Kultivierung traditioneller Tugenden

Von: Jan Weck
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Neujahrsempfang der Erholungs-
Neujahrsempfang der Erholungs-Gesellschaft Aachen: Präsident Dr. Elmar Wieczarkowiecz (l.) begrüßt Festredner Professor Bernd Mathieu, Chefredakteur der Aachener Foto: Andreas Steindl

Aachen. Jubiläen und Geburtstage sind meist mehr als nur ein Grund zum Feiern, sie sind auch Momente der Selbstreflexion, in denen sich der Blick auf die eigene Vergangenheit und auf die Zukunft richtet.

Die Vergangenheit der Erholungs-Gesellschaft 1837 - der Name deutet es an - erstreckt sich über mittlerweile 175 Jahre. So wurde ihr traditioneller Neujahrsempfang am Sonntag auch zur gebührenden Geburtstagseier.

Professor Bernd Mathieu, Chefredakteur der Aachener Zeitung, hielt eine Festrede, in der er an die Ursprünge der Gesellschaft erinnerte und eine Standortbestimmung für die Gegenwart lieferte. Assoziativ und humoristisch, mit Anekdoten angereichert, gehörte die Rede nicht zu der Sorte, die einfach nur dahinplätschert. Sie vermittelte eine bildhafte Vorstellung von den politisch-sozialen Rahmenbedingungen, unter denen sich Aachener Bürger zusammenfanden, um einen Verein zu gründen, der offiziell einfach nur das gesellige Beisammensein fördern sollte.

In Wahrheit aber, deutete Bernd Mathieu an, seien die Ambitionen der Erholungs-Gesellschaft wohl von Beginn an weitreichender gewesen. Es sei der Wunsch nach einem freien Gedankenaustausch gewesen, der die Gründungsmitglieder angetrieben habe. Ihr Bestreben sei es gewesen, in einem geschützten und freien Raum politische Themen aufzugreifen sowie Diskussionen anzuregen und in die Gesellschaft zu tragen. Letztlich stehe die Geschichte des Vereins für nicht weniger als die Kultivierung traditioneller bürgerlicher Tugenden und die Emanzipation von politischer Vormundschaft.

Die Erholungs-Gesellschaft habe nie einen elitären Status angestrebt, betonte Mathieu, wohl aber politischen Einfluss nehmen und zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung motivieren wollen. Gerade in Zeiten medialer Überflutung und zunehmender politischer Unüberschaubarkeit, sei diese Idee moderner denn je.

Auch Oberbürgermeister Marcel Philipp ließ seine Gedanken und Worte um das Überdauern einer Idee kreisen, die mit der Erholungs-Gesellschaft nicht nur zur Tradition, sondern auch zu einer verlässlichen Institution geworden sei. Philipp erinnerte an Krisen und gesellschaftliche Umbrüche wie etwa in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, die der Verein gut überstanden habe.

Heute erfülle die Erholungsgesellschaft wichtige Aufgaben, indem sie Menschen Halt gebe und das politische und kulturelle Leben in der Stadt Aachen mit organisiere. Angesichts einer sicherlich langen Zukunft, sei die Erholungs-Gesellschaft mit 175 Jahren noch recht jung, so Oberbürgermeister Philipp.
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