Kriminalstatistik: Dramatische Zahlen in Aachen

Von: Stephan Mohne
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Aachen. Die Aachener Kripo ermittelt bisweilen ganz schön tief. Ein Juwelendieb kann davon ein Lied singen. Geschnappt wurde er, kurz nachdem er das Schaufenster eines Juweliers zertrümmert und fette Beute gemacht hatte.

Die Polizei konnte dem Geschäftsmann stolz die gestohlenen Stücke zurückgeben, doch dieser stellte fest, dass zwei enorm wertvolle Stücke mit Brillanten fehlten. Mit etlichen Beamten suchte die Polizei den Fluchtweg ab - vergeblich. Bis einer auf die Idee kam, der Täter könnte die Edelsteine ja auch verschluckt haben. Also wurde ein Röntgenbild veranlasst. Ergebnis: Die beiden Schmuckstücke waren klar und deutlich im Verdauungstrakt zu erkennen. Der Rest der Ermittlungsarbeit bestand aus Warten. Ein kurioser Fall zum Schmunzeln. Doch alles in allem vergeht Polizeipräsident Klaus Oelze und Herbert Wälter als Chef der Direktion Kriminalität das Lachen, wenn sie auf die Kriminalitätsstatistik 2011 blicken.

Banden kommen und gehen

Die Zahl der Fälle ist nämlich im Vergleich zu 2010 um satte 17 Prozent von 28.365 auf 33.184 gestiegen. Oelze versucht zumindest noch die positive Zahl hervorzuheben und lobt seine Leute. Wie im vergangenen Jahr haben sie in der Stadt rund 52 Prozent der Fälle aufgeklärt. In manchen Bereichen jedoch bezeichnen Polizeipräsident und Kriminaldirektor die Zahlen als „heftig”. Geradezu erschreckend ist die Lage mit Blick auf die Wohnungseinbrüche.

Um fast 29 Prozent schießt die Zahl von 726 auf 935 empor. Nur rund zwölf Prozent der Taten kann geklärt werden, obwohl die Kripo eigens die Soko „Flex” eingerichtet hat. Ohne sie, da ist Oelze sicher, wären die Zahlen allerdings noch gravierender. Der Polizeipräsident sagt: „Das ist die Kehrseite offener Grenzen.” Aus dem südosteuropäischen Raum kämen immer wieder Banden. In einem Fall konnte die Polizei zuschlagen und machte einen Bulgaren, einen Rumänen und einen Serben dingfest, denen über 30 Taten nachgewiesen wurden. Oelze appelliert an die Bevölkerung, erstens den Einbrechern durch Sicherheitsmaßnahmen die Arbeit zu erschweren und zweitens, jede verdächtige Beobachtung zu melden.

Der Eigenschutz spielt auch eine Rolle, wenn es um Autoaufbrüche geht. Auch da ist die Zahl von 1287 auf 1930 explodiert. Wobei Oelze mittlerweile jegliches Verständnis fehlt, wenn angesichts dessen immer noch haufenweise Navis, Handys oder Laptops im Wagen liegen gelassen würden.

Krass ist die Sache mit den Metalldiebstählen - mit 600 Fällen alleine in der Stadt. „Das war im Jahr davor noch gar kein Thema”, so Oelze. Doch die hohen Metallpreise führen dazu, dass alles gestohlen wird, was nicht niet- und nagelfest ist. Herbert Wälter erinnert an den Fall Alsenstraße, wo in einer leerstehenden Wohnung die Gasleitungen herausgerissen wurden - in denen noch Gas strömte. Um ein Haar hätte es eine Katastrophe gegeben. Die Täter wohnten im selben Haus. Lebensgefährlich ist auch die neueste Masche, Gullydeckel mitgehen zu lassen. Und weil das Menschenleben akut gefährdet, werde es dafür harte Strafen geben. So man einen Täter erwischt. Vermutet wird aufgrund der Tatorte (Richterich, Kohlscheid, Bleiberger Straße), dass die Täter aus den Nachbarländern kommen und dorthin auch wieder verschwinden.

Positiv bewertet Klaus Oelze das Brennpunktthema des Vorjahres - die Gewalttaten -, insbesondere auch jene auf der Straße. Da gab es - wenn auch auf nach wie vor hohem Gesamtniveau - einen leichten Rückgang. Was die Polizei auch auf ihre Arbeit vor Ort zurückführt. Vor allem im Pontviertel will man aktiv bleiben. Und auch das Ostviertel bleibt wie berichtet im Fokus. Die Elsassstraße sei „ein heißes Pflaster”, so Oelze. Auch hier sei man aber dringend auf Zeugen angewiesen, um Täter dingfest machen zu können.

In anderen Bereichen sind die Zahlen eher gering, aber die Fälle machen die Kripo betroffen. So etwa bei den alten Menschen, die immer häufiger von Betrügern um ihr Geld gebracht werden. Alleine mit dem „Enkeltrick” wurden 43 000 Euro erbeutet. Zudem ist die Zahl sexuell missbrauchter Kinder von 25 auf 35 gestiegen.

Mit Blick auf die ersten zwei Monate 2012 ist Oelze vorsichtig optimistisch: „Ich glaube, dass die Zahlan, die wir beim nächsten Mal präsentieren, besser sein werden.”
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