Kritik an potenziellen Baugebieten immer lauter

Von: Stephan Mohne
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Bis hierhin und nicht weiter: Christian Stein (l.) und Martin Hübner von der Bürgerinitiative Lintertstraße wollen nicht, dass das Areal unterhalb des Neubaugebietes Arlingtonstraße potenzielles Bauland wird. Gegen eine solche Ausweisung im Flächennutzungsplan führen sie den Klima- und Artenschutz ins Feld. Foto: Andreas Steindl

Aachen. AM-WO-23, AM-WO-10 – das sind keine Autokennzeichen, sondern Kürzel, hinter denen sich zwei der Areale verbergen, die im neuen Flächennutzungsplan (FNP) als potenzielle Flächen für Wohnbebauung ausgewiesen werden sollen.

Die Kürzel stehen für den Stadtbezirk, in dem sich die Grundstücke befinden (AM=Aachen-Mitte), für die Wohnnutzung (WO) sowie für die Nummerierung der Fläche. Es geht hier um zwei Areale, die sich im Bereich Lintertstraße/Grauenhofer Weg (23) sowie nahe der Sittarder Straße (10) befinden und jeweils mehrere zehntausend Quadratmeter groß sind.

Sie umschließen das vor einigen Jahren gestartete Neubaugebiet Arlingtonstraße und sind bisher Grünflächen. Und es sind zwei jener Flächen, um die es bei der derzeit laufenden Neuaufstellung des FNP, dessen letzte Fassung aus dem Jahr 1980 stammt, Ärger gibt. Hatten sich bereits in Bezug auf die nicht weit entfernten Flächen auf der Beverau und in Schönthal Bürgerinititiativen gegründet, so folgt nun die „BI Lintertstraße“. Sie will um den Erhalt der beiden besagten Grünflächen kämpfen.

Störche und Turmfalken

Die Argumente, die Christian Stein und Martin Hübner von der Bürgerinitiative – offiziell gegründet wird sie am 20. August – vorbringen, sind denn auch annähernd deckungsgleich mit jenen der benachbarten Zusammenschlüsse. Es geht um Arten- und Klimaschutz, sagen sie. Um ihre Argumente gegenüber der Stadt zu untermauern, haben sie Fotos geschossen oder auch Umweltberichte und Masterpläne gewälzt. Bilder zeigen beispielsweise Störche und Turmfalken, die sich auf den weitläufigen Wiesen unterhalb der Ningbostraße, in der Stein und Hübner mit ihren Familien wohnen, tummeln. Zudem zeigen der Maschinenbauingenieur und der IT-Projektleiter Grafiken.

Etwa jene aus einem Umweltgutachten von 2001, wo Kaltluftschneisen eingezeichnet sind. Die Fläche 23 liegt – im Gegensatz zum heutigen Neubaugebiet – genau in einer dieser Schneisen, in denen kalte Eifel-Luft bis ins Frankenberger Viertel zieht. Diese Luftzufuhr dürfe nicht unterbrochen werden, argumentiert die Initiative. Sie führt auch ins Feld, dass die massive Ausweisung von potenziellen Wohnflächen völlig am Bedarf vorbeigehe.

So ist auf einem Schaubild aus dem städtischen Masterplan die Aachener Bevölkerungsentwicklung bis 2030 mit einem Abwärtstrend eingezeichnet. „Im neuen FNP aber sollen rund 200 Hektar neue mögliche Bauflächen für 8100 Wohneinheiten ausgewiesen werden. Das ist absolut widersinnig“, sagt Christian Stein. Man solle lieber Brachflächen wie etwa frühere Kasernenareale„recyceln“ und Baulücken schließen, meint er. Und fügt hinzu, dass im Hintergrund wohl wirtschaftliche Interessen der „Baulobby“ stünden.

Bei den heutigen Haus- und Wohnungspreisen könne es bei 8100 Wohneinheiten „konservativ geschätzt“ um Summen jenseits von einer Milliarde Euro gehen. Merkwürdig finden die Kritiker überdies die Bewertung der Fläche im Umweltbericht zum FNP, der aus dem Februar stammt. Da wird eine dortige Bebauung schon als durchaus kritisch bewertet, aber nach Meinung der Bürgerinitiative noch nicht kritisch genug. Ein Artenschutzgutachten gebe es erst gar nicht. Keineswegs zufrieden sind die Anwohner damit, dass im bisherigen Verfahren die ursprüngliche Prüffläche schon verkleinert wurde.

Eingaben bei der Stadt

Alle ihre Argumente haben die beiden sowie einige ihrer Nachbarn bereits als Eingaben im Betetiligungsverfahren bei der Stadt eingebracht. Wobei es – wie schon seitens anderer Bürgerinitiativen – auch in dieser Hinsicht Kritik gibt, weil die Eingabefrist zur Hälfte in den Sommerferien lag. Allerdings müssen sich auch die Kritiker die kritische Frage gefallen lassen, warum sie, die erst jüngst dort gebaut haben, nun selber gegen eine Erweiterung streiten. Ein schlechtes Gewissen, so sagt Stein, habe er nicht.

Denn es gehe jetzt eindeutig um den Klima- und Artenschutz. So will die Initiative, dass die Areale als Naturschutzgebiet ausgewiesen und somit zu einer Verlängerung des benachbarten Landschaftsschutzgebietes werden. Damit soll auch verhindert werden, dass der FNP in diesen Bereichen künftig geändert wird, was ansonsten durchaus möglich wäre.

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