Kranken- statt Fahrscheine: Aseag in Not

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
5846443.jpg
Lange Wartezeiten programmiert: Wegen des aktuell extrem hohen Krankenstands bei den Busfahrern muss die Aseag zahlreiche Fahrten ersatzlos streichen. Inzwischen zeichne sich ab, dass die Lage sich in Kürze wieder normalisiere, heißt es. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Unzählige Aseag-Kunden sehen dieser Tage Rot – weil die roten Riesen sich rar machen. Nach wie vor müssen etliche Fahrten wegen extrem hoher Krankenstände bei den Chauffeuren kurzfristig gestrichen werden. Allein Mittwochvormittag waren es knapp über 100 – damit wurde der bisherige traurige Spitzenwert von 110 Ausfällen Ende Juni nur knapp unterboten.

Am Nachmittag mussten Mittwoch immerhin noch 82 Fahrten gecancelt werden – der viel zitierten Roten Flotte steht das Wasser in Sachen „Termingeschäft“ quasi bis zum Hals. „Wir gehen jetzt aber davon aus, dass sich die Situation sehr bald entschärft“, betont Hermann Paetz, Centerleiter Verkehr beim städtischen ÖPNV-Dienstleister. Allein Mittwoch hätten sich vier Kollegen wieder gesund gemeldet. Dennoch: „Wir verstehen, dass sich die Kunden ärgern, wenn sie an den Haltestellen warten müssen, und wir wollen nichts schönreden“, sagt Paetz. Abhilfe sei allerdings in Sicht: Bis zum Jahresende werde das Unternehmen weitere 40 Fahrer einstellen.

Treue Busnutzer wie zum Beispiel Brigitte Frank kann das Versprechen vorerst indes kaum trösten. „Neulich musste ich erst einmal einen Kilometer zu Fuß gehen, um auf der Trierer Straße einen Bus in die City zu erwischen, weil die 34 einfach nicht kam“, berichtet die AZ-Leserin aus Brand. Dass die Aseag die Liste der gestrichenen Fahrten täglich per Internet veröffentliche, sei da wenig hilfreich. „Wenn man unterwegs ist oder – wie ich – gar keinen Anschluss hat, nutzt einem das auch nichts . . .“

Das sehen nicht nur ungezählte (potenzielle) Passagiere so: Unlängst kritisierte die Gewerkschaft Verdi, dass die Aseag es jahrelang versäumt habe, gut ausgebildetes Personal zu akquirieren. Der hohe Krankenstand – derzeit liegt die Quote laut Paetz noch immer bei gut 14 Prozent – sei eben auch auf zunehmenden Stress zurückzuführen. „Die Kollegen sind in wachsendem Maß belastet“, räumt Paetz ein. Angesichts von 67 Millionen Fahrgästen allein im vergangenen Jahr bleibe das nicht aus. „Wir haben deshalb bereits 2012 angefangen, in erheblichem Umfang einzustellen. Der Markt ist jetzt aber leergefegt; es gibt nicht genügend Bewerber.“ Allein 30 Fahrer seien dennoch allein in den vergangenen Monaten hinzugekommen. Die meisten müssten aber erst einmal den obligatorischen Personenbeförderungsschein erwerben, bevor sie sich nach interner Schulung hinters Lenkrad klemmen könnten. „Darüber verstreichen in der Regel fünf Monate“, erklärt Paetz. „Allerdings konnten wir immerhin einen Teil der neuen Kollegen vorzeitig in den aktiven Dienst nehmen. Bis Ende August oder Anfang September werden sie alle im Einsatz sein.“

Ebenso wie derzeit bereits rund 40 der 430 Chauffeure erhalten die Neuen ihren Vertrag übrigens bei der Aseag-Tochter Esbus. Claus Schramm, stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrats, betont aber, dass die Bruttoverdienste dort nicht geringer ausfielen. „Die Kollegen erhalten allerdings keine betriebliche Altersversorgung.“ Auch gelegentlich geäußerte Kritik, dass in jüngster Zeit immer wieder Kollegen in private Unternehmen gewechselt seien, weil die Bedingungen dort besser seien, weist Paetz zurück: „Auch bei Esbus liegen die Tarife höher als auf dem privaten Sektor. Wir sind zuversichtlich, dass sich die Lage sehr bald wieder normalisiert.“ Und: „Wir stellen jetzt auch über den tatsächlichen Bedarf hinaus ein, damit wir künftig besser auf unvorhersehbare Engpässe reagieren können.“

Leserkommentare

Leserkommentare (41)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert