Kurioser Knöllchenhagel an der Nizzaallee

Von: Stephan Mohne
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Anwohner gegen Anwohner? An der Nizzaallee hagelte es Knöllchen für Falschparker. Die Aktion kam laut Stadt zustande, weil es mehrere Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben hatte. Die „Opfer” sind nun ihrerseits sauer. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Tobias Hebler hat zunächst geglaubt, „dass eine Politesse wohl schlecht gefrühstückt hatte”, bevor sie sich auf den Weg zur Nizzaallee machte. Dort nämlich hagelte es am Dienstagmorgen Knöllchen.

Insbesondere im Bereich der Häuser 2 und 4 - beides Domizile von Studentenverbindungen - fanden mehr als 15 Autofahrer gelbe Zettel hinter den Scheibenwischern, was bedeutet: Da flattert demnächst eine Zahlungsaufforderung ins Haus. Tobias Hebler wohnt im Haus mit der Nummer 4 und mochte es zunächst fast nicht glauben. „Hier herrscht seit jeher ein hoher Parkdruck. Verschärft wird das durch umliegende Baustellen.” Was dazu führe, dass bisweilen gegen die Fahrtrichtung oder auch auf einem Stück neben der Fahrbahn - das ohnehin den Eindruck eines Parkstreifens macht - geparkt wird. Tobias Hebler und die anderen Betroffenen fragen sich, ob die Stadt hier nun die ordnungsrechtliche Keule auspackt, ob ihnen dies nun dauerhaft blüht und warum es die Aktion ausgerechnet jetzt gegeben hat.

Des Rätsels Lösung ist kurios. „Es hat Beschwerden von Anwohnern über Falschparker gegeben”, sagt Evelyn Woelk vom Presseamt der Stadt. „Und zwar nicht nur einmal, sondern mehrfach.” Wenn sich Anwohner derart „massiv” bei der Stadt beschwerten, sei das Ordnungsamt verpflichtet, dort nachzuschauen und „ein Team zu entsenden”. Was ganz offensichtlich auch geschah. Nur: „Welche Anwohner?”, fragt sich Tobias Hebler verblüfft. Im direkt betroffenen Bereich seien nur die beiden Verbindungshäuser und noch ein weiteres Nachbargebäude. Letzteres habe selbst einen Parkplatz. Dass sich jemand quasi aus den eigenen Reihen beschwert habe, schließt Hebler aus.

Am Mittwoch standen einige der Fahrzeuge noch dort, wo sie tags zuvor das Knöllchen kassierten. Tatsächlich liegen ahndungswürdige „Tatbestände” vor. Einige stehen entgegen der Fahrtrichtung, andere auf besagtem Streifen zwischen Fahrbahn und Bürgersteig. Fakt ist aber auch: Eine Behinderung als möglicher Grund von Beschwerden war hier nicht erkennbar. Evelyn Woelk betont jedenfalls, dass dies eine einmalige Kontrolle war. Keinesfalls handelte es sich um eine gezielte oder gar nun regelmäßig stattfindende Aktion.

Spannend in dem Zusammenhang: 2006 hatte es ein paar Meter weiter an der Theresienstraße eine „Knöllchen-Affäre” gegeben, als mitten in der Nacht Polizisten 88 Strafzettel wegen Parkens gegen die Fahrtrichtung verteilt hatten. Im Verlauf dieser Geschichte stand sogar Polizeipräsident Klaus Oelze im Blickpunkt. Er war nach der Lektüre von Rechtskommentaren letztlich zu der Auffassung gelangt, dass hier der Gleichbehandlungsgrundsatz verletzt worden war und hatte die Knöllchen zurückgenommen. Das derartige Falschparken sei nämlich jahrelang geduldet worden. Also hätten die Anwohner angesichts einer derart massiven Aktion vorher informiert werden müssen.

Just das städtische Ordnungsamt hatte seinerzeit zu dieser Sache bekundet, gerade beim Parken gegen Fahrtrichtung sei Augenmaß in Sachen Knöllchen nötig. So sei es zwar nicht gut, so zu parken. Es sei bisweilen aber auch nicht gut, riskant zu wenden, um den Parkplatz zu bekommen. Tobias Hebler jedenfalls will die Sache einem Bekannten übergeben. Der ist Rechtsanwalt und wird sich anschauen, ob die fälligen 15 Euro hier überhaupt gerechtfertigt sind.
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