„Kulturpreis Karl IV.” an Vermittler zwischen Nationen und Städten

Von: Hans-Peter Leisten
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Doppelte Auszeichnung: S.E. Dr
Doppelte Auszeichnung: S.E. Dr. Rudolf Jindrák (Mitte) erhielt von Vera Blazek die Medaille zum Kulturpreis Karl IV. und von Professor Bernd Mathieu im Namen der Jury die entsprechende Urkunde. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Er tritt ganz bescheiden auf, höflich, dankbar und doch sehr souverän. Eigenschaften, die offensichtlich typisch sind für Dr. Rudolf Jindrák. Und es sind unter anderem diese Merkmale, die ihn zum Träger des diesjährigen „Kulturpreises Karl IV.” des Kulturvereins Aachen-Prag haben werden lassen.

In erster Linie sind es aber die tiefgreifenden Verdienste des Mannes, der den beeindruckenden Titel „außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Tschechischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland” trägt, um die Verständigung der beiden Staaten, ihrer Politiker, vor allem aber ihrer Menschen.

Daran hat am Ende der feierlichen Preisverleihung in der Aula der Domsingschule niemand mehr auch nur den Hauch eines Zweifels. Genauso wenig wie an der ehrlichen Freude, die der Botschafter aus Aachen mit zu seinem Arbeitsplatz nach Berlin und dann auch in seine tschechische Heimat nimmt.

Der Kulturverein Aachen-Prag hat es in bemerkenswert kurzer Zeit geschafft, aus ersten persönlichen Kontakten und kulturell-historischen Veranstaltungen eine feste Achse zwischen Aachen und Prag zu installieren. Diese Entwicklung ist nicht zu trennen von der Person Vera Blazek, der Gründerin und Vorsitzenden des Vereins. So ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie die zahlreichen Gäste begrüßen darf, unter ihnen viele Vertreter aus Politik, Kultur und gesellschaftlichem Leben der beiden Länder und Städte.

Bereits sie unterstreicht die Verdienste des Preisträgers um die Verständigung zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik und seine Förderung von Kultur und Wissenschaft in „herausragender Weise”. Dies alles geschehe auch in der Tradition Karls IV., dieses großen europäischen Visionärs, der die Städte Aachen und Prag bereits einander nähergebracht habe.

Oberbürgermeister Marcel Philipp betont danach in seiner Lobes- und Dankesrede die politische Dimension des Zusammenlebens der beiden Völker. Er spricht von der Last der Vergangenheit, vor allem des 20. Jahrhunderts: „Aber die Perioden des friedlichen Zusammenlebens sind viel länger als die der Feindlichkeit, und uns verbindet viel mehr als uns trennt.”

Europäischer als der Namensträger des Preises könne man nicht mehr sein, betont der Laudator der Veranstaltung, Professor Dr. Klaus Hänsch, Präsident des Europäischen Parlaments a.D., „und mitteleuropäischer als der aktuelle Preisträger auch nicht”. Hänsch erzählt viele spannende Details über Jindrák: Dass er damals in der tschechischen Botschaft mitgeholfen habe, als tausende DDR-Bürger unter katastrophalen Bedingungen auf ihre Ausreisegenehmigung gewartet hätten. Und dass Rudolf Jindrák in dieser Situation mehr getan habe als von Amts wegen notwendig und auch Probleme mit den damals noch kommunistischen Vorgesetzten in Kauf genommen habe.

Er habe entscheidend an der Deutsch-Tschechischen Erklärung mitgearbeitet, in der die beiden Staaten erklärten, dass ihre Beziehungen nicht mit aus der Vergangenheit herrührenden politischen und rechtlichen Fragen belastet würden.

Damit nicht genug. Der heutige Botschafter sei auch einer der Protagonisten des Beitrittsvertrags der Tschechischen Republik nach Europa, und mit diesem Beitritt habe auch Europa zu sich selbst gefunden. „Sie haben Hacke und Schaufel in die Hand genommen und den Weg frei geräumt.” Das Gemeinsame der Tschechen und der Deutschen stehe heute im Vordergrund - und das gemeinsame Erbe sei reich.

Dem so Geehrten ist die ehrliche Freude über die Auszeichnung anzusehen, als er von Professor Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung und Vorsitzender der Preisträger-Jury, die Worte der Urkunde hört. Aber bestimmt hört er genauso gerne zu, als der Juror an die „beeindruckenden persönlichen Begegnungen” bei einem Prag-Besuch im April und an die „grandiose Gastfreundschaft” erinnert.

Mit der Auszeichnung werden Jindráks „außerordentliche Verdienste um die bilateralen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Tschechischen Republik und der Städte Aachen und Prag” gewürdigt. Nach einem kurzen Blitzlichtgewitter spricht der Preisträger vom Tag als einem „einmaligen, kostbaren Erlebnis”.

Diskussion mit Karl IV.

Er ist sich sicher, dass die Beziehungen zwischen den beiden Völkern noch nie so gut waren wie in der Gegenwart. Und zum Schluss wagt er einen theoretischen Disput mit dem Namensgeber des Preises: „Ich hätte mich gerne mit Karl IV. auf eine Diskussion eingelassen, wann die Beziehungen zwischen den Völkern besser waren - zu seinen Zeiten oder zu meinen. . .” Die Antwort kennen an diesem Tag in der Domsingschule der Europastadt Aachen alle, ohne dass sie ausgesprochen wird.
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