Kurpark Classix mit Joe Cocker: Erst Welthits, dann Bolognese

Von: Robert Esser
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Historischer Rekord: 5000 Menschen jubelten am Montagabend Joe Cocker im Kurpark zu. Die Stehplätze seitlich der Sitzplatztribüne waren schon früh gefüllt. Foto: Andreas Steindl
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Historischer Rekord: 5000 Menschen jubelten am Montagabend Joe Cocker im Kurpark zu. Die Stehplätze seitlich der Sitzplatztribüne waren schon früh gefüllt. Foto: Andreas Steindl
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Stühle kassiert: Das Sicherheitspersonal bewahrte das Sitzmobiliar für 89 Besucher auf. Foto: Steindl
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Rustikales für den Weltstar: Franck Loeillot (l.) kochte für Joe Cocker Spaghetti im Kombüsen-Anhänger von Martin Schallermeir. Foto: Esser

Aachen. Um 21.42 Uhr ist Feierabend – „curfew“ nennt das Joe Cockers Crew im Tournee-Fachjargon, was so viel wie Zapfenstreich heißt. Exakt 100 Minuten hat der 69-jährige Engländer am Montagabend auf der Bühne der „Kurpark Classix“ in Aachen Vollgas gegeben. Gut 5000 Zuschauer – so viele wie noch nie in der naturgrünen „Classix“-Arena – bejubelten den gelernten Installateur aus Sheffield.

Mit sechsköpfiger Band, zwei Background-Sängerinnen und seiner urgewaltigen Reibeisenstimme lieferte das Woodstock-Idol Welthits aus einer inzwischen mehr als 40-jährigen Karriere: von „I come in peace“ über den aktuellen Charts-Erfolg „Fire it up“ bis zur finalen Zugabe „Cry me a river“.

Dass Cocker im Rampenlicht souverän die Bandbreite vom sanft-zerbrechlichen Blues-Sound zur saftigen Rock-Hymne beherrscht, ist bekannt. Wie flexibel er abseits der Bühne ist, überrascht aber zuweilen schon. Denn Cocker, der am Dienstag zu einem Konzert in die weißrussische Landeshauptstadt Minsk düst, fliegt auf Hausmannskost. Er nächtigte zwar in der Düsseldorfer Nobelherberge „Breidenbacher Hof“, ließ sich in Aachen aber direkt nach der Show von seinem privaten Tourkoch, dem Franzosen Franck Loeillot, ein paar schmackhafte Spaghetti Bolognese servieren.

Und dies nicht etwa in der exquisiten Spielbank-Gastronomie direkt neben dem Open-Air-Konzertareal – Cockers Töpfe qualmten im Kombüsenanhänger der Technik-Crew hinter der Bühne. Den winzigen Anhänger mit rustikalem Keramik-Herd und Kaminrohr hat Technik-Chef Martin Schallermeir eigenhändig zusammengeschraubt. „Das Ding ist der Wahnsinn, hat mehr Charme als jede Profi-Küche“, lobte Franck. „Joe liebt das, ganz einfach – aber gut.“

Weniger begeistert zeigten sich einzelne Konzertbesucher, die sich ab 18.10 Uhr unmittelbar nach der Einlasskontrolle ihrer Sitzmöbel „beraubt“ fühlten. Weil Cocker im Kurpark mehr als doppelt so viele Fans wie Sarah Connor zwei Tage zuvor anzog, blieb die sonst übliche Picknick-Atmosphäre auf der Wiese neben der Sitzplatz-Tribüne naturgemäß auf der Strecke. Im Notfall wäre das sonst übliche Klappmobiliar auf dem dicht gefüllten Konzertgelände ein zu hohes Sicherheitsrisiko. In Zahlen: 1,8 Prozent der 5000 Besucher hatten das entsprechende Verbot zunächst ignoriert. 89 Campingstühle sortierte das umsichtige Sicherheitsteam deswegen am Einlass aus. Sie wurden – wie sonst an einer Garderobe – sorgfältig nummeriert und nach der Show wieder an die Eigentümer ausgegeben.

Veranstalter Christian Mourad und die Sicherheitsmannschaft mühten sich nach Kräften, teils außerordentlich aufgebrachte „Stuhl-Schlepper“ zu besänftigen. Auf der Bühne bat Mourad nochmals um Verständnis für die – für „Classix“-Besucher – ungewöhnliche Regel. „Für diejenigen, deren Geduldsfaden ich strapaziert habe, gelobe ich Besserung“, sagte er. Und erntete mächtig Applaus. Dabei waren Stühle schließlich ohnehin überflüssig. Sogar die Zuhörer auf der Tribüne hielt es ab 21.20 Uhr, als Cocker „Unchain my heart“ röhrte, nicht mehr auf den Sitzen.

Engpässe gab‘s aber trotzdem: Die vier Getränkewagen (zwei mehr als an den Vortagen) konnten den Durst der Cocker-Fans zwar stillen. Aber: Zwei Imbissbuden für 5000 Fans – das war dann doch etwas knapp kalkuliert. Da war Geduld gefragt.

Noch in der Nacht begann der Rückbau des Konzertgeländes. Rund 30 Tonnen wiegen Ton- und Lichttechnik, die demontiert und in zwei Sattelschlepper verladen werden. Weitere acht Lkw transportieren die fast zwölf Meter hohe Rundbogenbühne und die Tribünenkonstruktion.

Fazit des Veranstalters nach fünf „Classix“-Konzerten 2013: „Rund 14.500 Zuschauer sind gekommen, es war ausnahmslos trocken, und ich höre nach den Konzerten nur begeisterte Stimmen“, freute sich Mourad. 2014 gibt‘s ab dem 29. August die achte Auflage der „Kurpark Classix“. Für dieses Jahr machte Mourad zwei Stunden nach Cocker – richtig – erstmal Feierabend.

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