„Kurpark Classix”: Geprobt wird unter Tropen-Bedingungen

Von: Matthias Hinrichs
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yHitzefrei kein Thema: Bei tropischen Temperaturen probt das Sinfonieorchester in diesen Tagen für die „Kurpark Classix”. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Manches hochsommerliche Klangkleid ist mit heißer Nadel gestrickt. Zwangsläufig. Schließlich haben Zeitgenossen wie Dionne Warwick einen verdammt eng gesteckten Terminkalender.

Da habe man schon das eine oder andere Mal den Probenplan mit Weltstars wie Chris de Burgh oder Roger Hodgson praktisch von jetzt auf gleich über den Haufen werfen müssen. Krasse Kollisionen mit den tariflich vereinbarten Arbeits- und Ruhezeiten der Sinfoniker in Kauf genommen, bekennt Marcus Bosch.

Das Orchester hat immer mitgezogen. „Sobald die ersten Stücke wenige Stunden vor dem großen Auftritt im Kurpark gemeinsam probiert waren, war der gegenseitige Respekt in kürzester Zeit spürbar”, sagt der Generalmusikdirektor. Na also.

In gewissem Sinn schwingt Bosch die sprichwörtliche heiße Nadel allerdings schon jetzt. Wenn er seinen Dirigentenstab durch die schwül-stickige Luft im Proberaum über der Elisabethhalle sausen lässt, bleibt garantiert keine Streicherstirne trocken.

Wohl möglich, dass auch mancher Kollege aus der Bläser- oder Perkussionistensektion lieber das kühle Becken im Hause durchpflügen würde als die Partituren für Carmen und Co. Mit Carmen in die Sauna, sozusagen.

Aber Bizet und Badehose - das geht nun doch nicht zusammen. Immerhin dürfen Shirts und Shorts statt Frack und Festkleid die Optik im, gelinde gesagt, schmucklosen Ambiente der maroden Musikantenbleibe bestimmen. So, wie es beim neuerlichen Open-Air-Reigen vom 3. bis 5. September an der Monheimsallee einmal mehr selbstverständlich sein wird - fürs Publikum, versteht sich.

Allerdings ist auch in Sachen Akustik hier und heute längst nicht alles in trockenen Tüchern. Auch wenn der schweißnasse Klangkörper mit Bizets zeitlos-genialen Temperamentsausbrüchen bestens vertraut ist.

„Die Opernwerke müssen völlig neu eingerichtet werden”, berichten Bosch und Violinist Martin Hoffmann am Rande der buchstäblich hitzigen Vorbereitungen fürs Pop- und Klassikfest im Picknickstil.

Und wenn das Vibrato der Violinen beim Vorspiel zum dritten Akt zuweilen noch nicht perfekt intoniert ist, liegt es vielleicht auch daran, dass selbst Saiten und Streichbögen angesichts tropischer Temperaturen ein ganz kleines Bisschen „durchhängen”. Noch.

Trotzdem hofft nicht nur Bosch, dass der Sommer seinem Namen auch beim Gastspiel im Grünen reichlich Ehre macht. „Für das Sinfonieorchester gehört der Auftritt im Kurpark längst zu den großen Höhepunkten des Konzertjahres”, weiß Hoffmann.

Das nennt man wohl positiven Stress. Wenige Tage nur bleiben für die Proben. Bevor das Ensemble kommende Woche erst einmal zur Tournee nach Heidenheim und in die Schweiz aufbricht, müssen die Werke für die „Night at the Opera” mit hochkarätigen Solisten wie Leila Pfister, Teodora Gheorghiu, Yikun Chung und Randall Jakobsh ebenso geigensattelfest sitzen wie jene zur „Summer-Night of Soul” mit der fünffachen Grammypreisträgerin Dionne Warwick, die „Classix for Kids” und schließlich die „Last Night” mit Violinistin Rebekka Hartmann.

Von wegen durchhängen. Beim ersten Lauscherlebnis in Sachen „Kurpark Classix 2010” bleibt kein Zweifel im überhitzten Raume. Das Aachener Sinfonieorchester wird auch diese Herausforderung meistern.

Mit heißem Herzen im - hoffentlich - wohlig warmen September.
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