Aachen - Krugenofen: Jetzt sollen Radstreifen her

Krugenofen: Jetzt sollen Radstreifen her

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
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Abschied von einem unsinnigen Slalomkurs: Am Soerser Weg hat die Stadt nach mehreren Jahren die Markierungen für Radfahrer entfernen lassen – weil sie „unglücklich“und „nicht optimal“ waren.
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Solche Bilder soll der Krugenofen bald nicht mehr liefern: Damit Radfahrer dort nicht mehr in gefährliche Bedrängnis geraten, will die Stadt auf der Bundesstraße Schutzstreifen markieren.

Aachen. Nach fast zweijährigem Stillstand gibt es auf dem Krugenofen keinerlei Spielraum mehr: Auf der viel befahrenen Bundesstraße, deren neuer Belag bereits im Oktober 2015 fertiggestellt worden war, führt an Schutzstreifen für Radfahrer kein Weg mehr vorbei. Und weil der Krugenofen auch eine sehr enge Hauptverkehrsachse ist, fallen damit auf der in Richtung stadtauswärts rechten Fahrbahnseite alle Parkplätze weg – insgesamt 35 an der Zahl.

So jedenfalls stellt die Stadtverwaltung die Situation in einer Vorlage für die nächsten Sitzungen von Bezirksvertretung Aachen-Mitte (6. September) und Mobilitätsausschuss (14. September) dar, nachdem alle Versuche gescheitert sind, auf der Bundesstraße eine Tempo-30-Zone einzurichten. Zuletzt war wie berichtet vom Landesverkehrsministerium auch der städtische Antrag abgeschmettert worden, das Tempolimit im Zuge eines Verkehrsversuchs quasi durch die Hintertüre durchzusetzen.

Dass während all dieser erfolglosen Versuche knapp zwei Jahre vergingen, in denen auf Schutzmaßnahmen für sie vollkommen verzichtet wurde, stieß vielen Radfahrern übel auf. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) beispielsweise bezeichnete die Situation auf dem rund 400 Meter kurzen Stück Straße, über das täglich bis zu 17 000 Autos, 230 Busse und 500 Fahrräder rollen, mehr als einmal als „lebensgefährlich“.

Jetzt also sollen Schutzstreifen her – wenn denn die Politik dazu ihren Segen gibt. Allerdings bleibt den Politikern eigentlich gar nichts anderes übrig. Denn die Verwaltung verweist darauf, dass am Krugenofen nun dem in der Straßenverkehrsordnung verankerten Grundsatz „Sicherheit geht vor Leistungsfähigkeit und Komfort“ zu folgen sei. Die Parkplätze am Fahrbahnrand seien zwar „ein wünschenswertes Angebot für die Anlieger, nicht jedoch ein sicherheitsrelevantes Infrastrukturelement“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Und genau dies sei für die Herstellung der Radwegeverbindung anders zu bewerten – zumal der Krugenofen Teil des einstimmig verabschiedeten städtischen Radwegeplans ist und Alternativen für Radfahrer aufgrund der dortigen Topographie nicht vorhanden seien.

Eine allerletzte Möglichkeit, am Krugenofen doch noch Tempo-30-Schilder aufzustellen, nennt die Verwaltung dann doch noch – verwirft sie aber gleich wieder. Dies wäre aus Lärmschutzgründen möglich, aber nur zwischen den Hausnummern 1 und 18 ganztags und zwischen Eynattener Straße und Sebastianstraße nachts. Weil das aber zum einen den Radfahrern nichts bringt und zum anderen wegen des ständigen Abbremsens und Beschleunigens wohl kaum Lärm reduziere, macht solch eine Maßnahme aus Verwaltungssicht jedoch „wenig Sinn“.

Genau diese Worte sind vielen Radfahrern seit einigen Jahren sicher auch an einer anderen Stelle der Stadt in den Sinn gekommen. Am Soerser Weg hatte die Stadt damals einen Schutzstreifen angelegt, der Radfahrer auf einen Slalomkurs um parkende Autos herum zwang, was vielen von ihnen sicher kurios bis unsinnig vorkam. So wollte man dort – Ironie der Geschichte – auf dem vormals durchgehenden Radweg mehr Parkplätze schaffen. Dass die Radfahrer dadurch im ständigen Wechsel mal auf die Fahrbahn, dann wieder auf den Bürgersteig geführt wurden, bereitete den Politikern in der Bezirksvertretung schon Ende 2011 beim Beschluss Bauchschmerzen. Doch erst jetzt – im Sommer 2017 – wurde die unsinnige Verkehrsführung wieder geändert und die Markierungen auf dem Asphalt weggebrannt.

Bei einer Verkehrsschau habe man festgestellt, dass dort eine „unglückliche, nicht optimale Situation“ herrsche, erklärt Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt auf Anfrage. Die Radfahrer könnten nun die Fahrbahn nutzen, wo ja Tempo 30 für genügend Sicherheit sorge. Dieses Tempolimit gab es übrigens auch schon damals, als man den Slalomkurs anlegte ...

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