Kunstroute: Von Graffiti über Tattoo zu digitaler Kunst

Von: Eva Onkels
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Das Hobby erfolgreich zum Beruf gemacht: Lars Kessler alias Lake hat in Aachen mit seiner „StreetArt“ und fantasievollen Graffitis schon vielen Ecken der Stadt ein neues Gesicht gegeben. Foto: Andreas Schmitter
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Unter freiem Himmel: Birgitta Lancé begrüßt Gäste auf dem Skulpturenhügel, Senserbachweg. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. 44 Stationen, Hunderte von Kunstwerken und eine künstlerische Vielfalt, die man sonst kaum sieht: All das bietet die Aachener Kunstroute. Bereits zum 18. Mal konnten Kunstinteressierte am vergangenen Samstag und Sonntag in Ateliers, Geschäftsräume und Museen blicken, sich mit Künstlern und Kunstexperten unterhalten – und entdecken, welche Kunstrichtungen es in Aachen gibt.

Was früher manch einer gern als Vandalismus bezeichnet hat oder was auch heute noch in den Mündern mancher als Verschandelung urbaner Räume gilt, hat Lars Kesseler, Künstlername Lake13, zu seiner Kunst gemacht.

Der 43-Jährige hat nach eigenen Angaben 99 Prozent der Auftragsgraffiti in Aachen gestaltet, darunter diverse Trafohäuschen der Stawag, aber auch Hauswände und Garagen. In der Nähe der Normaluhr finden sich gleich mehrere seiner Motive, ebenso am Adalbertsteinweg – als Werbung für eine Anwaltskanzlei – oder an der Viktoriastraße.

In Kohlscheid gestaltete er eine Schwimmhalle und an der Gerlachschule in Aachen die Wand eines Neubau – mit Bäumen, damit die Kinder sich dort wohlfühlen. Seine Bilder zeigen, dass Graffiti genauso viel kann wie andere Kunst auch; Abstraktes, Comics, Photorealistisches.

Aus der Schmuddelecke

Auf der Kunstroute zeigt er im eigenen Atelier nicht nur eigene Werke, sondern auch Bilder zweier Graffitikünstler aus den Niederlanden und ein Ölgemälde eines Tattookünstlers aus Herzogenrath. Gerade dieses Bild zeigt das Ziel von Lake deutlich: „Ich möchte Graffiti- und Tattookünstler aus der Schmuddelecke herausholen. Es ist heute mehr möglich als die meisten Leute so vermuten. Es hört nicht bei der Wand auf.“ Betrachtet man seine Kunstwerke, erkennt man genau dies.

Im Gegensatz zu dieser Form urbaner Kunst steht das Kunstatelier „Frutti dell Arte“. Man verlässt innerhalb von Sekunden den städtischen Raum und steht mitten in einem Garten, der fast wie ein Urwald wirkt. Und auch hier findet sich eine Menge Kunst. Nicht nur der Garten selbst mit seinen Stelen und Brunnen ist ein kleines Kunstwerk für sich. Im Inneren des Ateliers findet man mehr Künstler als in mancher großen Kunstausstellung – und internationale Kunst dazu.

Aktiv habe man, so erzählt Brigitte Vogt-Klein, die Begegnung mit Flüchtlingen gesucht und dabei eine Künstlerfamilie aus Syrien gefunden. Ibrahim Alawad ist Syrer, hatte vor mehr als 20 Jahren in Aachen sechs Semester lang an der RWTH studiert, in Damaskus eine Kunstakademie gegründet und ist schließlich als Flüchtling zurück nach Aachen gekehrt. Beeindruckend sind vielleicht gerade wegen der Fluchtgeschichte seine Bilder, die voller warmer Farben und Menschlichkeit stecken.

Seine Tochter, Layala Alawad, ist ihrem Vater in die Kunstwelt gefolgt. Ihre Bilder erzählen Leidensgeschichten, verarbeiten die Flucht. Es sind Bilder voller Trauer und gleichzeitig voll tröstender Gesten – ein Kontrast, der ein einfaches Vorbeischlendern an den Bilder unmöglich macht.

Auch Marcus Löhrer hat sich der Flüchtlingsthematik angenommen und mit seinem Bild „L‘ultima cena“ die westliche Politik scharf kritisiert. Das rein digital entstandene Bild, dass in einer großen Variante in der Aula Carolina zu sehen war, sorgte für viel Aufsehen. Einige Besucher sagten, es preche ihnen aus der Seele.

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