Kunst räumt mit Klischees auf

Von: Nicolas Gaspers
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Ausstellung Domschatzkammer: d
Ausstellung Domschatzkammer: der Künstler Markus Mussinghoff (links), Dr. Georg Minkenberg (Leiter Domschatzkammer),Terry Buchholz und Domvikar Hans-Günther Vinken. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Die Künstler Terry Buchholz und Markus Mussinghoff wollen mit Klischees aufräumen. Seit 1996 stellt die Domschatzkammer zeitgenössische Kunst in direktem Kontext mit den mittelalterlichen Schätzen aus.mitbringt, immer noch beschäftigen. Trotzdem sollen die ausgestellten Werke immer in Zusammenhang mit den Museumsstücken stehen und einen Bezug dazu aufweisen.

„Der Sinn ist, diese Klischees zu entreißen, dass das alte Zeug uns nichts mehr angeht”, erklärt Dr. Georg Minkenberg, Leiter der Domschatzkammer, dazu. Viele Fragen seien auch heute noch aktuell und könnten den Betrachter, der etwas Zeit und Muße

Zugegeben muss man da manchmal schon etwas genauer hinsehen, um diesen Zusammenhang zu entschlüsseln. Manchmal ist es leichter, manchmal überaus subtil. Genau das macht die Ausstellung von Buchholz und Mussinghoff aber so lebhaft und interessant. Wer sich einlässt auf tiefe Eindrücke und neue Vorstellungen, der wird sich in der Domschatzkammer auch nach Stunden noch nicht langweilen.

Beziehung zu Reliquien

Terry Buchholz stellt in der Domschatzkammer eine ganze Vielzahl an Arbeiten aus, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Ob Textilarbeiten, objektbezogene Kunst, Fotografien oder Technik und Film - vor nichts schreckt die mehrfach preisgekrönte Meisterschülerin zurück. Knallige Farben oder eher zurückhaltende Töne, klare Linien oder verwischte Motive, alles findet sich in der aktuellen Ausstellung wieder und hat eine ganz besondere Beziehung zu den Reliquien. Konsequenterweise sind ihre Kunstwerke nämlich selbst welche. Sie bewahren etwas auf, das längst vergangen ist. Erinnerungen, Motive aus dem flüchtigen Leben, ob aus dem eigenen oder einem fiktiven anderen, werden in ihren Arbeiten wieder fassbar und erhalten so einen Hauch von Ewigkeit - wie echte Reliquien das eben tun.

Markus Mussinghoff, ebenfalls Meisterschüler und mehrfacher Preisträger, trägt zu der Ausstellung gänzlich andere Kunstwerke bei. Anderes Material, andere Arbeitstechnik und vor allem: andere Größenverhältnisse! Mussinghoffs Arbeiten sprengen da gut und gerne mal die vier Meter Höhe, von der Länge ganz zu schweigen. Jedem aufmerksamen Leser fällt an dieser Stelle auf: Das passt doch dann nie und nimmer in die Domschatzkammer? Nein, passt es auch nicht. Mussinghoff stellt im Dom selbst aus. Seine Holzskulpturen aus Vierkanthölzern, Latten, Brettern und Nägeln fügen sich mitten in den historischen Raum des verstorbenen Kaisers ein. Weil er solche Maße auch nicht transportieren kann, erstellt der Künstler seine Werke immer in wochenlanger Arbeit vor Ort, am Ende der Ausstellung werden sie dann zerstört. „Aber Sie werden sehen: Wenn sie weg sind, dann wird man im Dom etwas vermissen, was vorher noch gar nicht da war”, sagt Minkenberg. Noch bis zum 11. Dezember wird „Kein schöner Land - in dieser Zeit” im Dom und in der Schatzkammer zu sehen sein.
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