Krach in der Krise bei Rheinnadel eskaliert

Von: Stephan Mohne
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Wie vor den Kopf geschlagen: Den Mitarbeitern bei „Rheinnadel Automation” am Reichsweg wurde am Dienstag die Kündigung des Sondertarifvertrags mitgeteilt. Die Gewerkschaft kritisiert das heftig. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Geschäftsleitung spricht von „dringend notwendiger Flexibilität”, die Gewerkschaft spricht hingegen von „Erpressung”. Beim Maschinenbauer „Rheinnadel Automation” - Ableger der einstigen Rheinnadel-Nadelfabrik - brennt der Baum ganz gewaltig.

Am traditionsreichen Standort am Reichsweg, wo das Unternehmen rund 160 Mitarbeiter beschäftigt, herrschte dementsprechend am Dienstag miese Stimmung.

Bei einer Betriebsversammlung hatte die Chefetage ihre Vorstellungen des weiteren Firmenwegs präsentiert. Geprägt ist das Ganze - wie sollte es anders sein - von der Wirtschaftskrise.

Klaus Pavel, geschäftsführender Gesellschafter, beziffert den Auftragsrückgang aktuell auf 40 Prozent. Das macht offenbar einschneidende Maßnahmen nötig. Es geht um Jobabbau, aber auch um Einbußen für die Beschäftigten.

An diesem Punkt kracht es denn auch mächtig. Der Streit geht indes schon einige Monate zurück. Im Februar sei es gewesen, als die Geschäftsführung erstmals Gespräche mit der IG Metall und den Arbeitnehmervertretern gesucht habe, erzählt Gewerkschafter Franz-Peter Beckers.

Von 12 bis 14 Stellen sei die Rede gewesen, die gestrichen werden sollten. Außerdem sei es zum Beispiel um die Verschiebung der anstehenden Tariferhöhung gegangen.

Beckers sagt, man sei durchaus zu Verhandlungen darüber bereit, „wenn das Unternehmen in existenziellen Schwierigkeiten steckt”. Schon 2006 sei ein Beschäftigungssicherungs- und Sanierungstarifvertrag geschlossen worden.

Der sah die Jobgarantie vor. Im Gegenzug wurde die 40-Stunden-Woche bis April 2009 festgeschrieben, danach sollte es zunächst auf 37,5 Stunden heruntergehen, bevor 2010 wieder der normale Flächentarifvertrag gegriffen hätte.

Im März aber sei schon die Rede von 24 Stellen gewesen, die man abbauen wollte. Außerdem sollten die Mitarbeiter auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten.

Und bei Mitarbeitern, die ihren Job verlieren, sollte die Abfindung gedeckelt sein. Überdies habe die Geschäftsführung die 40-Stunden-Woche längerfristig festschreiben wollen.

Um über solche weitreichenden Schritte entscheiden zu können, habe die Gewerkschaft allerdings eine Wirtschaftlichkeitsprüfung verlangt, so Beckers. Dies, um zu sehen, wie schlecht es der Firma wirklich geht.

Schließlich habe sie zuvor „hervorragende Ergebnisse eingefahren”. Diese Prüfung sei aber zuletzt von einem vorherigen „Ja” der Gewerkschaft zum Sparpaket abhängig gemacht worden. Das, so Beckers, könne ja wohl gar nicht angehen.

Klausel im Sondervertrag

Am Montag gab es schließlich eine Beiratssitzung. Das Ergebnis, das am Dienstag auch der Belegschaft mitgeteilt wurde: Der Sondertarifvertrag wird seitens des Unternehmens gekündigt.

Eine entsprechende Klausel gebe es in dem Kontrakt für den Fall wirtschaftlicher Krisenzeiten. Die Geschäftsführung übt ihrerseits heftige Kritik an der Gewerkschaft: Bis heute liege von deren Seite „keine klare Verhandlungsposition” vor.

Mit dem Betriebsrat solle nun kurzfristig über einen Interessensausgleich und einen Sozialplan verhandelt werden. Auf Nachfrage wollte sich Klaus Pavel zu den genannten Zahlen in Sachen Stellenabbau nicht äußern.

Auch den Vorwurf hinsichtlich mangelnder Transparenz und fehlender Wirtschaftlichkeitsprüfung ließ er unkommentiert, betonte aber: „Wir brauchen am internationalen Markt in unserer Branche ein hohes Maß an Flexibilität. Das ist mit der IG Metall nicht zu bekommen.”

Doch es geht noch weiter. Mit der Kündigung des Sondertarifvertrags gilt wieder der Flächentarifvertrag, der aber eigentlich für das Unternehmen ungünstiger ist. Bei RNA fragt man sich laut offizieller Pressemitteilung nun, ob eine Tarifbindung für das Unternehmen künftig überhaupt noch förderlich sei.

Die Vergangenheit habe gezeigt, „dass die starren tariflichen Regelungen den Anforderungen des Marktes und der Wettbewerbssituation eines international tätigen, mittelständischen Unternehmens nicht mehr gerecht werden”.

Ziel und Zweck des weiteren Vorgehens sei es, den Bestand des Unternehmens am Standort Aachen langfristig zu sichern. Mit anderen Worten: Die Firma überlegt sogar, aus dem Arbeitgeberverband auszutreten, um nicht mehr an den Flächentarifvertrag gebunden zu sein.

Das, sagt Beckers, werde die Gewerkschaft keinesfalls hinnehmen. Dann gebe es keine Friedenspflicht mehr, dann könne sofort gestreikt werden.
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