Aachen - Kulturdepot: Wer zerschlägt Knoten beim Management?

Kulturdepot: Wer zerschlägt Knoten beim Management?

Von: Matthias Hinrichs
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Sanierung fast gestemmt, aber viele Fragen bleiben: Zurzeit tüftelt die Stadt an einer Trägerstruktur fürs neue Kulturdepot.

Aachen. Auf dem Weg zum neuen Kulturdepot in Aachen-Nord musste bekanntlich schon so manche fatale finanzielle Fußangel beiseite geräumt werden. Inzwischen sind die Gesamtkosten zur Herrichtung der riesigen ehemaligen Aseag-Remise an der Talstraße, die im kommenden Herbst ihre Tore öffnen soll, auf gut zwölf Millionen Euro geklettert.

650.000 Euro pro Jahr fällig

Das betagte Objekt hat sich – vor allem dank umfänglicher, 80-prozentiger Förderung durch das Land – zwar weitgehend zum modernen Schmuckstück gemausert. Doch viele entscheidende Fragen im Hinblick auf ein nachhaltiges Nutzungskonzept sind auf der Zielgeraden zur Fertigstellung des Kunst- und Begegnungszentrums allemal offen – und zwar nicht nur im Hinblick auf die Liste der potenziellen Mieter, sondern auch, was die Finanzierung der beachtlichen laufenden Kosten betrifft. Die liegen nach jüngsten Berechnungen der Verwaltung insgesamt bei stolzen 650.000 Euro pro Jahr.

Alles andere als erbaut zeigten sich denn die Politiker im Kulturausschuss des Rates, als Dieter Begaß vom Fachbereich Wirtschaftsförderung den aktuellen Stand der Planungen erläuterte. Zwei Knackpunkte trieben die Mandatsträger dabei heftig um. Erstens: Insgesamt 7,90 Euro müsste jeder Nutzer pro Quadratmeter berappen – wobei die Nebenkosten mit 4,40 Euro höher liegen als die Kaltmiete mit 3,50 Euro.

Gerade für kleinere Initiativen wie das Theater Ausbruch oder das Jurakowa-Projekt wäre dies kaum zu stemmen. Zweitens: Noch ist völlig unklar, wie das Betreibermodell für das rund 7700 Quadratmeter umfassende Haus genau gestaltet werden kann. Derzeit werden drei Varianten geprüft. Die Verwaltung favorisiert die Option, eine eigenständige Gesellschaft zu gründen, in der zumindest die potenziellen Ankermieter wie das Atelierhaus und die Gemeinde Christus unser Bruder vertreten sein könnten und die das Haus gemeinsam mit der Stadt führen könnte – ein juristisch durchaus kniffliges Konstrukt, für das nicht zuletzt das Plazet der Regierungspräsidentin einzuholen wäre, wie Begaß einräumte.

Die Alternativen gestalteten sich allerdings nicht weniger problematisch. So könnte das Depot, ebenso wie seine junge „Schwester“, die Nadelfabrik am Reichsweg, allein durch die Stadt getragen werden. Dritte Variante: Sämtliche Dienstleistungen in Sachen Management würden durch einen Dritten übernommen.

Grundsätzlich stellt sich dabei nicht zuletzt die Frage, wie die Öffnungszeiten des Zentrums angesichts der Fülle der (erhofften) Angebote flexibel organisiert werden – ein starr geregelter Acht-Stunden-Rhythmus nach dem Vorbild der Nadelfabrik sei dabei keinesfalls wünschenswert, unterstrichen etwa Vertreter der SPD. Auch den Vorschlag, die Mietkosten nach den Möglichkeiten der Nutzer zu staffeln, wies Begaß als nicht machbar zurück.

Umso nachdrücklicher pochten die Politiker darauf, den Initiativen bei der Finanzierung der laufenden Kosten unter die Arme zu greifen. So hatten die Grünen bereits vorgeschlagen, einen städtischen Zuschuss von 150 000 Euro jährlich locker zu machen. Im Hauptausschuss, dem federführend für das Projekt zuständigen Gremium, wurde der Antrag jüngst indes auf Eis gelegt – Ausgang unklar.

Designmetropole zieht sich zurück

Kommt hinzu, dass die Stadt noch mindestens zwei Partner sucht, die das Objekt mit Leben füllen. Derzeit sind neben den oben genannten unter anderem die Beschäftigungsinitiative „low-tec“, die angestammte Offene Tür, eine Tanzwerkstatt, die Bleiberger Fabrik und möglicherweise der Kinderschutzbund mit im Boot sowie diverse kommunale Einrichtungen wie Stadtteilbibliothek, Stadtteilbüro und Jugendgerichtshilfe.

Die Designmetropole Aachen, ein umtriebiges Netzwerk aus kreativen Kleinunternehmen, ist inzwischen abgesprungen, wie Begaß berichtete. Momentan liefen Verhandlungen mit diversen Einrichtungen wie dem Verein „Digitales Aachen“, dem Mieterschutzbund und dem RWTH-AStA.

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