Kurpark Classix: Sinfonieorchester spielt deutliches Plus ein

Von: Robert Esser
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Glühende Verehrung für die Klassik: Im Aachener Kurpark bot die Rundbogenbühne – hier beim Konzert des Sinfonieorchesters mit Annett Louisan – dank brillanter Lichttechnik eine furiose Kulisse für die hochgelobte Konzertserie. Foto: Andreas Steindl
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Sympathischer Gastgeber: Veranstalter Christian Mourad (mit Sohn Carlos) freut sich über 12.500 Zuschauer. Foto: Andreas Steindl
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Souveräne Partner: Dies umfasste auch das Theater Aachen mit GMD Kazem Abdullah. Foto: Andreas Steindl
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Generalintendant des Theaters, Michael Schmitz-Aufterbeck, verkaufte Tickets mit 20 Prozent Rabatt für die Spielzeit 2016/17. Foto: Andreas Steindl
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Darauf ist Schulleiterin Lea Hütten zurecht stolz: Die Streicherklasse der GGS Schönforst unter der Leitung von Illa Tönnies, Johanna Schmidt und Aki Sakamoto-Bartz stimmte klanglich auf „Classix for Kids“ ein. Foto: Andreas Steindl
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Viel Fingerspitzengefühl: Christian Ulbrich zauberte – für Open-Air eher ungewöhnlich – tollen Sound. Foto: Andreas Steindl
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Bratschenarm, Rücken verspannt? Malte Arkona und Professor Dietrich Grönemeyer helfen – witzig. Foto: Andreas Steindl
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Schnell und lecker: Alwin Fiebus (r.), Heijo Prümper und viel Personal verwöhnten das Publikum. Foto: Andreas Steindl

Aachen. So pompös Bühne und Kulisse, so filigran die Technik – was neben famosen Musikern des Sinfonieorchesters genauso für Toningenieure gilt. Tonmeister Christian Ulbrich kitzelt feinste Streich(el)einheinheiten des 70-köpfigen Sinfonieorchesters aus den Boxentürmen, dabei hockt er vor hunderten Reglern und Knöpfen in einer Art Hightech-Vogelnest – der Tonloge – hoch hinter der Haupttribüne.

Ulbrichs phänomenales Einfühlungsvermögen, sein Fingerspitzengefühl spürt das Publikum. Balsam für den Hörnerv. Kompliment. Davon profitiert die kindlich-kokette bis sinnlich verruchte Stimme einer Annett Louisan am Samstagabend (mit genialen Orchester-Arrangements des 1. Kapellmeisters Justus Thorau) genauso wie Generalmusikdirektor Kazem Abdullah und sein Klangkörper am Sonntagabend bei der „Last Night“.

Nicht nur deswegen strahlt der Veranstalter der Kurpark Classix, Christian Mourad, am Sonntag. Gerade haben ihm 1986 Kinder (inklusive deren Eltern) ein Geburtstagsständchen geträllert. Mit tatkräftiger Unterstützung der Sinfoniker sowie dem brillanten TV-Moderator Malte Arkona, der diesmal die flotte Vormittagsshow „Classix for Kids“ mit Professor Dietrich Grönemeyer als medizinisch-musikalische Sprechstunde präsentiert. 51 Jahre wurde Mourad jung; und darf nach der lautstarken Überraschung einige hundert glückwünschende Hände schütteln.

Zählen durfte der Veranstalter zur zehnten Auflage der einzigartigen Klassik-Serie endlich auf Petrus. Es blieb trocken. Und auf das Publikum! Was wiederum die Abendkasse häufiger als in den Vorjahren klingeln ließ. Damit stehen nach „A Night at the Opera“ (2351), Louisan (1700), „Classix for Kids“ (1986) und der „Last Night“ (1893) knapp 8000 zahlende Gäste unterm Strich.

Ergibt plus gut 4500 erwartete BAP-Zuhörer des Da-Capo-Konzerts rund 12.500 Menschen, die bei bestem Wetter die Kurpark Classix besuchen. Keine Frage: Allein die vier fulminanten Konzerte unter Federführung des Sinfonieorchesters aus dem Theater Aachen hätten noch deutlich mehr Zuschauer verdient.

