Aachen - Krenkel: „Ich wollte niemanden verletzen“

Krenkel: „Ich wollte niemanden verletzen“

Von: Oliver Schmetz und Matthias Hinrichs
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Neujahrsempfang der Bezirksvertretung Laurensberg im Konradkeller Vaalserquartier.Bildmitte Bezirksbürgermeister Christian Krenkel. 2.vl. Bürgersterin Margrethe Schmeer.

Aachen. Über zwei Stunden nahm die Unterredung mit den Partei- und Ratskollegen Holger Brantin, Ralf Demmer und Ferdinand Corsten am Dienstag in Anspruch. Am Ende stand ein offenes Bekenntnis des Bezirksbürgermeisters von Laurensberg.

„Ich muss mich für die Irritationen und Verletzungen entschuldigen, die ich mit meiner Neujahrsansprache ausgelöst habe“, sagte Christian Krenkel der AZ Dienstagbend. 

Er verstehe, dass seine Äußerungen in Bezug auf die Mordanschläge in Paris heftig kritisiert worden seien. Krenkel hatte unter anderem gesagt, er erkenne kaum Gutes im Islam, gleichwohl habe niemand das Recht, den muslimischen Glauben zu verhöhnen. „Das war einfach nicht richtig“, erklärte er nun. „Ich sehe ein, dass man mich falsch verstehen konnte.“ In der Tat sei es ihm darum gegangen, „mich für mehr Toleranz und für die Meinungsfreiheit einzusetzen“. Dies sei allerdings missglückt. „Ich wollte niemanden verletzen oder beleidigen – im Gegenteil.“

Corsten, Demmer und Brantin waren dem Vernehmen nach von der CDU-Fraktion in das Gespräch entsandt worden, um Krenkel zu der Einsicht zu bewegen, dass er als Bezirksbürgermeister nicht so reden dürfe, wie er es getan hatte. Am Ende sollte zumindest eine eindeutige Entschuldigung stehen – an deren Zustandekommen es noch am Dienstagmorgen Zweifel gab. Da waren Äußerungen Krenkels öffentlich geworden, in denen er betont, er habe auch Zuspruch erfahren und stehe in der Sache zu seinen Aussagen. Am Mittag meldete er sich nach diversen Anfragen per Mail in der AZ-Lokalredaktion und bat um Verständnis, dass er sich erst nach dem Gespräch mit seinen Kollegen „zu dem unglücklichen Halbsatz, mit dem ich zitiert werde“, äußern wolle. In der CDU-Fraktion waren nach AZ-Informationen bereits am Montag Stimmen laut geworden, Krenkel den Rücktritt nahezulegen.

OB Marcel Philipp distanzierte sich am Dienstag ebenfalls nachdrücklich von Krenkels Ansprache – aber: „Er sollte jetzt die Chance erhalten zu zeigen, dass er seine Entschuldigung ernst meint. Jedenfalls hat er den richtigen Schritt getan. Denn als Bezirksbürgermeister muss er natürlich für alle Bürger sprechen – da geht es nicht, dass er sich vom Islam in dieser Weise abgrenzt. Ich denke, er hat seinen Fehler erkannt – auch wenn er ihn schon vorher hätte erkennen können.“

Bei den meisten anderen Parteien in Laurensberg scheint die Geduld mit ihrem Bezirksbürgermeister indes längst am Ende: SPD, Grüne und Linke beschwerten sich am Dienstag per Brief bei Philipp über dessen Parteifreund. Man trete für ein tolerantes Miteinander ein und versuche, eine Willkommenskultur zu schaffen, heißt es dort. Krenkels Aussagen seien „verletzend und genau das Gegenteil von diesen Absichten“. Gemeinsam haben die drei Fraktionen daher auch beantragt, die fatale Neujahrsansprache auf die Tagesordnung der Sitzung der Bezirksvertretung kommenden Mittwoch zu setzen. „Alle Fraktionen sollen Gelegenheit erhalten, ihr Befremden und ihre Ablehnung über diese Worte zum Ausdruck zu bringen“, meinte Bezirksvertreterin Karin Schmitt-Promny (Grüne).

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