Krugenofen: Tempo 30 gerade erst beantragt

Von: Oliver Schmetz
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Wo Radwege im nichts enden: Am Krugenofen warten Radfahrer seit 20 Monaten auf Schutzvorkehrungen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Thema sei extrem „heikel“ und „sensibel“, so hört man es in der Aachener Stadtverwaltung quasi hinter vorgehaltener Hand – und das scheint gleich in mehrfacher Hinsicht zu stimmen.

Denn dass am Krugenofen auch 20 Monate nach Beendigung der umfassenden Sanierung des Stücks Bundesstraße im Oktober 2015 keinerlei Schutzmaßnahmen für Radfahrer getroffen sind, ist für diese zweifellos „heikel“, weil gefährlich. Und angesichts dieses andauernden Stillstands könnten die Betroffenen sogar auf den Gedanken kommen, dass das Thema derart „sensibel“ ist, dass es vielleicht am liebsten überhaupt niemand anpacken möchte...

Als die AZ am Dienstag über die „Hängepartie am Krugenofen“ berichtete, schien es allerdings noch so zu sein, als sei die Kölner Bezirksregierung maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Radfahrer am Krugenofen nach wie vor in die Röhre gucken, weil es dort weder Schutzstreifen noch eine Tempo-30-Zone gibt. Für Letztere sollte die Verwaltung bei der Bezirksregierung eine Versuchsphase beantragen.

Das hatte der städtische Mobilitätsausschuss im Mai 2016 beschlossen – obwohl die Auflagen für Tempo-30-Zonen auf Bundesstraßen sehr hoch sind und diese allenfalls vor Kitas, Schulen oder Krankenhäusern möglich sind. Aber die leichter umzusetzende Alternative Schutzstreifen schmeckte den meisten Politikern erst recht nicht, weil dafür auf der engen Straße rund 35 Parkplätze wegfallen müssten.

Als die AZ nun nach einem Jahr Stillstand bei der Verwaltung nachhakte, hieß es dort, der Antrag sei längst gestellt, man frage auch immer mal wieder nach, doch sei in Köln noch keine Entscheidung gefallen. Bei der Bezirksregierung war dazu kurzfristig keine Stellungsnahme zu erhalten, doch diese reichte die Aufsichtsbehörde am Mittwoch nach – und den Schwarzen Peter damit an die Stadt zurück. „Der Antrag ist vergangene Woche vor Pfingsten bei uns eingegangen“, teilte Dirk Schneemann von der Pressestelle der Bezirksregierung mit. Davor habe es am 17. Februar einen Ortstermin gegeben, auf dem die Stadt den Antrag angekündigt habe.

Damit konfrontiert, reagierte Harald Beckers vom städtischen Presseamt am Mittwoch konsterniert. „Das habe ich nicht gewusst“, sagte er, offenbar habe es da wohl intern ein „Missverständnis“ gegeben. Warum indes nach einem politischen Beschluss mehr als ein Jahr ins Land geht, bis die Verwaltung diesen umsetzt, erklärt die Stadt nun so: Zunächst habe man noch auf eine Novelle der Straßenverkehrsordnung gewartet, von der man sich Erleichterungen bei der Einrichtung von 30er-Zonen erhofft habe, so Beckers.

Als sich diese Hoffnung zum Jahresende hin zerschlagen habe, habe man besagten Ortstermin im Februar vereinbart, bei dem die Bezirksregierung deutlich gemacht habe, dass die Chancen für Tempo 30 auf dem Krugenofen äußerst gering seien. Gleichwohl habe man danach – bis kurz vor Pfingsten – den Antrag gründlich vorbereitet und ausformuliert, um die Chance auf den Verkehrsversuch zu wahren.

Wie es um diese Chance bestellt ist, ließ sich Dirk Schneemann von der Bezirksregierung am Mittwoch nicht entlocken. Man wolle die Sache nicht unnötig weiter verzögern, sagte er, aber ein bis zwei Monate werde es bis zu einer Entscheidung schon noch dauern – zumal die letztendliche Genehmigung das Landesverkehrsministerium treffen müsse.

Für Radfahrer bleibt die Lage am Krugenofen damit noch länger „heikel“, politisch könnte sie dagegen danach spannend werden. Denn wenn der Tempo-30-Traum platzt, muss die Politik Farbe bekennen und eine unangenehme Entscheidung treffen. Oder es baut jemand eine Kita am Krugenofen.

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