Krüzzbrür: Ein langer, aber lustiger Herrenabend

Von: hr
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Spaß und Öcher Seele sind garantiert: Der neue Ordensträger der Krüzzbrür, Pfarrer Markus Frohn, fühlt sich nicht nur im Kreise seiner Ordensbrüder wohl,... Foto: Andreas Schmitter
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...sondern brillierte auch bei seinem Festvortrag. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Damit ein amtierender Karnevalsprinz über Tische und Stühle klettert, muss schon viel geschehen – etwa eine Einladung zum Herrenabend der Krüzzbrür.

Wenn die nämlich im Knipp ihren neuen Ordensträger küren, dann ist die Traditionsgaststätte am Bergdriesch rappelvoll. Sogar der vielzitierte letzte Platz ist besetzt.

Damit aber die vielen, vielen Krüzzbrür, die Mitglieder des Pfarrausschusses Heilig Kreuz sowie ihre Gäste, Freunde und Förderer Platz finden, ist einiges Stühlerücken notwendig. Oder aber sie klettern – wie Prinz Thomas III., sein Prinzenberater Alwin Fiebus oder auch der Krüzzbrür-Ordensträger von 2014, Michael Nobis – über Tische und Stühle. Ja, sogar Markus Frohn nahm den Weg übers Mobiliar zur Theke, wo die Krüzzbrür den Pfarrer aus dem Ostviertel zu ihrem 45. Ordensträger machten.

Launige Zwischenrufe

Georg Dünnwald hätte seine Freude an so viel Spontaneität gehabt. Denn der verstorbene langjährige Karnevalsexperte des Zeitungsverlags hatte den Pfarrkarnevalisten von Heilig Kreuz vor Jahren einmal die fehlende Spontaneität vorgeworfen, wie Pfarrausschuss-Vorsitzender Franz-Josef Staat erinnerte. „Da hat er wohl auch recht gehabt“, sagte Staat in seiner Begrüßung. Der Herrenabend am Dienstagabend bewies, dass selbst honorige ältere Herren besserungsfähig sind. Denn die Ordensverleihung an Markus Frohn erhielt ihren Charme, Witz und Dynamik vor allem durch die spontanen Zwischenrufe der versammelten Festcorona.

Dabei taten sich insbesondere die Ordensträger von 2002 und 2008, Manfred Birmans und Max Kerner, hervor, die sich wie Waldorf und Statler einst in der Muppet-Show die Bälle zuspielten, sich selbst und anderen ins Wort fielen und so ihren Teil zu einem langen, aber lustigen Abend beitrugen. Und auch wenn sich Wendelin Haverkamp, der seit 2000 Ordensträger ist, sein Liedchen „Froh(n) zu sein bedarf es wenig, doch wer Froh(n) ist, ist ein König...“ schon vorher ausgedacht hat, nett und stimmungsvoll kam sein Ständchen auf den neuen Preisträger allemal an.

Dem huldigte zuvor Vorjahres-Ordensträger Michael Hammers in seiner bemerkenswert ernsten Laudatio, in der er die Aufgabe Frohns als Pfarrer von St. Josef und Fronleichnam im sozialen Brennpunkt Ostviertel beleuchtete, in der die Katholiken in der Minderheit sind. Und dennoch fühle sich Frohn selbst für alle Menschen im Viertel zuständig. Alle Menschen seien Gottes Kinder und Frohn fördere den friedlichen Dialog und das Zusammenleben. „Er führt vor allem die jungen Menschen zusammen, er redet und hört zu. Das ist zutiefst christlich, katholisch und aufgeklärt“, so Hammers: „Und das braucht diese Welt.“

Markus Frohn selbst war froh über die Auszeichnung, gab es ihm doch Gelegenheit, einmal das Ostviertel in den Mittelpunkt zu stellen. Er feiere als Ehrenmitglied der Tropi-Garde am Karnevalssamstag in St. Fronleichnam einen Fastelovvendsjoddesdengst auf Öcher Platt. „Denn es ist wichtig, dass man sagt, wo man herkommt und dazu auch steht. Denn das sind unsere Wurzeln.“

Mit Abgrenzung habe das allerdings nichts zu tun. Er stamme aus Pannesheide, wo er mit einem Mäuerchen zwischen Deutschland und den Niederlanden groß geworden ist, für die aktuellen Mauerbaupläne des amerikanischen Präsidenten hatte er nur Kopfschütteln übrig. „Wenn man Donald Trampel und die alte Naive für Deutschland in einen Sack steckt und drauf haut, trifft man immer den Richtigen“, sagte er wörtlich.

Sein Ostviertel sei nicht immer einfach, aber es funktioniere, wenn man nur miteinander redet. „Ich lade Sie ein, kommen Sie doch einfach mal ins Ostviertel“, bat er seine neuen Ordensbrüder. Dort sei es manchmal brisant, aber immer quirlig. „Helfen Sie mit, dass es in einem besseren Licht erscheint, als es oft dargestellt wird.“

Der anschließende Applaus war sicher nicht spontan, sondern ebenso vorhersehbar wie der echte Lachsersatz am Buffet. Aber er war sehr herzlich und ehrlich.

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