Aachen - Kunst auf den Spuren jüdischer Ahnen und unendlicher Größe

Kunst auf den Spuren jüdischer Ahnen und unendlicher Größe

Von: Julia Gröbbels
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Beeindruckende Reflexionen über Zeit und Raum: Der New Yorker Künstler Karl Nussbaum, der seine Wurzeln in Aachen hat, zeigte seine Performance „The Hilbert Space“ in der Citykirche. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es war eine Performance, die zu Herzen ging. Mystisch, irrational und doch untrennbar mit realen Geschehnissen verknüpft. Im Rahmen der Jüdischen Kulturtage in Aachen zeigte der New Yorker Filmprofessor und Medienkünstler Karl Nussbaum in der Citykirche seine Performance „The Hilbert Space“.

Auf einer Leinwand aus Seide, die er wie einen Fallschirm mit Fäden steuerte, projizierte er Bilder von jüdischen Trauerzeremonien, mathematische Formeln, kühlen Wetterbildern, Szenarien des Zerfalls und leeren Wohnräumen.

Die Performance war für Nussbaum vor allem eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Geschichte seiner Familie und dem Beruf seines Vaters. Der Künstler hat einen sehr persönlichen Bezug zur Kaiserstadt, da sein Großvater aus Aachen stammte und vor dem Krieg einen Zigarrenladen in der Adalbertstraße besaß. Als Junge entrann Nussbaums Vater später in Mönchengladbach den Mordprogrammen der Nazis durch einen Rettungstransport für Kinder. Er wurde ein bekannter Mathematiker, der sogenannte Hilbert-Space sein Spezialgebiet: In der Mathematik bezeichnet er einen theoretischen Raum unbegrenzter, unendlicher Dimensionen. Er bietet die Grundlage für die Quantenmechanik und Thermodynamik.

„Ich verwende den ‚Hilbert Space‘ als eine Metapher“, erklärte Nussbaum auf Englisch. „Auf diese Weise habe ich das Gefühl, meinen Vater in den Himmel – in seinen persönlichen Hilbert Space – zu schicken und seiner so zu gedenken“. Für Nussbaum, der zum ersten Mal in Aachen war, sei es etwas sehr Besonderes, zu sehen, wo sein Großvater gewohnt hat und durch welche Straßen er gegangen ist. „Ich bin immer noch gerührt, wie toll ich hier aufgenommen wurde. Im Stadtarchiv erhielt ich viele Informationen über meinen Großvater und ich bin sehr dankbar, dass all diese Informationen über so lange Zeit bewahrt wurden“, sagte er nach der Performance im Gespräch mit Rick Takvorian vom Veranstaltungsmanagement des Kulturbetriebs.

Am morgigen Donnerstag um 20 Uhr wird Karl Nussbaum seine Performance „The Hilbert Space“ im Monforts Quartier in Mönchengladbach zeigen. Auch die, wie Nussbaum aus New York stammende, Performance-Künstlerin Elana Katz, die bereits in Aachen gastiert hat, wird dort ihre Aktionskunst präsentieren.

Weitere Informationen zu Veranstaltungen der Jüdischen Kulturtage gibt es im Internet unter: www.juedische-kulturtage-rheinland.de.

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