Krimi rund ums Zweistromland bleibt ungelöst

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
Das Restaurant Zweistromland i
Das Restaurant Zweistromland im Schatten des neuen Tivoli ist nur noch eine Ruine. Doch wer den Brand im Januar 2009 gelegt hat, bleibt unaufgeklärt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Kriminalfall rund ums Zweistromland bleibt ungelöst. Das zeitgleich zum Bau des neuen Tivoli in der Nacht zum 19. Januar 2009 abgebrannte Restaurant liegt nur 80 Meter von der Arena entfernt weiterhin in Schutt und Asche. Wo früher mediterrane Kost zubereitet wurde, sind heute nur verrußte Holzbalken und wucherndes Unkraut zu sehen.

Wenig Appetit macht den Ermittlern auch der Verlauf des Verfahrens (Aktenzeichen 407 UJs 294/09), denn es ist inzwischen eingestellt worden. „Fest steht, dass es sich um Brandstiftung mittels Brandbeschleuniger gehandelt hat. Die Täter brachen zuvor die Tür gewaltsam auf”, fasst Oberstaatsanwalt Axel Geimer zusammen. Zwei Sachverständige waren am Werk. Und auch die Brandschutzversicherung sowie deren zeitlicher Abschluss seien eingehend geprüft worden. „Doch nirgendwo sind wir auf Ungereimtheiten gestoßen”, sagt Geimer. Und kommt zu dem Schluss: „Wir haben alle Ermittlungsmöglichkeiten ausgeschöpft und keinen Täter festgestellt.”

Demnach kann die Versicherung die von ihr ausgelobten 15.000 Euro zur Ergreifung der Brandstifter einsparen, die Schadenssumme, die geschätzte 500.000 bis eine Million Euro beträgt, wurde dem Vernehmen nach inzwischen ausbezahlt.

Der mögliche Hintergrund der Brandstiftung bot seiner Zeit Anlass zu vielfältigen Spekulationen: Zweistromland-Betreiber Ekrem A. hatte seine Parzelle wie das kleine gallische Dorf gegenüber dem übermächtigen Neubau Tivoli verteidigt. Die Fußballarena musste um sein Restaurant herum gebaut werden - ursprünglich hatten Stadt und Alemannia dort ein Hotel plus Rehazentrum geplant, alternativ dazu Parkplätze.

Doch der Gastronom hatte noch rechtzeitig seinen Pachtvertrag mit dem einstigen Eigentümer, dem Tennisclub PTSV, bis 2014 verlängert, bevor das Gelände zum 1. Mai 2008 an die Stadt verkauft wurde. Vergeblich versuchte man damals, den Mann aus der Tivoli-Bauzone heraus zu drängen. Ein Insider bezeichnet die damalige Vorgehensweise als „Kleinkrieg”. So habe Erkem A. etwa ein Beduinenzelt auf seiner der Stadt gehörenden Terrasse abreißen müssen.

Derweil ist die Abfindung des Pächters durch die Stadt Aachen auf einem guten Weg. „Ich hätte das Restaurant gerne an derselben Stelle wieder aufgebaut, aber das wird wohl nichts”, sagt Ekrem A. und gibt sich dabei extrem verschlossen: „Ich will mich zu der Sache nicht mehr äußern.”

Auch zu seinen zukünftigen Plänen mag der Vater zweier Töchter nichts sagen. Doch seine zivilrechtliche Auseinandersetzung über seinen Kölner Rechtsanwalt mit der Stadt Aachen scheint dem Ende zuzugehen. Der Pachtvertrag kann aufgelöst werden.

Stadtkämmerin Annekathrin Grehling bestätigt, dass man sich „zwischen den Parteien einig” sei und der einstige Flachbau „nicht wieder aufgebaut” werde: „Der Text der Vereinbarung steht, der Finanzausschuss hat ihn in nichtöffentlicher Sitzung zur Kenntnis genommen.” Derzeit finde lediglich noch „eine letzte Prüfung” statt. Die Zukunft des Geländes Zweistromland sieht inzwischen so aus: „Der Bebauungsplan sieht mit Blick auf den alten Baumbestand eine reine Freifläche vor”, sagt Umweltdezernentin Gisela Nacken, die betont: „Auf dem Gelände darf nicht gebaut werden.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert