Aachen - Kulturdepot: Immer neue Löcher im Etat

Kulturdepot: Immer neue Löcher im Etat

Von: Matthias Hinrichs und Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Finanztechnisch einmal mehr aus der Spur: Der Löwenanteil der weiteren Kosten zur Ausstattung des Kulturdepots – insgesamt 195.000 Euro – wird für die Einrichtung des großen Veranstaltungsraums, der sogenannten Piazza, fällig. Foto: Andreas Steindl
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Bereits vor Ort: Stadtteilbibliothek (Bild) und Atelierhaus haben ihre Räume im Kulturdepot im November bezogen. Foto: Andreas Steindl
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Repräsentativ, aber teuer: Schon bei der Erneuerung der Außenanlagen fürs Kulturdepot musste nachgebessert werden. Foto: Andreas Steindl
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Warten auf weitere Mieter: Längst nicht alle Einrichtungen können bereits im Januar im Kulturdepot einziehen. Foto: Andreas Steindl
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Kostenfaktor Route Charlemagne: Aufwendige digitale Angebote wie der „Friedenstisch“ im Rathaus müssen erneuert werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Davongaloppierende Kosten, heftige Verbalattacken gegen die Verwaltung, politischer Schlagabtausch und offenkundige Kommunikationsprobleme innerhalb der Ratsmehrheit aus CDU und SPD – das alles kann sich hinter einem eher schnöde klingenden Tagesordnungspunkt einer Finanzausschusssitzung verbergen.

Dabei sollten die Politiker eigentlich nur dem Rat – er tagt am 21. Dezember – empfehlen, den „Wirtschaftsplan 2017 des Kulturbetriebs“ zu beschließen. Denkste. Denn da steckte Zündstoff drin.

Eine „Ergänzungsvorlage“ für den Ausschuss listete nämlich auf, warum der Kulturbetrieb nochmals rund 373.000 Euro mehr an Zuschuss braucht. Die werden vor allem für das neue Kulturdepot und die Route Charlemagne fällig. Dabei lag der ursprünglich kalkulierte Plan schon knapp 700.000 Euro über dem des laufenden Jahres.

Nun mag man meinen, dass 373.000 Euro bei einem Gesamtvolumen von rund 16,3 Millionen Euro nicht nennenswert viel sind. Immerhin aber ist das annähernd so viel, wie der gesamte Zuschusstopf für die freie Kunstszene, der im Ganzen 413.000 Euro ausmacht.

Spannend wird es, wenn man sich anschaut, warum der Bedarf derart steigt. Da wäre an erster Stelle das neue Kulturdepot Tal-straße zu nennen – für dessen Herrichtung allerdings das Wirtschaftsförderungsamt verantwortlich zeichnete. Beim Umbau der ehemaligen Straßenbahnzentrale waren bereits die Baukosten deutlich in die Höhe geschossen.

Jetzt geht es offenbar bei den laufenden Kosten aufwärts – obendrein brechen Mieteinnahmen weg. Schon im ursprünglichen Wirtschaftsplanentwurf, den der Kulturausschuss im November beraten hat, gab es ein Plus von 110 000 Euro für das Depot. Zusammen mit anderen Posten – darunter 223.000 Euro für Tariferhöhungen – summierte sich der Zuschussbedarf des Kulturbetriebs auf knapp 17,1 Millionen Euro.

Jetzt kommen plötzlich besagte 373.000 Euro obendrauf. Alleine 195.000 Euro entfallen dabei auf das Depot. Hauptgrund: Vor allem das große Veranstaltungsforum, die sogenannte Piazza, muss noch mit IT-Technik und Möblierung ausgestattet werden. „Die dafür ursprünglich veranschlagten Mittel sind durch die gestiegenen Baukosten aufgezehrt worden“, erklärte Kulturdezernentin Susanne Schier am Mittwoch.

Jetzt aber gebe es schon viele Anfragen, den Raum baldmöglichst nutzen zu können und ihn schnellstmöglich ansprechend zu gestalten, „weil er wirklich wunderschön geworden ist“. Deshalb müsse noch einmal Geld in die Hand genommen werden. Fest steht ferner, dass der Kulturbetrieb für 2017 mit verminderten Mieteinnahmen in Höhe von 36.000 Euro rechnet, auch die Piazza voraussichtlich erst Mitte 2017 „bespielbar“ sein wird.

Kommt hinzu, dass verschiedene Einrichtungen wie das Rote Kreuz und das Center-Management selbst erst im Frühjahr in der Talstraße einziehen. Auch der Einzug städtischen Medienzentrums soll erst zum 1. März erfolgen. Der Kinderschutzbund plant will für Ende Januar übersiedeln.

Das Atelierhaus hat seine Räume bereits zum 1. November übernehmen können, muss aber erst ab Februar Miete zahlen, um seinerseits letzte Hand an die technische Ausstattung seines neuen Standorts legen zu können. Auch die Stadtteilbibliothek ist bereits vor Ort, weitere Mieter sind die OT Talstraße, Stadtteilbüro, Mieterschutzverein und der Deutsch-Ungarische Freundeskreis.

Eine weitere Mehrausgabe schlägt ins Kontor: 150.000 Euro werden zusätzlich fällig für die „Wartung“ der Route Charlemagne. Genauer: für Instandsetzung und Aktualisierung der zahlreichen Hightech-Installationen im Centre Charlemagne, Grashaus, Couven-Museum und Zeitungsmuseum. So muss der sogenannte „Friedenstisch“ im Rathaus, mit dem es bereits 2009 technische Probleme gab, erneut repariert werden. Auch etliche andere digitale Anlagen und interaktive Angebote im Zeitungsmuseum müssen gründlich überholt werden, erläuterte Professor Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne, gegenüber der AZ.

So war es an Claudia Plum, finanzpolitische Sprecherin der CDU, im Ausschuss mit verbalen Kanonaden auf die Geschäftsführung des Kulturbetriebs loszugehen. Was der Kulturbetrieb da abliefere, sei unerträglich. Die Politiker müssten sich auf die Zahlen aus der Verwaltung verlassen. Jahr für Jahr mache man beim Kulturbetrieb dasselbe mit.

Plum: „Das will ich nicht mehr haben. Das macht keinen Spaß.“ Während Irit Tirtey konterte, dass man alle Zahlen sehr wohl im Wirtschaftsplan finde und man bei Fragen auch mal zwecks Aufklärung zum Telefon greifen dürfe, hatte einer dennoch besagten Spaß: Hermann Josef Pilgram (Grüne), auch Mitglied im Kulturausschuss, bekundete, dass CDU und SPD dort jüngst noch „sehr sinnvolle“ Sonderwünsche eingebracht hätten. Die natürlich auch etwas kosten.

Ob man denn in der „Groko“ vorher nicht über so etwas spreche, fragte er süffisant. Während die SPD zu dem Themenkomplex gar nichts sagte, meinte Claudia Plum: „Dann ist es ja gut, dass der Rat entscheidet, wenn alle dabei sind.“ Schließlich könne es angesichts der Haushaltslage „kein Wunschkonzert geben“. 

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