Im Jahr 2015 waren es bei Regen und schmuddeligen 10 Grad Celsius 6200, diesmal immerhin knapp 1800 Menschen mehr. Woran‘s liegt? Zeitgleich Weinfest in der City, Partys in Stadtvierteln (Oppenhoffallee)... „Nein, das wäre zu kurz gesprungen“, sagt Christian Mourad am späten Sonntagabend.

„Der Trend ist wirklich positiv, das ist toll – liegt sicher auch am großartigen Sommerwetter. Fakt ist zudem, dass viele Besucher, die zum ersten Mal bei den Kurpark Classix waren, komplett fasziniert waren. Die waren wirklich absolut begeistert. Da würde ich mir natürlich wünschen, dass sich noch mehr Aachener auf das Experiment Klassik einlassen – und im kommenden Jahr mal vorbeischauen, auch wenn sie zuvor noch nie ein Sinfoniekonzert besucht haben.“ Mourads Crew ist dafür bereit.

Weil man die Rahmenbedingungen des hochkarätigen Klassik-Events kaum noch verbessern kann. Die gastronomische Bandbreite und vor allem Bediengeschwindigkeit des Serviceteams der Gastronomen Alwin Fiebus, Tilo Busch und Heijo Prümper zeigt sich rekordverdächtig. Alles blitzschnell parat: vom Pausenbier bis zum Flammkuchen.

Die Atmosphäre auf der Picknickwiese? Unvergleichlich. Während woanders jede schnöde Wasserflasche am Konzerteingang kassiert wird, um auf Festivalgeländen mehr Geld zu machen, gilt hier: Alles willkommen! Wer einmal zu Verdi italienische Spaghetti mit Scampi unter freiem Himmel bei selbst mitgebrachtem Vino Bianco geschlemmt hat, will das nie mehr missen. So viel Genuss, so wenig Ausgaben. Das gibt es sonst nirgendwo.

Die Infrastruktur: Das zum überflüssigen Flüchtlingsheim umfunktionierte alte Spielcasino beherbergt den VIP-Bereich. Kurios, aber bestens gelöst. Die Ehrengäste der Hauptsponsoren – AachenMünchener, Sparkasse Aachen und Porsche Zentrum – sowie vieler weiterer Geldgeber wie NetAachen, Stawag, Apag, Aseag, Radeberger, DocMorris, Deubner, Mathes, EWV, Mateco, Mercure und Pullman Quellenhof – dürften sich bestens versorgt fühlen. Ganz sicher dürfte nach dem absehbaren AM-Abgang bald ein neuer Hauptsponsor in den Startlöchern stehen. Ansonsten wird die Finanzierung des rund eine halbe Million Euro teuren Großevents im Kurpark bald unmöglich.

Die Verkäufe hinken ein wenig hinterher. Dabei hat man eigens zu den Kurpark Classix eine Rabatt-Aktion ins Leben gerufen. Wer auf dem Festivalgelände am Info-Stand des Theaters Tickets für die Spielzeit 16/17– übrigens die letzte mit GMD Kazem Abdullah – erwirbt, der darf 20 Prozent weniger zahlen.

Einige Abos und Dutzende Eintrittskarten verkauft das Theater-Team bis zum Sonntagabend in den Konzertpausen. „Für uns sind die Kurpark Classix die beste Werbung für die kommende Spielzeit, die man sich vorstellen kann. Wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis“, sagt Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck.

Was bleibt? Die Hoffnung, dass 2017 noch einmal große Namen nach Aachen finden. Wer sagt denn, dass die Kaiserstadt mit ihrem phänomenalen Sinfonieorchester keine gute Adresse für Klassik-Stars wie Anna Netrebko oder José Carreras wäre? Mourad jedenfalls kann das. Er verfügt über alle Kontakte. Ein bisschen mehr Pomp kann man sich bei all den Feinheiten leisten. Und die Verkaufstechnik wäre dann sicher keine Kunst...

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