„Kulturrausch“ ohne Reue und Kosten

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Viel mehr Kunst, als auf einen Bierdeckel passt: Luisa Miny vom RWTH-AStA (links) und Museumspädagogin Pia vom Dorp wollen Aachens Studenten zum Nulltarif in die städtischen Museen locken. Foto: Harald Krömer

Aachen. Kaiser Karl hält nicht nur den Dom in den Händen, sondern auch ein Glas Bier; dem Ballett-Clown, Wahrzeichen des Ludwig Forums, wird zugeprostet – so mancher Besucher der Kneipen und Bars in der Pontstraße stellt sein Getränk derzeit auf Bierdeckeln ab, die die kulturellen Vorzeigeobjekte der Stadt in einem ungewohnten Licht erscheinen lassen und vor allem auf den ersten „Kulturrausch“ aufmerksam machen sollen.

Vom 25. bis 30. April sollen Studierende zuhauf in die Aachener Museen strömen und sich ein eigenes Bild von den vermeintlich verstaubten und langweiligen Ausstellungshäusern machen.

Initiatorin Pia vom Dorp, Leiterin der Kunst- und Kulturvermittlung der Aachener Museen und der Route Charlemagne, hat die beiden AStA-Kulturreferenten der RWTH und der FH mit ins Boot geholt, damit der „erste Versuch“ nicht gleich an der Zielgruppe vorbei geplant wird. „Welches Format ist das richtige? Welcher Zeitraum im Jahr bietet sich an? Was können die Hochschulen beitragen? Zusammen mit Luisa Miny von der RWTH und Luca Strassner von der FH haben wir etwas Attraktives auf die Beine gestellt“, meinte vom Dorp.

Das beginnt nicht erst mit der Öffnungszeit, die zumindest in der Woche jenseits der sonst üblichen 10 bis 17 Uhr liegt. Sondern schon mit dem gewählten Datum, „das nach der Prüfungsphase und am Beginn der Vorlesungszeit platziert ist“, erklärte Miny. „Alle sind wieder da und frisch für etwas Neues.“ Aber natürlich hatten die beiden Kulturreferenten auch viele Ideen, um das spezielle Studierenden-Programm ordentlich aufzupeppen.

So dürfen sich die Besucherinnen und Besucher neben freiem Eintritt in sechs Häuser auf Filme, spezielle Führungen, einen Blick hinter die Kulissen in der Restaurierungswerkstatt zum Beispiel des Suermondt-Ludwig-Museums ebenso freuen wie auf den uni-eigenen „ChaosLeseClub“, einen Poetry Slam oder das RWTH-Improvisationstheater „UnImpro!“.

Auch selbst aktiv werden können die Studierenden – zum Beispiel in der offenen Werkstatt mit dem vielversprechenden Namen „Ingenieurskunst gefragt! – Autos mit Luftballonantrieb“ im Centre Charlemagne oder beim „Papierschöpfen aus der großen Bütt“ im Zeitungsmuseum. Und natürlich versprechen Kaiser Karl und Ballett-Clown auf den Bierdeckeln nicht zu viel: Auch für kühle Getränke mit und ohne Alkohol wird gesorgt sein.

An welchen der sechs Tage des „Kulturrausch“ sich die angehenden Akademikerinnen und Akademiker in die sechs musealen Orte begeben, ist natürlich ihnen selbst überlassen. Wichtig ist nur: Studierenden-Ausweis nicht vergessen! Dann öffnen sich vielleicht ganz neue Welten für sie: „Vielfache und vielfältige Kultur, die rauschhaft sein kann“, hoffte vom Dorp.

Das Programm im Einzelnen

Das Grashaus, Station Europa der Route Charlemagne, Fischmarkt 3, macht den Auftakt zum „Kulturrausch“ am Dienstag, 25. April, 17 bis 22 Uhr (17 Uhr Führung „Das Grashaus – Rathaus, Kerker, Stadtarchiv“, 17.30 Uhr Führung „Hinrichtung und Hansenloch“, 18 und 20 Uhr Film „Projekt A“ zum Thema „Anarchie in Europa“ mit anschließender Diskussion mit David Beumers).

Im Couven-Museum, Hühnermarkt 17, öffnen die Türen am Mittwoch, 26. April, von 17 bis 21 Uhr (17 und 20.30 Uhr Führung „Prunk und harte Arbeit“, 17.30 und 18.30 Uhr Führung „Koloniale Spuren“, 18, 19 und 20 Uhr Lesung der Theaterschule, 19.30 Uhr Führung „Kaffee, Tee und Schokoladenrausch“, 19.30 und 20.30 Uhr Führung „Wie wohnte man vor Ikea?“).

Der Tag des Suermondt-Ludwig-Museums, Wilhelmstraße 18, ist am Donnerstag, 27. April, 17 bis 21 Uhr (17 Uhr Führung „Blut und Tränen – das Antlitz der Passion“, 17.30 Uhr Führung „Bürgerliche Kunstkammer“, 18 Uhr Führung durch das Depot und die Restaurierungswerkstatt mit Kustos und Restaurator Michael Rief, 19 Uhr „ChaosLeseClub“).

Das Internationale Zeitungsmuseum, Pontstraße 13, lädt am Freitag, 28. April, von 17 bis 21 Uhr zum „Kulturrausch“ (17 Uhr Führung zum Thema „Der Vorwurf der Lügenpresse“, 18 Uhr Führung „Verschwörungstheorien“, 18.30 Uhr Führung durch die Ausstellung „Wir schaffen das – Politische Karikaturen von Waldemar Menzel, Thomas Plaßmann und Heiko Sakurai“, 19 bis 21 Uhr offene Werkstatt „Papierschöpfen in der großen Bütt“).

Das Centre Charlemagne, Katschhof, will am Samstag, 29. April, von 14 bis 17 Uhr die Studierenden berauschen (14 Uhr Führung „Gesucht – Gefunden – vom richtigen Graben“, mit Stadtarchäologe Dr. Markus Pavlovic, 14.30 Uhr „Aachen Arabisch!“ – Tandemführung in deutscher und arabischer Sprache, 15 Uhr Führung „Leben um 800“, 15 bis 17 Uhr offene Werkstatt „Ingenieurskunst gefragt!“, 15 Uhr Film „BeerBrothers“ von Michael Chauvistré, 16 Uhr Führung „Ingenieurskunst in der Aachener Stadtgeschichte“.

Zum letzten „Kulturrausch“ bittet das Ludwig Forum, Jülicher Straße 97-109, am Sonntag, 30. April, 14 bis 17 Uhr (14 Uhr Führung durch die Ausstellungen „Armin Linke: The Appearance of That Which Cannot be Seen“ sowie „Optische Schreie – der Wandmaler Klaus Paier“, 14.30 bis 17 Uhr Peotry Slam in der Mulde, das Improvisationstheater „UnImpro!“ entert mal wieder das Space).

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