Kulturfestival „across the borders“: Gastspiel im Aachener Wald

Von: Paula Schönfelder
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Ungewöhnliches Schauspiel auf völlig natürlicher Bühne: Die Akteure des Theater Anu entführten die Besucher im deutsch-belgischen Grenzgebiet in einen ganz realen „Schattenwald“. Foto: Andreas Herrmann
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Sieht gruselig aus, soll aber keine Geisterbahn sein: Die Zuschauer erlebten im dunklen Wald Theater an sechs Stationen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es ist Nacht. Außer dem Regen ist nur das Rascheln der Blätter der unzähligen Bäume im Wald zu hören. Von links kommt eine Stimme aus dem Dickicht: „Spüre den Wald. Höre den Wald.“ Eine lange Kette aus Lichtern schlängelt sich durch den Wald im Aachener Grenzgebiet zu Belgien und taucht durch einen ersten, leuchtenden Vorhang mitten im Dunkeln.

Die Besucher von „Schattenwald – eine poetische Reise in den dunklen Wald“ können sich dort an diesem Abend eine ganz besondere Theateraufführung ansehen.

Im Rahmen von „Across the borders“, dem Kulturfestival, welches zurzeit in Aachen und der Region von Film über Musik bis zum Theater für jeden etwas zu bieten hat, gastiert das Theater Anu aus Berlin in Aachen – genauer gesagt im Wald, und das mitten in der Nacht. Hier spielt das elfköpfige Ensemble unter der Leitung von Stefan Behr an sechs Stationen. Vom Startpunkt, dem „KuKuK“ an der Eupener Straße, geht es entlang der Grenzroute Köpfchen hinein Märchenwelt. „Die Märchen der Gebrüder Grimm liefern uns immer noch faszinierende Bilder und Geschichten“, schwärmt Behr.

Jeder trägt eine kleine Laterne

Jeder der Teilnehmer bekommt eine kleine handgefertigte Laterne. „Wir haben Wert darauf gelegt, alles so natürlich wie möglich zu lassen“, erzählt Ute Pennartz vom Kulturbetrieb der Stadt Aachen. Dafür ging das Theaterensemble im Vorfeld die Strecke extra mit den deutschen und belgischen Forstämtern ab, um die Orte auszusuchen. Alles wird der Natur angepasst: Die großen Tore, durch die der Zuschauer schreitet, die Schattenspiele und auch die Musik im Hintergrund untermalt die teils dramatische, vorrangig aber mystische Atmosphäre.

Anders als in einer der Geisterbahnen auf dem nahen Öcher Bend geht es hier aber nicht um das Gruseln. „Wir möchten zu den Ursprüngen der Märchen zurückkehren und Motive wie den Wald oder die Raben den Zuschauern näher bringen“, meint Stefan Behr. Auch die Mythen aus der christlichen und vorchristlichen Zeit werden aufgegriffen und in Bildern und Installationen umgesetzt. Die Moral, wie sie in Märchen oft eine wichtige Rolle spielt, sei aber keine rein belehrende, so Behr. Das unterstützt auch Rick Takvorian, Leiter des Kulturfestivals: „Wir möchten besonders die Verbundenheit von Mensch und Natur zeigen.“

„Across the borders“ – Grenzen, die in einander übergehen: Welcher Ort ist dafür besser geeignet als der Wald, in dem der Mensch nicht weiß, ob er sich gerade in Belgien oder in Deutschland bewegt? Doch auch Grenzen, die nicht auf Landkarten zu finden sind, werden hier aufgehoben. Das Publikum, welches normalerweise im Saal die Zuschauerfunktion einnimmt, verfolgt im Schattenwald aktiv und staunend das Märchen der Sieben Raben, das Märchen von der Unke und muss sogar ein Haar opfern, um die Natur zu besänftigen.

Auge um Auge steht der Zuschauer den Schauspielern gegenüber, es gibt keine Trennung. Dabei nutzt das Theater faszinierende Formen, Schattenspiele und ausdrucksstarke Gesten, die durch den wenigen Lichtschein noch unterstrichen werden.

Ruhiges Spektakel

Sogar der altbekannte Aachener Regen scheint dem ruhigen Spektakel nichts anhaben zu können und passt viel mehr noch mit ins Konzept. Nach etwas mehr als einer Stunde finden alle Zuschauer wieder wohlbehalten aus dem Wald heraus und sind sich einig: So haben sie Wald und Märchen noch nie erlebt.

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