Kunstprojekt für traumatisierte Kinder

Von: Katharina Redanz
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Kunstprojekt schafft Perspektiven nach der Traumatisierung: Fabio, Kevin, Lucas, Amina und Kim sowie Künstlerin Andrea Wycisk präsentieren stolz ihre Werke. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust zu malen und auch noch in den Wald zu gehen, vor allem bei dem Wetter“, erzählt Kevin, „aber jetzt hat es doch Spaß gemacht.“ Herausgekommen aus „keiner Lust“ sind drei unterschiedliche Kunstwerke auf Leinwand und ein bunt bemalter Ast – „eigentlich gefällt mir alles ganz gut.“

Der Elfjährige wohnt im „Paulinenhof“, eine integrative Wohngruppe für traumatisierte Kinder am Paulinenwäldchen, am Rande der Soers. Jetzt hat in der Wohngruppe, die zum Eschweiler Haus St. Josef für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe gehört, ein Kunstprojekt stattgefunden. Zu Besuch war die Wohngruppe Sternenhaus aus Stolberg.

Erleben, was man schaffen kann

Passend zur Jahreszeit wurde ein ausführlicher Spaziergang durch den Wald gemacht, Kastanien, Eicheln, Blätter, Moos und was die Natur sonst noch so hergibt, gesammelt – um anschließend mit diesen natürlichen Materialien kreativ zu sein. So könnten die Kinder die Natur kennenlernen und gleichzeitig mit ihr arbeiten, sagt Andrea Wycisk, Leiterin des Projektes im Paulinenhof.

Bereits zum zweiten Mal leitete sie das Kunstprojekt in der Wohngruppe. „In den Sommerferien haben wir das zum ersten Mal gemacht, die Kinder haben aus unterschiedlichen Materialien Collagen gebastelt“, erzählt die Künstlerin. Das Projekt sei sowohl bei den Kindern als auch bei den Leitern und Betreuern der Gruppe so gut angekommen, dass schnell klar war: „Wir müssen das unbedingt nochmal machen.“

Ziel des Projektes sei es zum einen, den Kindern Kunst näher zu bringen. Vor allem aber soll es das Vertrauen der Kinder in ihre eigenen Fähigkeiten stärken, so Wycisk, „über die Kunst sehen Kinder schnell, was sie schaffen können.“ So möchte sie den Kindern einen Weg in ein erfülltes, erwachsenes Leben zeigen.

Insgesamt neun Kinder zwischen sieben und 17 Jahren wohnen in der Intensiv-Wohngruppe, „alle haben eine unterschiedliche Vorgeschichte, haben Schlimmes erlebt“ sagt die Teamleiterin des Hauses, Andrea Höppener. So seien Verwahrlosung, Gewalt oder Missbrauch in der Vergangenheit keine Seltenheit. Im Paulinenhof hätten sie ein neues oder teilweise auch ein zweites Zuhause gefunden, so Höppener.

„Wir sind hier wie eine große Familie. Wir kochen, backen und spielen zusammen, gehen raus, fahren in den Ferien weg und bieten den Kindern verschiedenste Aktivitäten – das komplette Familienprogramm eben.“ Nicht zuletzt aufgrund der Lage gäbe es viele Projekte in der Natur oder mit Tieren, beispielsweise Reittherapie. „Nur die Kunst ist bisher ein bisschen zu kurz gekommen“, gibt Höppener zu, deshalb freue sie sich umso mehr, dass diese Aktion nun schon zum zweiten Mal stattfinden konnte.

„Wir würden das gerne noch öfter machen“, sagt sie, „aber gerade für die kreativen Sachen fehlen uns die Mittel.“ Auch der jetzige Workshop wurde, ebenso wie der in den Sommerferien, vom Verein „kinderseele e.V.“ unterstützt, der Aachener Förderverein zur Unterstützung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher. „Hier können die Kinder zeigen was in ihnen steckt, und zwar auf andere Weise als das übliche Abfragen und Testen“, begründet Beate Robens von „kinderseele“ die Förderung, „und in denen steckt viel.“

Gegenseitige Inspiration

Die Künstlerin Wycisk bestätigt das: „Ich bin komplett beeindruckt von der Vielseitigkeit der Collagen“, sagt sie, alle hätten mit dem Material aus dem Wald die gleiche Basis gehabt und doch sind die Kunstwerke komplett unterschiedlich geworden. „Jeder drückt sich anders aus.“ Sie selbst sei nach einem solchen Tag mit den Kindern für ihre eigene Arbeit inspiriert – „ich sehe hier zum Beispiel wilde Farbkombinationen, auf die ich selber noch nie gekommen bin“, so Wycisk.

40 Werke entstanden

Rund 40 Kunstwerke sind entstanden, in den unterschiedlichsten Farben, mit und ohne Material aus dem Wald. Kevin zum Beispiel hat ganz viel mit rot, weiß und blau gearbeitet „Das sind die Farben von meinem Fußballverein“, erklärt er. Sein Wohngruppen-Bruder Yannick, acht Jahre, hat den Wald nachgebastelt: „Die Moosbüsche hier sind die Bäume, die Kastanien und Eicheln sind Felsen und das Stück Baumrinde ist eine Burg“, sagt er und präsentiert stolz eins seiner Werke.

Die 14-jährige Kim hat unter anderem einen kleinen Ast auf Leinwand geklebt, diese bunt bemalt und den Ast zum Lebensbaum erklärt. „Die ganzen bunten Punkte habe ich extra gemacht“, sagt sie.„Wir würden gerne noch weitere Kunstaktionen hier machen“, sagt Wohngruppenleiterin Höppener, „zu Weihnachten zum Beispiel würde es sich super anbieten.“ Ob das klappt, hängt von Unterstützung von außen ab. Die Kinder jedenfalls sind auch dafür: „Ich glaube das nächste Mal hätte ich dann auch direkt Lust dazu“, sagt Kevin.

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