Krankenstand bei der Polizei steigt weiter

Von: Robert Esser
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Polizei
Job macht krank: Über 100 der 1370 Ordnungshüter in Aachen fehlen täglich.

Aachen. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten von Polizisten in Aachen sind in den vergangenen drei Jahren deutlich gestiegen. Phasenweise blieb Anfang 2009 jeder zehnte Beamte dem Dienst fern.

In der JVA Aachen feierten im August und September sogar 17,89 Prozent der Vollzugsbeamten krank. Quer durch alle Berufsgruppen rangierte der Krankenstand nach einer AOK-Studie im 1. Halbjahr in Aachen hingegen bei 5,36 Prozent.

Im bundesweiten Durchschnitt beziffert das Bundesgesundheitsministerium die krankheitsbedingte Ausfallquote von gesetzlich Versicherten auf lediglich 3,25 Prozent. Dies entspreche 7,2 Arbeitstagen.

„Die Fehlzeiten in Aachen liegen nicht nur über dem bundesweiten Durchschnitt, sondern auch leicht über dem Schnitt im Rheinland”, sagte AOK-Sprecher Heinz Heuerz auf Anfrage der Aachener Zeitung. Die meisten Ausfallzeiten gehen nach Erhebungen der Versicherung auf Atemwegserkrankungen zurück.

Auf Platz zwei stehen mittlerweile psychische Erkrankungen. „Die Zahl der psychischen Erkrankungen in Aachen ist auffällig hoch: Sie liegt 17 Prozent über dem Durchschnitt im Rheinland”, rechnet Heuerz vor.

Die Gründe dafür sind laut AOK unbekannt. In der Regel waren Fehltage aus Krankheitsgründen bislang vor allem auf Muskel- und Skeletterkrankungen sowie Verletzungen zurückzuführen.

Der Krankenstand der rund 4600 Köpfe starken Aachener Stadtverwaltung pendelt seit fünf Jahren zwischen sechs und sieben Prozent. Das heißt: Jeden Tag fehlen durchschnittlich 300 städtische Mitarbeiter aus Krankheitsgründen. Präziser lasse sich die Ausfallquote nicht darstellen, erklärte Co-Dezernent Rolf Kourten, Fachbereichsleiter Personal und Organisation.

In ähnlicher Größenordnung schwankt die Ausfallquote im Pflegedienst des Universitätsklinikums. 6,55 Prozent der Belegschaft fehlten 2008 nach Angaben von Volker Gläser, Leiter des Personal-Centers.

In diesem Jahr sank die Quote bis Dezember auf 5,93 Prozent. Rekordverdächtig wenig Krankmeldungen registriert das Klinikum bei seinen Ärzten: Nur 1,36 Prozent der Mediziner meldeten sich dieses Jahr krank - genau wie 2008.

Rechnerisch wäre das Krankheitsrisiko eines Polizisten demnach sechs mal höher als bei einem Klinikarzt. Polizeisprecher Michael Houba weist jedoch darauf hin, dass Krankenstände schwer zu vergleichen seien. Faktoren wie Kuraufenthalte, Wiedereingliederungsmaßnahmen nach längerer Krankheit etc. würden zuweilen uneinheitlich in den Datensätzen berücksichtigt.

Klar ist aber, dass die Fehlzeiten bei den 1370 Bediensteten der Aachener Polizei steigen: von 7,32 Prozent im Jahr 2007 auf den Höchststand von 9,73 Prozent im ersten Quartal 2009. Der Durchschnitt der ersten drei Quartale 2009 liegt immerhin bei 8,26 Prozent. Damit sind jeden Tag weit über 100 Beamte krank.

Um eine Verringerung des Krankenstandes zu erreichen gibt es laut Polizeisprecher Houba „diverse Maßnahmen, beispielsweise ein Wiedereingliederungsmanagement von Langzeitkranken, Kur-, Reha-, Sport- und Beratungsangebote”.
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