 Pferde, mehr als eine Handvoll Sterneköche, ein großer Preis und viele Talks – das Miniturnier von Aachen präsentiert viele Facetten.

Eine davon gehört in diesem A bis Z den Buchstaben „K“ und „G“. Aber wer will da einfach von Kutschen und Gespannen reden? Nein, der Fachausdruck der schmucken Wagen mit noch schmuckeren Pferden lautet Equipage. Und das bedeutet viel mehr.

Neben prächtigen optischen Eindrücken kommen die Besucher des Marktes am Samstagmorgen in den Genuss eines charmanten Lehrstündchens. Wenn in Aachen anlässlich des Weltpferdefestes, das in diesem Jahr kein CHIO ist, der Sport der Vierbeiner ins Rollen kommt, dann ist halt doch Kutschenzeit. Von der Rathaustreppe aus versorgt Andres Furger, ein Schweizer Historiker und Gespann-Experte, alle umfassend mit Infos.

Unter Equipage versteht man eben das Gesamtensemble, Fahrzeug, Pferde, Fahrer, Begleiter(innen) und was sonst noch dazugehört. 21 an der Zahl sind es, die ihren Weg von der Soers aus auf Umwegen durch Laurensberg und die Altstadt hin zu Katschhof und Markt gefunden haben. Dort werden sie mit Applaus begrüßt und von Andres Furger und OB Marcel Philipp mit Kommentaren auf ihren weiteren Weg zurück Richtung Turniergelände zurückgeschickt.

Ein-, Zwei- und Vierspänner geben ein eindrucksvolles Bild ab. Genau wie die einachsigen Tandem-Gespanne mit hintereinander gezäumten Pferden, die als die gefährlichsten Fahrzeuge in Kutschensport gelten. Aber da besteht an diesem Samstagvormittag keine Gefahr, denn bei diesem „Concours d’Elégance“ handelt es sich um einen Korso zu Show-Zwecken im besten Sinne.

Die große Öffentlichkeitswirksamkeit hat sich offensichtlich weit herumgesprochen, denn auch einige Tierschützer nutzen die knapp zweistündige Veranstaltung, um gegen Pferdesport zu protestieren. Viel mehr als Parolen auf dem historischen Pflaster auf Markt und Katschhof hinterlassen sie aber nicht. Eine Gruppe von rund 50 Elternvertretern nutzt die Öffentlichkeit, um ihren Unmut über den aktuellen Kita-Streit gegenüber dem Oberbürgermeister plakativ vorzutragen.

Wie man dieses Turnier letztlich nennt, das ist Agnes Hausen ziemlich egal. Es ist einfach Reitturnier. Und wer wenn nicht die sympathische Dame auf der Mercedes-Benz-Tribüne könnte es besser wissen?

Mit 100 Jahren noch dabei

Agnes Hausen ist an diesem Sonntag sicherlich die treueste Besucherin in der Soers. 1930 hat sie das erste Turnier besucht. Als damals 15-Jährige! Und seit dem hat sie so gut wie keines verpasst. Auch mit ihren jetzt 100 Jahren lässt sie sich das nicht nehmen. „Das ist Ehrensache“, meint Tochter Carla Padaro. Die Programme seit Ende der 40er Jahre hat sie alle noch zu Hause. Und ein Autogramm. Ein ganz besonderes. Vom italienischen Springreiter Raimondo D’Inzeo. Mit ihm und seinen Reitkollegen aus bella italia verbindet Agnes Hausen eine Menge. Schließlich hat sie zwei italienische Schwiegersöhne. Seitdem schlägt ihr Herz für die Reiter vom Stiefel. Also: Auf Wiedersehen in einigen Wochen, bei der Europameisterschaft in der Soers!

Dass der Mensch kochen kann, weiß die ganze Welt. Dass er spitzbübischen Humor hat, auch. Und dass er sich bestens in Szene setzen kann, ebenfalls. Dass er aber auch eine Engelsgeduld aufbringen kann, beweisen diese vier Turniertage. Johann Lafer: Mit seinen Kollegen – unter anderem Christof Lang aus Aachen, mit Rainer Hensen, Dieter Müller und Luxemburgs Star-Köchin Léa Linster – tischt er auf. Aber was sind Essen und Trinken gegen „Selfies“? „Dürfen wir ein Foto mit Ihnen machen?“, hört Lafer in der Soers häufiger als „Guten Appetit“. „Da brauchst schon Durchhaltevermögen“, macht er gute Miene zum objektiv anstrengenden Spiel. Aber Lafer ist Profi durch und durch. Ein Nein bekommt niemand zu hören. Immer nur lächeln. . .

Auf der AZ-Aktionsbühne

Das tut Lafer auch beim Talk auf der Aktionsbühne des Zeitungsverlages. „ Ich habe mich von Anfang an hier wohl gefühlt. Das Aachener Publikum ist sehr sympathisch, alle Besucher wissen tolles Essen und guten Sport zu schätzen“, bekennt er. Natürlich stehen alle Spitzenköche auch den Moderatoren Laura Beemelmanns, Tom Vogel und Achim Kaiser Rede und Antwort. Wie zum Beispiel auch ALRV-Präsident Carl Meulenbergh („Wir haben gehofft, dass die Gourmetmeile gut ankommt, aber so eine Begeisterung nicht erwartet“). Oder Springreiter Philipp Weishaupt („Auch die Pferde kriegen das allerbeste Futter, was es auf dem Markt gibt“).

Souverän am Mikrofon sind unter anderem auch Rainer Calmund, Michael Mronz (Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH), OB Marcel Philipp, die ALRV-Aufsichtsräte Hans Kauhsen („Wenn die Kombination von Sport und Essen gut läuft, warum sollte man das Konzept nicht weiterführen?“), Wolfgang Mainz, Peter Weinberg und Dieter Junghans.

Talks gibt es nicht nur auf der Verlags-Bühne, Talks gibt es auch im Stadionrund. AZ-Redakteur Robert Esser interviewt zwischen den Wettbewerben Funktionäre und Sportler, wie zum Beispiel am Sonntag unter anderem Parcours-Chef Frank Rothenberger oder Nachwuchs-Reiterin Laura Klaphake, die bekennt: „Es ist einfach ein Traum, hier in der Soers starten zu dürfen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert