Kulturverein Aachen-Prag: Ein Familientreffen der besonderen Art

Von: Peter Schopp
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Ganz neue Bekanntschaften: von links Vera Blazek (Kulturverein Aachen-Prag), Caroline Reinartz und Referent Dr. Oliver Czarnetta. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn historische Namen und Gebäude in einen aktuellen Bezug gestellt werden, wird Geschichte greifbar und verständlich. Das sind oft die Momente, in denen das jeweilige Thema seinen trockenen Charakter verliert und unterhaltsam wird.

So war es auch bei dem Vortrag von Dr. Oliver Czarnetta, der auf Einladung des Kulturvereins Aachen-Prag über die Skulpturen des Aachener Doms referierte, die zwischen 1864 und 1876 vom Aachener Künstler Gottfried Götting geschaffen wurden.

Der Abend hatte viele Hauptdarsteller: Czarnetta, in Aachen lebender Künstler, als Referent war einer von ihnen. Auch zwei Gipsmodelle des Künstlers, die eigentlich gar nicht dort sein sollten, standen im Rampenlicht. Und nicht zuletzt Caroline Reinartz, stadtbekannte Immobilienmaklerin. Aber immer der Reihe nach.

In einer Zeit, als Aachen dem protestantischen, preußischen Hoheitsgebiet zugeschlagen wurde und die Bedeutung des Aachener Doms immer geringer wurde, gleichzeitig aber der Wille des weiteren Gestaltens bei den Domverantwortlichen erkennbar war, erhielt Götting den Auftrag, sukzessive den Aachener Dom mit Skulpturen zu schmücken. Man erteilte ihm den Auftrag auch deswegen, weil er deutlich billiger in seiner Werkstatt in der Jakobstraße arbeitete als die damals führenden Künstler aus Köln.

Viele Anregungen aus Köln

Gleichwohl holte sich Götting dort viele Anregungen für sein Werk, musste seine Arbeit dabei lange nicht so festgelegt ausführen, wie das am Kölner Dom gefordert wurde. Zunächst wurde bis 1866 die Matthiaskapelle mit Darstellungen der zwölf Apostel und vier Evangelisten bestückt, anschließend die Annakapelle mit Figuren der heiligen Anna mit Maria und dem Jesuskind, der heiligen Sippe sowie begleitender Engelsfiguren. Es folgte die Ausstattung der Karls- und Hubertuskapelle mit acht Figuren und schließlich die Chorhalle, an deren Fassade 29 Statuen aufgestellt wurden, unter anderem Abbilder von Karl dem Großen und Papst Leo III. Da alle entsprechenden Sockel und Baldachine bereits vorhanden waren, muss die Verwirklichung der verschiedenen Zyklen von jeher bereits geplant gewesen sein. Die Statuen selbst sind zwischen 40 Zentimetern und 2,55 Metern groß und teilweise aus Udelfanger Sandstein oder Savonnières-Kalkstein. Zunächst formte Götting Gipsabdrücke im Maßstab eins zu vier, deren Züge später auf die Steinblöcke übertragen wurden.

Das künstlerische Vermächtnis Göttings befindet sich in Waldfeucht in Privatbesitz und ist nicht zugänglich. Umso erstaunter war Czarnetta, als er zwei dieser Gipsfiguren an diesem Abend vor sich sah. Hubertus Peters, Mitglied im Kulturverein, hatte sie nach einer spannenden Suche im Heimatmuseum Waldfeucht ausfindig gemacht und eben diese Stücke für den Abend bereitgestellt bekommen. Insgesamt sind in Waldfeucht fünf dieser Gipsmodelle zu besichtigen.

Bei den umfangreichen Recherchen zu Gottfried Götting und seiner Hinterlassenschaft stieß die Vorsitzende des Vereins, Vera Blazek, auf familiäre Verbindungen zu Caroline Reinartz. Es stellte sich heraus, dass die Mullefluppet-Preisträgerin von 1996 die Urenkelin Göttings ist. Blazek lud Reinartz zu diesem Abend ein, und diese brachte neben einer Mappe mit Zeichnungen des Künstlers auch das Versprechen mit, weitere Familienmitglieder auf mögliche noch vorhandene Kunstwerke anzusprechen. Sie selbst besitze eine Madonnenfigur, die im Krieg in Familienbesitz kam. „Die haben wir dann jedes Jahr am Prozessionstag mit ein paar Blumen vor die Tür gestellt. Die gebe ich für kein Geld der Welt her.“ Wer die Statue erschaffen hat, weiß Reinartz nicht. Vielleicht ist sie ja von Gottfried Götting. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

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