Aachen - Krimineller Griff in die Brötchenkasse

Krimineller Griff in die Brötchenkasse

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Filialen einer bekannten Aachener Bäckereikette hätten die Kapazität eines mittleren Getränkegroßhandels aufweisen müssen, so hoch waren nach den Abrechnungen der Mitarbeiter die Pfandgutschriften auf Flaschen an einzelnen Geschäftstagen. 42.000 Euro soll eine Mitarbeiterin auf diese Weise abgezockt haben - nun stand sie vor Gericht.

Bis zu 3000 (!) Cola-, Limo- oder sonstiger Behälter nahmen die Filialen angeblich zurück – und zahlten bis zu 500 Euro Leergutpfand am Tag zurück. So wies es eine Kassenrevision aus dem Jahr 2010 auf. Damals war die Sache wegen eines Datenabgleichs aufgeflogen. Dass die erkleckliche Summe nicht stimmen konnte und sich jemand auf Kosten des Geschäfts die Taschen voll machte, war dem Chef des bekannten Backwaren-Imperiums schnell klar.

Er zeigte eine Mitarbeiterin an, die an den meisten der inkriminierten Abrechnungstagen zugegen war. Da aber strafrechtlich nichts aus der Sache wurde, traf man sich am Mittwoch mit einer Klage auf Schadenswiedergutmachung vor Arbeitsgericht.

Vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Klaus Brondics will die Bäckerei von der ehemaligen, zum Zeitpunkt der angeblichen Taten noch jugendlichen Mitarbeiterin eine Zahlung von rund 42.000 Euro einzufordern – als Entschädigung für die von ihr angeblich in die Kasse eingegebenen abstrusen Pfandgutschriften. Durchschnittlich seien nur bis zu 15 Pfandrückgaben am Tag üblich, erläuterte der Chef.

Gegen die Vorwürfe setzt sich die Frau vehement zur Wehr, wie ihr Anwalt am Mittwoch vortrug. „Könnte es sein, dass die ganze Belegschaft von diesem Trick wusste?“, fragte er. Das Gericht ließ sich genau vom Chef erklären, wie das mit dem Betrug über Jahre unbemerkt habe funktionieren können – mehr als 40.000 Euro sind schließlich kein Pappenstiel.

Das gelang erst nach mehreren Anläufen, denn aus den Akten war der Ablauf anscheinend nicht genau zu rekonstruieren. Die junge Dame sei nur durch einen Zufall aufgefallen, trug der Chef vor. Eines Tages habe eine Filiale abends überraschend schließen müssen. Und da habe die Betreffende keine Chance gehabt, die Kasse durch erfundene Pfandgutschriften auszugleichen. Daraufhin habe sie sich am nächsten Morgen unter anderer Personalnummer eingeloggt und den Griff in die Kasse formal bereinigt.

Was sie nicht habe wissen können: Das echte Kassenjournal sei nachts bereits in die Zentralbuchhaltung übermittelt worden, wodurch der Schwindel auffiel. Danach habe man dann überall Fehlbeträge entdeckt.

Doch das Gericht will nun Beweise sehen, dass nur diese Mitarbeiterin für den Betrug verantwortlich ist. Der Bäckereistreit wird am 5. Februar fortgesetzt.

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