Kostendruck steigt: Gewoge-Mieter auf den Barrikaden

Von: Matthias Hinrichs
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Heftig umkämpfte Mieterhöhung: Die Preise für die städtischen Wohnungen an der Weber- und der Körnerstraße sollen zum 1. September steigen. Viele Bewohner kritisieren, die Schmerzgrenze sei damit überschritten. Foto: Jaspers, Lachmann
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Fachbereichsleiter Edmund Feiter (l.) betont hingegen, die Kostensteigerung sei durchaus angemessen.

Aachen. Sicherheit und Daseinsvorsorge vor allem für weniger gut Betuchte: Gerade angesichts der drängenden Wohnungsnot hätten die kommunalen Verwalter und Gestalter derzeit wenig Grund, sich den sozialen Anspruch aufs Banner zu schreiben. Das meinen jedenfalls zahlreiche Bewohner der städtischen Häuser an der Weber- und der Körnerstraße.

Denn für sie ist in Sachen finanzielle Mehrbelastung das Ende der Fahnenstange längst erreicht. „In den vergangenen Jahren hat die Gewoge, die unsere Wohnungen verwaltet, uns regelmäßig die Mieten erhöht“, kritisieren Natalie Eisfelder und Ulrich Dahlhaus stellvertretend für über 40 Haushalte. „Zum 1. September sollen die Preise abermals steigen. Für viele ist das nicht mehr zu stemmen.“

Jetzt gehen die Anwohner in die Offensive. In der Bürgersprechstunde der Ratssitzung Ende Mai hat Natalie Eisfelder Politik und Verwaltung auf das Problem aufmerksam gemacht. Tenor: Geringverdiener oder Hartz-IV-Empfänger seien kaum noch in der Lage, die steigenden Kosten aufzubringen.

„Wir haben Unterschriften gesammelt, um uns gegen den Beschluss zu wehren“, berichtet Dahlhaus. „In einem Gespräch mit Vertretern der Stadt stellte man uns immerhin in Aussicht, dass der zuständige Ratsausschuss das Thema in seiner nächsten Sitzung am 18. August noch einmal erörtert.“ Allein: „Die Gewoge – und damit die Stadt – will an der Entscheidung festhalten.“

Vor allem den Umstand, dass just in den mittleren Preiskategorien laut Mietspiegel in den vergangenen Jahren drastische Steigerungen von durchschnittlich rund 38 Prozent registriert worden seien, bekämen auch die Gewoge-Mieter schmerzhaft zu spüren, sagt Dahlhaus. So sei der Quadratmeterpreis in seiner Wohnung seit Mai 2012 von 5,10 auf 5,86 Euro geklettert – und damit um 14,9 Prozent binnen gut drei Jahren.

„Damit folgt die Gewoge einer städtischen Vorgabe von 2012, die Tarife angesichts knapper Kassen parallel zu den Bedingungen des allgemeinen Wohnungsmarktes ,anzupassen‘“, kritisiert Natalie Eisfelder. Auch der Hinweis, man könne gegebenenfalls Wohngeld beantragen, sei wenig hilfreich. „Wir haben festgestellt, dass die Behörden das oft nicht realisieren können, weil viele Anwohner – etwa Selbstständige mit kleinerem Einkommen wie ich – eben nicht kontinuierlich die gleiche Summe verdienen“, sagt Dahlhaus.

Eisfelder verweist zudem auf das Beispiel einer alleinerziehenden Hartz-IV-Empfängerin, deren Unterkunftskosten nunmehr um gut 22 Euro über dem vom Jobcenter anerkannten Satz liege. Kurzum: „Hier spiegeln sich die Ergebnisse einer Bertelsmann-Studie, nach der das Armutsrisiko für Geringverdiener in Aachen besonders hoch ist, weil es keinen preiswerten Wohnraum gibt.“

Im Prinzip müsse besagte „Kundin“ nach den einschlägigen Richtlinien innerhalb eines halben Jahres eine preiswertere Bleibe finden, bestätigt Horst Mendez, Sprecher des Jobcenters. „Im Zweifel müsste sie selbst nachweisen, dass das nicht möglich war. Allerdings prüfen wir immer auch im Einzelfall, ob und wie wir helfen können“, betont Mendez.

Das unterstreicht auch Edmund Feiter, Leiter des städtischen Fachbereichs Immobilienmanagement. „Die Mieten liegen nach wie vor im unteren Segment der jeweiligen Kategorien des Mietspiegels. Und wir haben den Bewohnern versichert, dass wir in besonderen Härtefällen helfen. Allerdings hat sich bislang niemand direkt bei uns gemeldet.“ Vom Grundsatz her sei die Erhöhung durchaus angemessen.

Auch Valbona Ramadani, zuständige Mitarbeiterin der Gewoge, betont: „Es gibt Kapazitäten, die wir in Härtefällen anbieten können.“ So habe sich ein Ehepaar gemeldet, dessen Wohnung nach dem Auszug der Kinder zu groß – und damit zu teuer – geworden sei. „Wir haben inzwischen eine kleinere für sie gefunden.“

Dennoch: „Wir empfinden es als zynisch, wenn man uns mitteilt, die Erhöhungen seien verkraftbar“, meint Anwohnerin Ruth Mertens.

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