Aachen - Kreuzherrenstraße: Kaum noch zu retten

Kreuzherrenstraße: Kaum noch zu retten

Von: Robert Esser
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Misslungene Planung: Nachdem der größte Teil der Kreuzherrenstraße für viel Geld umgebaut wurde, üben Feuerwehr, Anwohner und Politiker Kritik an neuen Absperrplänen der Verwaltung. Foto: Robert Esser/Harald Krömer
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CDU-Politiker Ralf Otten. Foto: Robert Esser/Harald Krömer

Aachen. Keine Unfälle, Durchschnittsgeschwindigkeit 19 Stundenkilometer, für hunderttausende Euro wurde die Kreuzherrenstraße neben Heilig Kreuz bis zur Wohnkomplexbaustelle am Veltmanplatz bereits verkehrsberuhigt umgebaut.

Jetzt – kaum zwei Jahre nach Umplanung und Umbau im Pontviertel – stellt die Aachener Stadtverwaltung fest, dass diverse neue Parkbuchten die Feuerwehr beim Einsatz und private Garageninhaber bei der Fahrt aus ihren Wohnhäusern behindern.

Außerdem werde „gerast“ – deswegen soll die Bezirksvertretung Mitte in ihrer Sitzung am Mittwoch eine sogenannte „Abbindung“ der Kreuzherrenstraße beschließen. Will heißen: Die Kreuzherrenstraße soll für den Durchgangsverkehr gesperrt und Richtung Pontstraße abgepollert, Parkplätze gestrichen und verlagert werden.

Diesen Versuch, eine weitere Straße in der City für Autos unpassierbar zu machen, hatte der Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen schon einmal gewagt. Auch bei der Abstimmung am Mittwoch wird er mit seiner Vorlage scheitern. Die Mehrheitsfraktionen signalisieren bereits Ablehnung. So erklärte CDU-Politiker Ralf Otten auf AZ-Anfrage: „Unsere Fraktion wird das gesamte Vorhaben des Umbaus kritisch begleiten, damit im Interesse der Anlieger die beste Lösung gefunden wird.“

Einige der anwesenden 14 Anwohner (!) bei einer Informationsveranstaltung der Verwaltung hatten Kritik an den Umbaufolgen geübt. Daraufhin konstruierte die Verwaltung die radikale Absperrvariante für alle Verkehrsteilnehmer – inklusive Taxis, die direkt um die Ecke im Pontviertel eine wichtige Haltestelle anfahren. Otten stellt klar: „Die Lösung, die jetzt von der Verwaltung vorgestellt wird, entspricht nicht diesen Anforderungen.“

So wundern sich viele, dass die Aufteilung von Fahrstreifen und Parkplätzen offenbar nicht ausreichend präzise vor dem Umbau mit der Feuerwehr abgestimmt wurde. Denn die Verwaltung teilt dazu mit: „Eine Anleiterprobe hat ergeben, dass die rettungstechnischen Anforderungen bei durchgängiger Anordnung von Parkständen nicht erfüllt werden.“ Und diese wurden gerade erst auf der Kirchenseite neu gebaut. Dadurch steht der Leiterwagen der Feuerwehr zu nah an der Hausfront – was die beschriebenen Probleme verursacht. Außerdem seien bei Polizei und Verwaltung „vermehrt Eingaben über hohe Fahrgeschwindigkeiten eingegangen“.

Daraufhin hatte die Stadtverwaltung drei Tage lang die Geschwindigkeit von 945 Fahrzeugen vor Ort gemessen. Ergebnis: „Über diesen Zeitraum betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit insgesamt 19 Stundenkilometer“, schreibt der Fachbereich in der Beschlussvorlage für die Politik. Und weiter: „Die höchste gemessene Geschwindigkeit betrug 49 Stundenkilometer“ – um 0.45 Uhr mitten in der Nacht. Zulässig sind in der erst seit kurzem verkehrsberuhigten Zone („Spielstraße“) laut Verwaltung sieben Stundenkilometer. Wobei der dortige Kindergarten vor geraumer Zeit wegen der benachbarten Großbaustelle am Veltmanplatz ausgezogen ist.

Zu erwarten ist nun also neben der Ablehnung der Verwaltungsempfehlung, dass demnächst gerade erst neu errichtete und eigens gepflasterte Parkplätze zur Aufstellfläche der Feuerwehr umdeklariert und mit absolutem Halteverbot gesperrt werden. Dann wird es – so die Befürchtung der Politik – ganz neue Beschwerden geben, weil sich Falschparker von den neu gebauten, aber dann illegalen Stellplätzen verführt fühlen.

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