Kriegsfolgen: Projekt im Walheimer „Space“ dient Verarbeitung

Von: Rolf Hohl
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Hand in Hand: Ladislaus Hoffner (Vorstand Space), Nadine Zillekens (Leiterin Space, 2. von rechts) und Anna Klein (Aachener Hände) übergaben mit Mitgliedern der „Jubaband“ die Spende. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Der Krieg ist nicht unsichtbar, doch er ist für die meisten Menschen in Deutschland in weite Ferne gerückt. Das gilt nicht für alle. Jene, die davor geflohen sind, verfolgt das Grauen auch dann noch, wenn sie längst in Sicherheit sind. Und die verworrenen Erinnerungen müssen irgendwohin; in Bilder, in Briefe oder Liedtexte.

Genau das hat ein Zusammenschluss aus dem Walheimer Kinder- und Jugendtreff „Space“ gemacht – und damit gleichzeitig sogar noch Spenden für einen guten Zweck gesammelt.

„Freiheit“ nennt sich das Projekt von Jugendlichen, die nun schon seit einem Jahr zusammen Musik machen. „Es haben sich schnell einige Künstler herauskristallisiert, die ihre Gefühlswelt sehr gut in Musik übersetzen können“, so die Leiterin des „Space“, Nadine Zillekens. „Wir haben die Beats dazu von einem Produzenten aus Wuppertal zur Verfügung gestellt bekommen, aber die Texte schreiben die Jungs selbst“, erklärt Ferhat Arslan, einer der Musiker.

Es ist keine leicht verdauliche Kost, welche die Gruppe in ihren Rap-Stücken zur Sprache bringt. Krieg, Flucht, Ausgrenzung und Rassismus sind die überwiegenden Themen, die sie auf Deutsch und auch in ihren Landessprachen behandeln. Unterstützt vom Bistum Aachen, dem Musikbunker und dem Philipp-Neri-Haus haben sie mehrere Konzerte gegeben – und sind damit auf regen Zuspruch gestoßen. Durch die Auftritte und etwa den Verkauf von T-Shirts kam eine Summe von 700 Euro zusammen, die sie nun an die „Aachener Hände“ übergeben haben – einem Patenprojekt für junge Flüchtlinge des Katholischen Vereins für soziale Dienste in Aachen (SKM).

Von Anfang an, sagt Zillekens, sei es die Absicht der Musiker gewesen, mit diesem Projekt die Integration geflüchteter Menschen zu unterstützen. Und es gehe auch darum, mit den Auftritten die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse in den Kriegsgebieten zu lenken. „Es ist inzwischen eine große Gleichgültigkeit in der Gesellschaft spürbar gegenüber den Geflüchteten und ihren Erlebnissen. Das geht auf politischer Ebene so weit, dass etwa behauptet wird, dass Afghanistan ein sicheres Herkunftsland sei, bloß um die Menschen schneller wieder zurückschicken zu können“, sagt Ladislaus Hoffner, stellvertretender Bezirksbürgermeister.

Auch die Projektleiterin von „Aachener Hände“, Anna Klein, wehrt sich gegen den rauen Umgang ausgerechnet mit jenen Menschen, die aufgrund ihrer Erfahrungen besondere Aufmerksamkeit bräuchten. „Natürlich muss man einen negativen Asylbescheid akzeptieren, aber man muss sich dem nicht leise fügen“, sagt sie. Selbst unter den Musikern gibt es derzeit einen, der gerade auf die Entscheidung zu seinem Aufenthaltsstatus wartet. Fällt dieser negativ aus, müsste er wieder zurück nach Afghanistan, wo er keine Familie mehr hat – und wo noch immer Krieg herrscht.

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