Aachen - Kuriose „Salami-Schlacht” vor Gericht

Kuriose „Salami-Schlacht” vor Gericht

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
Einkaufswagen
Aus dem Streit um einen Einkaufswagen wurde die kuriose „Salami-Schlacht”. Foto: dpa

Aachen. Was jetzt mehrere Richterinnen und Richter beschäftigt, war einer der kuriosesten Polizeieinsätze 2009. So kurios, dass er sogar in Großbritannien und in den USA für Schlagzeilen sorgte.

So hieß es damals im britischen „Daily Telegraph” unter dem Stichwort „Salami-Schlacht”, ein Mann sei im Streit um einen Einkaufswagen mit einer Salami auf eine Frau losgegangen, die sich mit einem spitzen Stück Parmesan zur Wehr gesetzt habe.

Der Mann habe die Frau dann auch noch auf ein Warenregal gestoßen - mit der Folge eines Schädelbruchs. Auch die „Washington Post” berichtete von den „Salami-Schlägern”. Nun: Salami, Parmesan und Schädelbruch sind reine Erfindungen eines Autors mit blühender Fantasie. Den Streit in dem Supermarkt aber hat es tatsächlich gegeben. Und handgreiflich ging es auch zu, wonach zwei Beteiligte ins Krankenhaus gebracht wurden.

Es war der 12. Dezember 2009. An einem Supermarkt in der Schillerstraße war viel los, die Einkaufswagen waren fast alle vergriffen. Den letzten wollten sich zwei potenzielle Einkäufer schnappen - ein 74-Jähriger und eine 35-Jährige. Da keiner dem anderen den Vortritt lassen wollte, kam es zu einem heftig-lautstarken Wortgefecht.

Im weiteren Verlauf verlagerte sich das Gerangel in den Supermarkt. Laut Polizeibericht sei der 24-jährige Bruder der Frau eingeschritten und habe dem 74-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Zu einem weiteren Höhepunkt kam es an der Käsetheke. Dort soll nun der 74-Jährige die 53-Jährige Mutter der beiden Kontrahenten so geschubst haben, dass sie gegen die Käsetheke krachte und sich verletzte.

Zwischendurch soll man sich gegenseitig noch mit „Scheiß Ausländer” beziehungsweise „Scheiß Deutscher” - der 74-Jährige ist Deutscher, die Kontrahenten Familie stammen aus dem arabischsprachigen Raum - beschimpft haben. Folgen des Ganzen: wechselseitige Strafanzeigen und eine Zivilklage.

Letztere wurde am Dienstag am Amtsgericht vor Richterin Dr. Petra Helbig verhandelt. Der 74-Jährige verlangt Schmerzensgeld, weil er zunächst unter anderem befürchtete, wegen des Streits einen Herzinfarkt erlitten zu haben. Was sich im Krankenhaus jedoch nicht bestätigte. Die Richterin machte dem Rechtsanwalt des nicht selbst anwesenden Klägers klar, dass hier höchstens 1000 Euro Schadenersatz in Frage kommen - und schlug allen Parteien einen Vergleich vor. Den lehnte aber der Beklagte ab.

Alsdann ging es in die Beweisaufnahme. Ein 58-jähriger Zeuge sagte aus, der 74-Jährige habe sich der Situation mehrfach entziehen wollen, sei in Panik gewesen. Aus dieser heraus sei der Schubs an der Käsetheke quasi als eine Art Befreiungsversuch zu erklären.

Der 24-Jährige wiederum habe zugeschlagen, allerdings auch nicht mit brutaler Gewalt. Aufgrund seiner weitgehend für den Kläger positiven Aussage wollten Richterin Helbig wie später für den Beklagten auch Anwältin Ursula Becks wissen, ob der Zeuge den 74-Jährigen kennt oder kannte. Das verneinte der Zeuge mehrfach. Woran die Anwältin weiter zweifelt.

Einen angesichts dieser Zeugenaussage erneut vorgebrachten Vergleichsvorschlag des Gerichts lehnte Becks ebenfalls ab. „Es kommen noch Zeugen, die eine ganz andere Geschichte erzählen”, ließ sie wissen. So wird das Zivilverfahren im August fortgesetzt. Damit nicht genug: Mitte Juli kommt es auch noch aufgrund der wechselseitigen Anzeigen zum Strafprozess um die vermeintliche „Salami-Schlacht”.
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