Aachen - Künstler Sascha Berretz: „Einen Plan B hatte ich gar nicht erst“

Künstler Sascha Berretz: „Einen Plan B hatte ich gar nicht erst“

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Mit sechs Jahren begann in Brügge Sascha Berretz’ Begeisterung für die Kunst. Heute kann er davon leben. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ein hoher Wiedererkennungswert und das Bedürfnis, nichts anderes im Leben machen zu wollen, haben dem Künstler Sascha Berretz schon früh große Erfolge beschert. Im Samstagsinterview mit Svenja Pesch erzählt der gebürtige Aachener, weshalb es für ihn keine Alternative zum Künstlerdasein gibt und warum er sich wünscht, dass Aachen endlich aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

Sie wussten bereits im Alter von sechs Jahren, dass sie Künstler werden wollen. Gab es da ein besonderes Erlebnis?

Berretz: Ja, gab es. Ich war damals mit meiner Mutter in Brügge und besuchte eine Ausstellung von Hieronymus Bosch. Die Arbeiten des niederländischen Malers der Renaissance haben mich so beeindruckt, dass ich wusste: Das will ich auch.

Nach der Schule besuchten Sie die Kunstakademie Maastricht.

Berretz: Da war ich Mitte 20. Ich hatte mich vorab mit Graffiti und Malerei beschäftigt und bin danach an die Kunstakademie gegangen. Über all die Jahre hinweg hat die Begeisterung für Kunst nicht nachgelassen. Schon als Zehnjähriger war ich von Künstlern wie Chuck Close oder Andy Warhol fasziniert. Ihr Stil und ihr künstlerischer Ausdruck sind einmalig.

Ihre Malereien bewegen sich auf der Schnittstelle zwischen Architektur und Natur. 2008 begannen sie, sich mit Mies van der Rohe zu befassen. Wie kam es dazu?

Berretz: Mies van der Rohe gilt als einer der bedeutendsten Architekten der Moderne. Seine Baukunst und sein Stil sind unverwechselbar. Als ich ein Foto des Farnsworth Hauses von Werner Blaser sah, der sich intensiv mit Mies und seiner Architektur befasst, fing ich an, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Vor allem die Wechselwirkung zwischen Natur und Architektur ist dabei für mich künstlerisch interessant. Das Ganze hat sich dann Stück für Stück weiterentwickelt.

Wobei Sie nicht auf diese Arbeiten festgelegt werden möchten.

Berretz: Hier in Aachen merke ich schon, dass mich viele Menschen automatisch nur mit Mies van der Rohe in Verbindung bringen, obwohl das nur einen Teil meiner Arbeit ausmacht. Natürlich ist die Tatsache, dass ich in dem Gebäude ausstelle, in dem der Architekt vor rund 100 Jahren als Stuckateurzeichner gearbeitet hat, wirklich inspirierend, und der Auseinandersetzung mit seiner Architektur kommt in meiner Arbeit auch ein großer Stellenwert zu. Allerdings möchte ich nicht nur auf diesen einen Aspekt festgelegt werden.

Meine Bilder nehmen generell Bezug auf die Architektur des Bauhauses und der Moderne – zum Beispiel auf die Häuser des amerikanischen Architekten-Ehepaares Eames, auf die Meisterhäuser Walter Gropius’ oder auf Frank Lloyd Wrights Haus „Falling Water“, also Gebäude, die ein hohes Maß an Transparenz durch Glasflächen erreichen, in denen die Natur sich spiegeln kann. Ich konstruiere, so hat Carsten Probst das treffend beschrieben, in meinen Bildoberflächen einen Raum, der die Wahrnehmung irritiert – zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, zwischen einem Erkennen von abstrakten und konkreten Formen, zwischen imaginärer Farbe und Farblosigkeit.

Sie beziehen sich auf die Galerie Freitag 18.30 in der Steinkaul-straße, wo Mies eine seiner ersten Anstellungen hatte. Sie selbst sind dort nicht nur mit einem Teil Ihrer Arbeiten vertreten, sondern gehören auch zu den Gründungsmitgliedern der Galerie.

Berretz: Die Gründung der Galerie war 2005. Damals gab es in Aachen noch weniger Galerien, in denen junge Kunst gezeigt wurde. Dass Mies eben dort gearbeitet hat, ist eine besondere Verbindung, die sich zusätzlich ergeben hat. Bis heute ist Freitag 18.30 meine wichtigste Anlaufstelle und mit dem Galeristen Robert Mertens bin ich auf vielen Ausstellungen vertreten, wie beispielsweise bei den St. Moritz Art-Masters. Das künstlerische Niveau ist dort einfach fantastisch.

Sie fertigen häufig großformatige Arbeiten an. Wie gestaltet sich der Arbeitsprozess?

Berretz: Das Ganze beansprucht vor allem viel Zeit. Meine Malereien bestehen teilweise aus bis zu 200 Schichten. So entsteht auf einem abstrakten Untergrund nach und nach etwas Konkretes. Manche meiner Arbeiten sind nach drei bis vier Monaten fertig, andere erst nach zwei Jahren; dies hängt natürlich auch immer von der Art der Arbeit ab, da ich neben Malereien auch Zeichnungen, Skulpturen und Installationen anfertige.

Sie sind gebürtiger Aachener und leben nach wie vor in dieser Stadt. Wie beurteilen Sie Aachen hinsichtlich der Kunstszene?

Berretz: Ich lebe gerne hier, muss aber auch sagen, dass sich Teile der Aachener Kunstszene meiner Meinung nach im Dornröschenschlaf befinden. Man ruht sich häufig auf der Vergangenheit aus, entwickelt aber nicht so viel Neues. Da ich auch in Salzburg gelebt habe und immer wieder dort bin, merke ich, dass es in anderen Städten mit ähnlicher Größe wie Aachen wesentlich mehr künstlerische und kulturelle Angebote gibt. Auch was die Vielfalt der Ausstellungsmöglichkeiten betrifft, gibt es in Aachen noch Luft nach oben.

Ihre Werke sind in Berlin, Luxemburg und St. Moritz zu finden. Sie gehören zu den wenigen Künstlern, die von ihrer Kunst leben können. Hätten Sie damit gerechnet?

Berretz: Es freut mich sehr, dass es so gekommen ist. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich nie etwas anderes machen wollte. Für mich stand fest, dass ich Künstler sein will. Einen Plan B hatte ich gar nicht erst. Ich denke, dass man an dem festhalten muss, was man auch wirklich will. Für die Zukunft wünsche ich mir deshalb, dass es so weiterläuft wie bisher.

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