Aachen - Kreishandwerkerschaft: Dunkle Wolken überm goldenen Boden

Kreishandwerkerschaft: Dunkle Wolken überm goldenen Boden

Von: Günther Sander
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Zu viel Bürokratie, zu wenig gesetzliche Förderung: Bei seiner Ansprache zum Jahreswechsel ging Kreishandwerksmeister Herbert May stellenweise hart mit der Politik ins Gericht. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Die Lage ist noch gut, aber dunkle Wolken tauchen bereits am Horizont auf“: So bilanzierte Kreishandwerksmeister Herbert May die aktuelle Situation der mittelständischen Wirtschaft beim Silvester-Empfang vor zahlreich erschienenen Gästen im Restaurant Kommer.

Ein Großteil der Betriebe könne auf ein durchweg gutes Jahr zurück blicken, die Binnennachfrage, von der das Handwerk in besonderer Weise abhängig sei, habe sich als „zufriedenstellend“ erwiesen. Vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe sei die Entwicklung erfreulich gewesen. Der Steuerbonus auf Handwerkerleistungen, also die Abschreibung der Lohnkosten für private Auftraggeber, wirke sich noch positiv aus. Dies trage dazu bei, reguläre Arbeit zu schaffen und Schwarzarbeit zu reduzieren, erklärte May. Nicht müde werde das Handwerk, einen reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Handwerkerleistungen einzufordern.

Eine Chance vertan

„Bedauerlich ist, dass die verantwortlichen Politiker und Ministerien diese Chance nicht erkennen, um Impulse für unsere Wirtschaft zu setzen“, sagte er. Für die Energiewende sei der 12. Dezember 2012 ein „schwarzer Tag“ gewesen, denn das Scheitern des von der Bundesregierung eingebrachten, durchaus sinnvollen Gesetzes zur steuerlichen Förderung energetischer Gebäudesanierungen sei eine herbe Enttäuschung. „Politiker in Bund und Land werden ihrer Verantwortung für Klimaschutz und Energiewende nicht gerecht“, meinte May.

Das Handwerk bestehe weiterhin auf der Forderung einer steuerlichen Sonderabschreibung. „In NRW könnte man damit das Investitionspotenzial von Gebäuden sage und schreibe verdreifachen“, hat May errechnet. Die Kreishandwerkerschaft habe die regionalen Landes- und Bundestagsabgeordneten aus der Region angeschrieben und für Kompromisse geworben. „Leider ohne Erfolg. Wieder wurde eine Chance vertan, die Energiewende, die von allen Parteien gewünscht wird, einen großen Schritt voran zu bringen“, bedauerte Kreishandwerksmeister.

Das verabschiedete Tariftreue- und Vergabegesetz NRW solle einen fairen Wettbewerb sichern, doch aus Sicht des Handwerks bringe es leider weiteren Bürokratieaufwand mit sich, und die Vergabeverfahren würden immer unübersichtlicher. „Schauen wir, ob dem Schlagwort Bürokratieabbau endlich einmal Taten folgen werden“, so May, der auch die Debatte um Mindestlöhne als „Scheindiskussion“ bezeichnete.

Im Kfz-Gewerbe sei die Ertragslage nicht zufriedenstellend, es gebe ein Überangebot an Fahrzeugen, ergo auch Rabattschlachten. Bei den Nahrungsmittelhandwerken verspüre man einen starken Rückgang der Betriebe, bedingt auch durch schärfere Verordnungen und Gesetze. „Im Friseurhandwerk sprießen die Betriebe nur so aus dem Boden, immer mehr Ein-Mann-Salons entstehen“, sagte May. Das führe dazu, dass Betriebe, die Mitarbeiter beschäftigten und ausbildeten, „extrem benachteiligt“ seien. Im Gesundheitshandwerk, etwa bei den Augenoptikern, erlebe man eine externe Konkurrenz, „denn Brillen können bei Discountern und in Kaffeegeschäften gekauft werden“.

In seinem Ausblick auf 2013 schnitt Herbert May die Bundestagswahl an: „Wahlversprechen werden gegeben, an denen wir im Nachhinein Parteien und Personen messen können.“ Blockadehaltungen würden dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden. May weiter: „In der Aachener Region haben wir mit massivem Stellenabbau zu kämpfen“, er nannte dabei vor allem das Beispiel Bombardier.

„Das Handwerk, also mittelständisch geprägte Betriebe insgesamt, sind das Rückgrat der Wirtschaftsregion Aachen“, führte May unter starkem Beifall aus. Noch sei die Wirtschaftslage gut, aber es bestehe die Gefahr, dass das nicht mehr sehr lange so bleibe. May erwartet für das neue Jahr bei den Bau- und Ausbaugewerben allerdings eine weiterhin gute Auftragslage, bei den Lebensmittelhandwerken eine Stabilisierung und in der Kfz-Branche, vorausgesetzt der Binnenmarkt bleibe stabil, weiterhin gute Verkaufszahlen bei Rabatten, die für beide Seiten akzeptabel seien. Daher gelte es, den Optimismus nicht zu verlieren: „Mögen sich alle Ziele und Wünsche erfüllen“, schloss Herbert May seine Rede.

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