Aachen - Krugenofen: Auf Schneckentempo folgt Schweinsgalopp

Krugenofen: Auf Schneckentempo folgt Schweinsgalopp

Von: Stephan Mohne
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Mehr Sicherheit für Radfahrer am Krugenofen: Nach jahrelanger Hängepartie soll nun binnen kürzester Zeit – bis Ende des Monats – etwas passieren. Entweder mit Tempo 30 oder Radschutzstreifen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die erste Überraschung des Abends hat Heike Ernst parat. Die Abteilungsleiterin in der Verkehrsverwaltung lässt die verblüfften Politiker im Mobilitätsausschuss wissen: Man könne noch vor Ende Oktober auf dem Krugenofen Schutzstreifen für Fahrradfahrer markieren. Nächsten Donnerstag könne es losgehen – ohne dabei Sperrungen vornehmen zu müssen.

Der nächste Überraschungseffekt folgt sogleich durch ihren Vorgesetzten. Denn Dezernent Werner Wingenfeld teilt mit, dass er doch dafür wäre, noch einmal mit der Bezirksregierung über eine Ausnahmeregelung für Tempo 30 dort zu reden. Durch die Baumaßnahme Kurbrunnenstraße und die damit verbundene Umleitung über den Krugenofen halte er die Markierung von Radstreifen derzeit im Vergleich zur aktuellen Situation eher für noch gefährlicher. Er habe dieser Tage mit Regierungspräsidentin Gisela Walsken darüber geredet. Und die habe bekundet, dass es für ein Plazet aus Köln – da es sich um eine Bundesstraße handelt, muss von dort das Okay kommen – eben auf die passende Begründung ankomme. Zur Erinnerung: Noch im Juli hatte eben jene Bezirksregierung dieses Ansinnen strikt abgelehnt.

Die Politiker haben Fragezeichen über den Köpfen. Denn offenbar hat sich seit der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Mitte die Ausgangslage dramatisch verändert. Da hatte es noch verwaltungsseitig geheißen, auch eine Radstreifenmarkierung sei angesichts besagter Verkehrssituation derzeit undenkbar. Ein Punkt macht den Kuddelmuddel perfekt: Markiert werden kann nur bis 31. Oktober. Danach geben die Firmen laut Ernst wegen der Witterungsrisiken keine Gewährleistung mehr.

Was nun? Fragt sich insbesondere die große Koalition. Und bittet um Unterbrechung der kuriosen Sitzung. Denn klar ist bis dato: Insbesondere die CDU will zeitlich mit der Markierung von Radstreifen eigentlich so nah wie möglich an die Einführung einer Bewohnerparkzone heran. Weil durch die Radstreifen 35 von 70 Parkplätzen am Krugenofen wegfallen müssen. Doch die soll erst Mitte nächsten Jahres spruchreif sein. Da hätte die Verschiebung aufs Frühjahr durchaus gepasst. Die SPD war eher für eine rasche Markierung, was aber eben nach den Aussagen in der Bezirksvertretung derzeit nicht möglich schien. Da hätte – zwar ungewollt, aber immerhin – im Sinne des Seelenfriedens der Koalition alles zusammengepasst. Das hat sich nun schlagartig geändert.

Wie kriegt man jetzt die Quadratur des Kreises hin? Die Antwort ist die dritte Überraschung des Abends und wird von SPD-Sprecherin Ye-One Rhie vorgetragen. Demnach soll die Verwaltung nun umgehend mit der Bezirksregierung klären, ob Tempo 30 am Krugenofen doch möglich ist. Zumindest bis zum Ende der Bauarbeiten in der Kurbrunnenstraße. Das dürfte dann noch ein ganzes Weilchen gelten. Denn zuvor hatte Straßenbau-Abteilungsleiterin Regina Poth noch erklärt, dass sich diese Baumaßnahme nach neuerlichen archäologischen Funden in die Länge ziehen wird.

Sollte Tempo 30 nicht möglich sein, solle unverzüglich mit der Markierung begonnen werden, sagt Rhie. Was aber eben nur noch 18 Tage lang möglich ist. Was wiederum im Umkehrschluss bedeutet, dass seitens der Bezirksregierung binnen Tagen eine Entscheidung her muss, für die es vormals monatelanger Prüfung bedurfte. Dennoch wird es genau so beschlossen. Wobei es naturgemäß Gegenstimmen gibt. Schließlich reicht der abermalige Austausch der Argumente an diesem Abend von „sofort markieren wegen der Sicherheit der Radfahrer“ (Grüne) bis „alles erstmal so lassen wegen der Interessen der Anwohner und auch der Autofahrer, die immerhin 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer ausmachen“ (FDP).

Offen bleibt die Frage: Was passiert, wenn die Bezirksregierung nach dem bisherigen Schneckentempo nun nicht im Schweinsgalopp entscheidet? Die Interpretation von CDU-Sprecherin Gaby Breuer lautet auf AZ-Nachfrage: „Dann wird markiert.“ Dezernent Wingenfeld, der mit Hinweis auf die Regierungspräsidentin das Bremspedal getreten hat, will in Bezug auf die Bezirksregierung dann doch lieber keine Prognose abgeben – weder in Sachen Zeitschiene noch zum Entscheidungsergebnis.

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