Aachen - Kunst-Workshop: Ein anderes Ich aus Schrauben, Draht und Farbe

Kunst-Workshop: Ein anderes Ich aus Schrauben, Draht und Farbe

Von: Ines Kubat
Letzte Aktualisierung:
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Erfolgreiche Uraufführung: Forums-Direktorin Dr. Brigitte Franzen (l.), Kulturdezernentin Susanne Schwier (3.v.l.), Museumspädagoge Holger Otten (ganz hinten), Künstler Artur Zmijewski (kniend) und Forum-Mitarbeiterin Miriam Lowack (r.) präsentierten mit den behinderten Filmemachern und Künstlern die „self-portraits“ im Space des Hauses an der Jülicher Straße. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Stück für Stück richten die großen Bagger die massiven Formen langsam vom Boden auf. Ihre Rückseiten sind noch vollkommen mit Erde bedeckt, an vielen Stellen hängen noch Stücke des Grases, aus dem sie angehoben werden.

Je weiter sie sich aufrichten, desto klarer kann man die schemenhaft menschlichen Umrisse der Betonskulpturen erkennen, die nun im Garten des Ludwig Forums stehen. Im Rahmen eines Workshops mit dem polnischen Künstler Artur Zmijewski sind die Skulpturen im vergangenen Juni entstanden. Die Dokumentation dieser Arbeit wurde jetzt im Space des Ludwig Forums im Form des Kurzfilmes „Self-portrait“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Kiefers „Wege“ als Inspiration

Der international bekannte Künstler Zmijewski beschäftigt sich schon seit Längerem mit dem Thema der gesellschaftlichen Integration von behinderten Menschen, hat beispielsweise Projekte geleitet mit tauben Menschen, die sangen, und Blinden, die malten. In Aachen beteiligten sich im vergangenen Sommer drei interessierte junge Mädchen und einige körperlich und geistig Behinderte aus dem Lebenshilfewerk „Haus Wiesental“ an dem Workshop. Das Filmmaterial zeigt in 15 Minuten den Entstehungsprozess eines Gruppenporträts und der drei Gartenskulpturen.

Anselm Kiefers „Wege II“ – ein großformatiges Gemälde mit zahlreichen Porträts – fanden die Workshop-Teilnehmer besonders spannend und wählten es als Inspiration für ihr „Self-portrait“: Jeder gestaltete mit Hilfe von Alltagsgegenständen wie Schrauben, Fahrradketten, Draht und viel Farbe ein abstraktes Abbild seiner selbst. Alle Köpfe wurden schließlich gemeinsam auf einer Unterlage angeordnet und prangen nun im selben großen Format wie das Original neben „Wege II“ in den Ausstellungshallen des Ludwig Forums.

Im weiteren Verlauf des Filmes wird schließlich gezeigt, wie die Skulpturen im Garten entstanden sind: Während die einen Workshopteilnehmer in unterschiedlichen Haltungen auf dem Boden lagen, umrandeten andere ihre Körper mit Kalkpulver. Diese Umrisse dienten dann als Orientierung für die schweißtreibende Arbeit der Aushebung der Erde. Mit einem Beton-Gemisch goss die Gruppe schließlich die drei Vertiefungen aus, so dass man bald die dreidimensionalen Kunstwerke und Abbilder der Teilnehmer bewundern konnte: Die wirken insgesamt recht uneben, teils krumm, sind weder glatt geschliffen noch poliert, sondern in ihrer natürlichen Form belassen.

Diese Unberührtheit der Werke scheint auch Merkmal von Zmijewskis Arbeit zu sein, der in seinen Projekten und Filmen nie beschönigt, nie Problematiken verschweigt. Ganz im Gegenteil seien seine Filme häufig eher „verstörend und provokant“, so Holger Otten, der gemeinsam mit Miriam Lowack den Workshop um „Self-portrait“ kurierte. Während andere Filme zur Inklusion häufig eine Art „Happy End“ propagierten und zeigten, wie gut Menschen mit Behinderung integrieren werden könnten, entlasse Zmijewski die Kinobesucher selten mit einem guten Gewissen, so Otten weiter: Vielmehr konfrontiere er direkt mit den Problematiken, das „Anders-sein“ zu akzeptieren.

Dr. Brigitte Franzen, Direktorin des Ludwig Forums, betonte die Wichtigkeit, auch mit Hilfe kultureller Teilhabe den langwierigen Prozess der Inklusion zu unterstützen, und dankte dem Stadtteilbüro Aachen-Nord für die Co-Finanzierung des Projektes aus dem Verfügungsfonds. Und obgleich Zmijewskis Workshop als Beispielprojekt der Inklusion auch auf kultureller Ebene wertgeschätzt werden kann und muss, bedauerte Holger Otten gleichzeitig zu recht, dass sich lediglich drei nichtbehinderte Teilnehmer für das Mitmachen begeistern konnten: Dies sei ein klares Signal, dass „bei dem Thema noch viel zu tun ist“.

Vorerst bleibt die Uraufführung des Filmes auch die einzige Vorstellung. „Self-Portrait“ ist nun allerdings im Besitz des Ludwig Forums und wird neben Anselm Kiefer mit „Wege II“ zu sehen sein.

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