Kunstprojekt: „Engel der Kulturen“ erstmals in Aachen

Von: Esra Güner
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Kunstaktion in der Kirche St. Jakob: Kinder und Jugendliche füllen die Skulptur des „Engels der Kulturen“ mit weißem Quarzsand. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „In der eigenen Religion zuhause, in der anderen Religion zu Gast“ – diesem Leitsatz folgt das Atelier Gregor Merten und Carmen Dietrich seit sieben Jahren mit einem besonderen Kunstprojekt: Im Mittelpunkt steht ein Symbol, das die Menschen über ihre Herkunft und ihren Glauben hinaus verbindet.

Es enthält, stellvertretend für alle Kulturen und Religionen, die Zeichen der drei abrahamitischen Weltreligionen Islam, Judentum und Christentum. Die Zeichen sind auf einem Ring so angeordnet, dass sie überraschenderweise die Gestalt eines Engels einnehmen.

In zahlreichen Städten im In- und Ausland wurde dieser „Engel der Kulturen“ als Friedensbote bereits gezeigt, jetzt wurde er erstmals in der Kaiserstadt sichtbar. Kinder und Jugendliche aus der Städteregion Aachen waren dazu aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen. Rund 80 Teilnehmer zogen mit einer 1,50 Meter großen, rollenden Skulptur des Engels durch die Stadt, um an öffentlichen Stellen Sandabdrucke des Engels zu erzeugen. Auf ihrer dreistündigen Route lagen der Domhof, das Haus der Evangelischen Kirche und die Jakobskirche.

„Die Aktion trifft einen Nerv unserer Gesellschaft“, findet Gerhard Nellessen, Projektorganisator und Jugendbeauftragter des Bistums Aachen. „Wir sollten nicht nur im Alltag friedvoll miteinander umgehen, sondern auch auf der Weltbühne gemeinschaftlich handeln“. Die gegenwärtigen Konflikte bewiesen leider das Gegenteil. Umso mehr freut sich Nellessen, dass viele teilnehmende Gruppen der Offenen Jugendarbeit, der Jugendverbände und Schulen ein Zeichen gegen Ausgrenzung und für Multikulturalität setzen.

Seinen Höhepunkt fand die Aktion in der Jakobskirche, vor der eine dauerhafte Bodenintarsie verlegt wurde. Gleich vor Ort wurde die Intarsie für den nächsten Verlegeort hergestellt. So werden alle teilnehmenden Städte symbolisch verbunden. Die Idee geht weiter: „Die beim Ausbrennen entstehenden inneren Formen, am Rand mit Ort und Datum beschriftet, werden liegend aufeinander geschichtet und bilden eine Säule der Engel der Kulturen, die in Zukunft noch weiter wachsen soll,“ stellt Dietrich heraus. Großes Ziel des Projekts ist es, die Statue am Ende in Jerusalem, der Hauptstadt der drei Weltreligionen, aufzustellen.

„Das Kunstprojekt besteht aber nicht nur aus dieser Aktion“, stellt Gerhard Nellessen heraus. Seit diesem Herbst verteilt der Fachbereich Kirchliche Jugendarbeit den Gruppen, die sich am Projekt „Engel der Kulturen“ beteiligen möchten, kostenfreie Collageflächen mit den Umrissen des Symbols. Auf den weißen Flächen drücken Kinder und Jugendliche ihre Sichtweisen zu Themen wie Herkunft, Glaube oder Frieden aus. Die aus 24 Teilen zusammengesetzten Flächen ergeben ein etwa ein Quadratmeter großes Kunstwerk und können in der Einrichtung bzw. im Gruppenraum aufgehängt werden.

Über 1100 junge Leute haben sich bereits an dem Kunstprojekt beteiligt. „Die Resonanz ist überwältigend“, zeigt sich Nellessen beeindruckt, der die Frist deshalb nun noch einmal verlängert hat. Zufrieden ist er aber auch mit der Kunstaktion. Die Reaktion des zehnjährigen Teilnehmers Migel gibt ihm Recht. „Das war cool“, lächelt er und fasst den Sinn und Zweck der Veranstaltung noch einmal treffend zusammen: „Ich hab‘ heute gelernt, dass wir alle gleich viel wert sind.“

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