Kreative „Querdenker“ liefern viele Ideen

Von: Rolf Hohl
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Die „Querdenker“-Initiatoren AN-Chefredakteur Bernd Mathieu (l.), Gisela Engeln-Müllges (Initiative Aachen) und Günter Bleimann-Gather (Marketingclub Aachen) erläuterten die Idee des Projekts. Foto: A. Steindl

Aachen. Wer die Zukunft mitgestalten will, muss über Visionen nachdenken – und das auch unkonventionell. Über 50 „Querdenker“ waren diesem Aufruf des Marketingclubs Aachen, der Initiative Aachen und des Zeitungsverlags Aachen gefolgt.

Fünf Workshops kamen zusammen und entwickelten jede Menge Ideen, wie die künftige Entwicklung der Stadtaussehen könnte. Deren Sprecher haben am vergangenen Donnerstag bei einem öffentlichen Forum die Ergebnisse präsentiert. Damit die zahlreichen Denkanstöße nicht nur auf dem Papier bleiben, waren unter den rund 250 interessierten Bürgern auch Mitglieder des Stadtrats im Großen Hörsaal der FH Aachen zu Gast. Während einer Talkrunde standen Harald Baal (CDU), Michael Rau (Grüne), Boris Linden (SPD) und der Vaalser Bürgermeister Reg van Loo dem Chefredakteur unserer Zeitung, Bernd Mathieu, Rede und Antwort zu den Ideen.

Die Belebung der Innenstadt unter unterschiedlichen Aspekten war das zentrale Thema dieses interessanten Abends. So solle durch die Nutzung brachliegender Flächen und mittels Verdichtung der wachsenden Nachfrage nach qualitativem Wohnraum Rechnung getragen werden. Ein nicht unumstrittener Vorschlag der Gruppe um Sprecher Christoph Hebel, FH-Professor, war die Nutzung des Bushofs, etwa als Kongresszentrum.

CDU-Fraktionschef Baal, gab zu bedenken, dass sich die Debatte um den Bushof im Stadtrat festzufahren droht: „Keine Fraktion ist derzeit bereit, ihre Prioritäten denjenigen der anderen Parteien unterzuordnen.“ Ein anderes Element, um die Stadt zu beleben, sei ein aktives Stadt-Marketing. „Wir müssen uns überlegen, was noch übrig bleibt, wenn wir die klassischen Merkmale unserer Stadt – wie die Alemannia oder den Dom – einmal ausblenden“, sagte Workshop-Sprecher Torsten Borrmann. Er warb dafür, das Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt in Aachen besser zu nutzen.

„Kulturspur“

In dieselbe Kerbe schlug der Rektor der FH, Marcus Baumann. Von den jährlich beinahe 10.000 Hochschulabsolventen sollten mehr in Aachen gehalten werden, insbesondere durch weniger Hürden für Unternehmensgründungen. „Das Potenzial als Wissenschafts- und Technologieregion im Zentrum Europas müssen wir nutzen – auch in Zusammenarbeit mit den Nachbarländern“, fasste er ein Ergebnis seines Workshops zusammen.

Mit einer „Kulturspur“ vom Theater Aachen bis zum Ludwig Forum hat die Gruppe um Sprecherin Ina-Marie Orawiec das Motto des Forums „Quergedacht“ wörtlich genommen. Mit dem Hansemannplatz als Zentrum soll der Nordosten aufgewertet und zu einem Anziehungspunkt für junge Menschen werden. Die Vorschläge zielen darauf ab, die kulturellen Angebote der Stadt auszubauen und diese als „harten Standortfaktor“ zu verstehen.

„Die Produktion von Kunst und Kultur ist eine Inspirationsquelle für die Wirtschaft“, sagte sie und forderte, Aachen für Kreative attraktiver zu machen. Bislang sei dieser Aspekt bei der Wirtschaftsförderung vernachlässigt worden. „Es muss anders werden, damit es gut wird“, schloss sie ihr Plädoyer.

Ein Vorschlag, für den sich Michael Rau von den Grünen nur teilweise erwärmen konnte: „Ich hielte es für sinnvoller, das Ludwig-Forum in die Innenstadt zu verlegen.“ Dass dies in naher Zukunft wohl nicht geschehen werde, sei ihm aber durchaus bewusst. Überhaupt vermutet er in der Bevölkerung eine Angst vor Großprojekten, wie sich etwa an der gescheiterten Campusbahn gezeigt habe.

Vor dem aktuellen Hintergrund stellte sich auch die Frage, wie den jungen Menschen, die aus der ganzen Welt hierher kommen, eine bessere Perspektive geboten werden kann. Workshop-Sprecher Axel Deubner warnte: „Wer sich nicht angenommen fühlt, neigt zum Extremismus. Und irgendjemand wird sie auffangen, seien es Salafisten oder Neonazis.“ Dabei könnten etwa Berufspraktika helfen, um den Übergang von der Schule ins Berufsleben zu erleichtern. SPD-Ratsherr Linden bestätigte: „Wir haben derzeit zwei Prioritäten: die Flüchtlinge und der Ausbau der Kongresskapazitäten.“

Neben den zusammengetragenen Vorschlägen, die bestenfalls in den politischen Gremien weiter behandelt werden, war ein offener Austausch zwischen Bürgern und Politikern das Ergebnis des Abends. Einhellig forderten aber die eher skeptischen Parteienvertreter im Gegenzug etwas Geduld.

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