Kultige Kabarett-Truppe „Grautvornix“ feiert 30. Geburtstag

Von: Matthias Hinrichs
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Sind seit 30 Jahren von den Aachener – und sonstigen – Bühnen nicht wegzudenken: die Kabarettgruppe „Grautvornix“, die ihren Geburtstagsauftritt in der Kappertz-Hölle feiert. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Strunx“ ist tot – es lebe Grautvornix! Zwei Dutzend subversiven Sessionen im Zeichen des höheren Blödsinns aus dem Öcher Untergrund haben diese glor- und manchmal glamourreichen Sieben ihren Stempel aufgedrückt wie sonst wohl nur das Moderatoren-Duo Hammers und Zins.

Und nicht nur das. Sage und schreibe rund 540 Mal hat die (neben den Fleddermäusen) älteste Kabarett- und Comedy-Truppe weit und breit inzwischen Bühnenbretter und Zwerchfelle zum Beben gebracht.

Jetzt kehren Gaby Dufern, Eva Vleek, Manfred Grouls, Norbert Becker, Krenne Aymans, Dieter Große-Heilmann und Stefan Huppertz an die Stätte ihrer schönsten (Un-)Taten zurück. Am 22. und 23. November feiert Grautvornix seinen 30. Geburtstag mit einem prallen Potpourri seiner besten Nummern – natürlich in der Kappertz-Hölle.

Okay, inzwischen mögen die kreativen Köpfe dem Namen ihres berühmt-berüchtigten Ensembles nicht mehr durchweg gerecht werden. Aber nur rein äußerlich betrachtet, versteht sich. Manch graue Strähne trotzt halt jedem Tabu. Und zudem können die munteren Mittfünfziger – anders als ihr Namensgeber, der nichtsnutzige Neffe des großen Majestix aus den legendären Asterix-Comics – eine gewisse innere Reife mittlerweile durchaus für sich in Anspruch nehmen. Wäre ja auch noch schöner. Heißt aber keineswegs, dass die Truppe ihrem jahrzehntelangen Erfolgsrezept in Sachen Quatsch mit feinster satirischer Soße etwa abgeschworen hätte – im Gegenteil.

Man nehme: eine denkbar pikante Mixtur aus scharfen Sketchen und leichtem Slapstik, eine Prise Artistik und Tanz, reichlich Parodie, einen Hauch von Klamotte und Musical sowie: ein Pfund gepfefferter Schoten aus lokalpatriotischem Anbau, die dem Publikum garantiert die Lachtränen in die Augen treiben. „Bis heute entstehen alle unsere Nummern in Teamarbeit“, erzählt Manfred Grouls. „Wir sind zwar noch nicht ganz so lange zusammen wie die Stones“, ulkt Comedy-Kollege Becker, „aber an unserer Besetzung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts geändert.“ Das soll erst mal eine Bühnentruppe nachmachen. Und so könnten die (von Beginn an mindestens!) wöchentlichen Meetings der sieben ziemlich besten Freunde freilich auch als Lehrerkonferenzen der denkbar anderen Art durchgehen – fast. Bis auf Kollegin Gaby Dufern, die ihre Brötchen als Journalistin verdient, stehen sämtliche „Grautvornixe“ als gestandene Pädagogen im „wirklichen“ Leben...

Auch dies ist freilich alles andere als Zufall. „In den frühen Achtzigern haben wir uns als Sportstudenten an der damaligen Pädagogischen Hochschule auf der Hörn kennengelernt“, erzählt Gaby Dufern. Beim ersten gemeinsamen Auftritt kamen die Sieben als Pausenclowns im besten Sinn daher: „Zum Semesterende gab es damals immer eine große Tanzveranstaltung, die prüfungsrelevant war. In den Pausen haben wir das Ganze ein bisschen aufgelockert, indem wir Ballettparodien und Clownerie gezeigt haben.“ Siehe da: Der launige Lückenfüller kam fantastisch an; die bunte Spaßmachertruppe war geboren. „Damals, Mitte der Achtziger, waren Clowns wie Jango Edwards und Artistentruppen wie Fliegende Bauten unheimlich angesagt“, erinnert sich Aymans. Und Grautvornix traf den Nerv einer ziemlich wilden jungen Generation, die auf konservative Konventionen und biederes öffentlich-rechtliches Entertainment pfiff.

Start in den Katakomben

Bald hatte die Truppe ein abendfüllendes Programm auf die Beine gestellt – und begeisterte bei einer ersten Bühnenstafette in den „Katakomben“ der KHG. Grautvornix wurde flott zum elementaren Bestandteil der regionalen Kleinkunstszene; die Truppe zeichnete mit verantwortlich für die Gründung der Aachener Kultur- und Theaterinitiative (Akut), die bekanntlich bis heute mit eigener Bühne am Gasborn aktiv ist. Bei den enorm erfolgreichen „Gaudimax“-Gastspielen im Audimax begeisterte sie regelmäßig Tausende. Auch die „Strunx“-Spektakel im Saalbau Kappertz schließlich trugen in weiten Teilen ihre Handschrift – vom ersten bis zum letzten jecken Gag. „Bald hatten wir praktisch jede Woche irgendwo einen Auftritt“, erzählt Grouls. „Es gibt tatsächlich keine einschlägige ,Location‘ in Aachen, die wir nicht bespielt hätten.“

Und darüber hinaus. Drei Mal hat die Truppe ihre Nummern gar im fernen Bolivien präsentiert, „Grautvornix“ gastierte unter anderem in Reims, Toledo, Mannheim, Kiel – und heimste 1987 den saarländischen Kleinkunstpreis „St. Ingberter Pfanne“ ein. Von wegen: Viele Köche verderben den B(ühnen)rei(gen): Am dritten November-Wochenende wollen die Kleinkunst-Veteranen einmal mehr das Gegenteil beweisen.

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