Kurioser Kreisverkehr: Und am Ende droht der Bagger

Von: Stephan Mohne
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Öfter mal etwas Neues: Am Kre
Öfter mal etwas Neues: Am Kreisverkehr Charlottenburger Allee sind die Rechtsabbiegerpfeile wieder abmontiert, jetzt aber werden Pflasterkissen gebaut. Immerhin: Seitdem die Stoppschilder aufgebaut wurden, hat es dort keinen Unfall mit Verletzten mehr Foto: Michael Jaspers

Aachen. In Düsseldorf schaut man mit Argusaugen nach Aachen. Und zwar auf einen eigentlich relativ entlegenen Flecken der Stadt. Das Landesverkehrsministerium hat nämlich Aachens kuriosesten Kreisverkehr fest im Blick.

Und so gibt es am Schnittpunkt von Charlottenburger Allee und Hüls immer mal wieder etwas Neues. Zunächst wunderte sich mancher Autofahrer über blaue Noppen an den Zufahrten zum „Kreisel”. Dann plötzlich wurden Stoppschilder aufgebaut - nebst einer verwirrenden Zusatzbeschilderung.

Unter den Stoppschildern waren nämlich Pfeile angebracht, nach denen man - statt in den Kreisverkehr einzufahren - eigentlich an jeder Zufahrt hätte nach rechts abbiegen müssen. Der Kreisverkehr war nun kein Kreisverkehr mehr, sondern die wohl einzige „runde Kreuzung” weit und breit. Diese Pfeile sind mittlerweile wieder abmontiert - doch schon in wenigen Tagen werden Bautrupps anrücken. In den Zufahrten werden nun „Hubbel” in Form von Pflasterkissen aus den Fahrbahnen wachsen.

Das alles klingt völlig absurd. Doch es hat einen sehr ernsten Hintergrund, wie vor allem Wolfgang Sanders weiß. Als Abteilungsleiter für Straßenverkehr und Sondernutzungen sowie Geschäftsführer der Aachener Unfallkommission beschäftigt ihn dieser Kreisverkehr seit Jahren. Vornehmlich wegen der schlimmen Zahlen, die dieser „Kreisel” produziert.

Etliche Unfälle mit Schwerverletzten hat es dort schon gegeben. Insbesondere Zweiradfahrer waren vielfach die Opfer. Die Unfallhäufigkeit rührt laut Sanders insbesondere daher, dass auf den Zufahrtstraßen hohe Geschwindigkeiten gefahren werden. Die Charlottenburger Allee ist breit und lädt geradezu zum Gasgeben ein, die Hüls ist von Rothe Erde kommen stark abschüssig.

Zudem gibt es sehr viel Schwerlastverkehr ins und aus dem Gewerbegebiet Elleter Feld. Schnell war der Kreisverkehr Thema der Unfallkommission. Ist eine Straße oder Kreuzung drei Jahre lang „Unfallbrennpunkt”, dann muss das der Bezirksregierung gemeldet werden - und so geht es dann auch zum Ministerium.

Zunächst also versuchte man die Kraftfahrer mit blauer Farbe und kleinen Noppen daran zu erinnern, dass hier ein Kreisverkehr beginnt und man gefälligst aufzupassen habe. Das aber fruchtete nicht, wie Wolfgang Sanders berichtet. So wurde in diesem Sommer die Stoppregelung eingeführt.

Die Sache mit dem Rechtsabbiegegebot nahmen dann allerdings auch manche Autofahrer ernst und kurvten dort durch die Gegend. So habe man diese nun also wieder abgebaut. Die Stoppschilder aber hätten vollauf ihren Zweck erfüllt: „Seither hat sich dort kein Unfall mit Verletzten mehr ereignet”, so Sanders. Trotzdem will man auf Nummer sicher gehen - in Form der Pflasterkissen, die die Kraftfahrzeuge endgültig einbremsen sollen.

Die Hindernisse müssen allerdings sehr stabil ausfallen, weil dort jeden Tag hunderte Vierzigtonner sowie viele Busse „kreiseln”. Das alles wird Geld kosten, wie auch Wolfgang Sanders weiß. „Aber dieser Betrag wird gering gegenüber dem sein, was wir tun müssten, wenn der Kreisverkehr ein Unfallbrennpunkt bleibt”, so der Abteilungsleiter. In letzter Konsequenz bliebe nur, die Bagger anrücken zu lassen, den Kreisverkehr dem Erdboden gleichzumachen, eine Kreuzung einzurichten und Ampeln aufzubauen. Dann würde es wohl mit Summen im sechsstelligen Bereich erst richtig teuer.
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