Krankheitswelle: Unterrichtsausfall ärgert Eltern

Von: Stefan Herrmann
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Walheim. Immer wieder Unterrichtsausfall, ein fast halbiertes Lehrerkollegium: An der Förderschule Walheim mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (Primarstufe) herrschen laut Schilderungen von Eltern, die der AZ vorliegen, unzumutbare Zustände.

Fünf von zwölf Lehrern fallen momentan krankheitsbedingt aus. Einige davon langfristig. Ein geregelter Schulalltag sei momentan nicht möglich. Immer wieder muss der Unterrichtsbeginn nach hinten verschoben werden, teilweise fallen sogar komplette Klassentage aus. „Der Begriff der Schulpflicht wird seitens der Schulverwaltung offensichtlich extrem einseitig gesehen“, kritisiert Manfred Keren.

Schulleiter Thomas Weinen relativierte die Vorwürfe am Mittwoch auf AZ-Anfrage. Es habe in der Tat „personelle Engpässe“ gegeben. Allerdings sollen diese spätestens nächste Woche behoben sein. Vertretungsstellen seien bereits genehmigt. „Die Bezirksregierung reagiert optimal auf unsere Lage“, erklärte Weinen.

An der Kritik von Manfred Keren ändert dies nichts. Seit Sommer 2012 geht sein zehnjähriger Sohn Marvin auf die Peter-Härtling-Schule. Massiver Unterrichtsausfall, sagt Keren, komme regelmäßig vor. So sollte die Schule zum Beispiel am 25. November erst um 10 statt um 8 Uhr beginnen. Um 9 Uhr erreichte Familie Kersten der Anruf: Der Unterricht muss an diesem Tag komplett ausfallen.

So wie Mittwoch auch. Da wurden die Eltern allerdings frühzeitig informiert, betont Schulleiter Weinen. Es hätte zudem das Angebot gegeben, dass die Kinder alternativ betreut werden können. Manfred Keren ist daheim geblieben bei seinem Sohn, der an Epilepsie leidet. „Wie lange das meine Kunden noch mittragen, ist nicht absehbar“, sagt er.

Auch das laut Keren „enorme Engagement“ der Schulleitung könne die Lücken letztlich nicht schließen. Drei Pädagogen fehlen in Walheim zwei Monate und mehr, zwei weitere Lehrer, die kurzfristig mit einer Erkältung ausgefallen sind, haben laut Weinen die Lage in den vergangenen Tagen schließlich verschärft.

Auf die zum Teil dramatische personelle Lage hatten im Sommer 22 Leiter von Förderschulen in der Städteregion Aachen hingewiesen. Als Folge wurde unter anderem der Aachener Schulrat Norbert Greuel von der Bezirksregierung suspendiert. Dies löste nicht nur eine Welle der Empörung bei unseren Lesern aus, sondern beschäftigte Ende November auch die Politiker im Düsseldorfer Landtag.

Manfred Keren schüttelt über das Verhalten der verantwortlichen Verwaltungen verständnislos mit dem Kopf. „Es scheint ihnen sinnvoller, die Pädagogen, die sich vor Ort für die Bedürfnisse der Kinder einsetzen, sanktionieren zu lassen, als vernünftige Arbeitsumgebungen zu schaffen.“

Familie Keren nutzen alle politischen Diskussionen über fehlende Sonderpädagogen nichts. Sie muss immer wieder improvisieren. Darunter leidet vor allem Sohn Marvin. „Als es im Sommer eine Phase gab, in dem der Unterricht regelmäßig stattfand, ging es ihm wesentlich besser, er hatte deutlich weniger Anfälle“, erzählt Manfred Kehren.

Davon kann aktuell keine Rede mehr sein. „Für die Gesundheit unseres Sohnes ist dieser Zustand mit dem resultierenden Chaos am Rande des Verantwortbaren.“ Er sieht vor allem Verwaltung und Politik in der Pflicht, die Missstände dringend anzugehen.

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