Aachen - Kriminalität: „Halskettenbanden“ lösen Ängste aus

Kriminalität: „Halskettenbanden“ lösen Ängste aus

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Viel Arbeit: Polizeidirektor Willi Sauer und seine Mannschaft der Polizeiinspektion 1 haben im Stadtgebiet aktuell reichlich zu tun. Auch mit Banden, die Seniorinnen auf der Straße berauben. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Eine 82-jährige Frau wurde in Laurensberg zum Opfer, eine 83-Jährige am Elsassplatz, eine 79-Jährige an der Burtscheider Neustraße. Das sind Beispiele für eine Raubmasche, die eine ganz andere ist als bei jener Raubserie vor genau einem Jahr in der Innenstadt, wo meist nachts angetrunkene Partygänger von hinten angefallen und beraubt wurden.

Aktuell läuft es so ab: Ein Auto, meist mit einem Mann am Steuer und einer oder mehreren Frauen als Beifahrerinnen besetzt, hält am Straßenrand. Die Insassen betteln ältere Frauen an, versuchen sie in Gespräche zu verwickeln und ihnen dann Halsketten und anderen Schmuck vom Körper zu reißen.

Die Tatorte sind dabei nicht auf die Innenstadt konzentriert, sondern übers ganze Stadtgebiet verteilt – wenngleich es eine kleine Serie von Taten in Burtscheid gab, die dann aber wieder abriss. Die Meldungen über diese Raubmasche lösen derweil Unruhe und Angst bei vielen Senioren aus.

Neu ist die Masche allerdings nicht, wie Polizeidirektor Willi Sauer weiß. In Aachen schlugen die Täter jedoch anders als in anderen Städten bisher eher selten auf, was sich augenscheinlich nun geändert hat. Es handele sich jeweils um „überörtliche“ Tätergruppen, die kommen, zuschlagen und in die nächste Stadt fahren. Was die Ermittlungsarbeit schwer mache.

Auch beim Landeskriminalamt habe man das auf dem Schirm, eine spezielle Ermittlungsgruppe sei dort in Erwägung gezogen worden. Kurios: Gegen Ende des vorigen Jahres rissen die Taten komplett ab, die Täter bewegten sich wie „Zugvögel“ Richtung Mittelmeer. „Schmuckstücke wie Ketten werden im Winter hierzulande eben unter dicken Kleidern getragen“, lautet die logische Begründung Sauers, der seit kurzem die für das ganze Stadtgebiet zuständige Polizeiinspektion 1 leitet.

So tröstet es aktuell zwar, dass die Raubzahlen im Vergleich zu 2014 zurückgegangen sind. Aber bei den „Halskettenbanden“ müsse man ganz andere – auch personalintensivere – Maßnahmen ergreifen als bei „örtlichen“ Tätern in der City. Das schlägt ins Kontor, denn „seine“ Polizeiinspektion arbeite ohnedies am Limit. 63.000 Einsätze werden pro Jahr gefahren, mehr als 5000 im Monat, wie der 51-Jährige aufzählt – ohne die Bearbeitung von Bürgereingaben, denen man ebenfalls nachgeht. 360 Versammlungen werden pro Jahr im Innenstadtbereich auch noch begleitet.

Dazu kommt das „tägliche Geschäft“, wie etwa im zeitaufwändigen Feld „häusliche Gewalt“, wo sich beinahe täglich eine Tat ereignet. Und nun bekriegen sich auch noch Hells Angels und Bandidos im Zuständigkeitsbereich seiner Beamten – wodurch eine große logistische Herausforderung hinzugekommen ist. Zudem ist die Polizei in die Aufnahme von Flüchtlingen eingebunden – nicht wegen Straftaten, sondern in Form von Präsenz vor Ort.

So wäre es dem Polizeidirektor sicher am liebsten, wenn die „Halskettenbanden“ schleunigst wieder einen Bogen um Aachen machen. Zwar ist die Zahl der Taten keineswegs mit jenen der Raubserie vom vergangenen Jahr vergleichbar. Aber für die Polizisten bedeutet sie einen großen Aufwand.

So muss fortwährend auf verdächtige Fahrzeuge jener Art geachtet werden, wie sie die Täter meist benutzen – oft sind es ältere deutsche Limousinen. Aus ihnen heraus suchen sich die Täter ganz gezielt ihre Opfer aus, die ins „Beuteschema“ passen – eben meist betagte Frauen, die offenkundig Schmuck tragen. Willi Sauer rät diesbezüglich allgemein zu Wachsamkeit.

Die „Zugvögel“ haben er und seine Mannschaft auf dem Schirm. Weil die Täter so schnell wieder weg sind, tendieren Fahndungserfolge in diesem Bereich zum Frust der Beamten allerdings gen Null. Gleichwohl setzt Sauer ein dickes Ausrufezeichen hinter seine Kernaussage: „Ich will, dass Aachen sicher bleibt. Dafür werden wir alles tun. Denn Aachen ist, wenn man das mal mit anderen vergleicht, eine sichere Stadt!“

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