Kornelimünster: „Nebelkerzen über Münsterwald”

Von: Günther Sander
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Idyllisches Bild, heftige Deba
Idyllisches Bild, heftige Debatten: Die Pläne für neue Windkraftanlagen waren jetzt Thema in den Bezirksvertretungen Kornelimünster/Walheim und Richterich. Erstere vertagte das Thema, zweitere stimmte mit knapper Mehrheit für den entsprechenden Flächennutzungsplan. Foto: Michael Jaspers

Kornelimünster/Richterich. 1200 Seiten Verwaltungsvorlage zum gesamträumlichen Planungskonzept für die Nutzung von Windenergie in Aachen, das war der Bezirksvertretung Kornelimünster-Walheim dann doch zu viel des Guten.

Diesen „dicken Wälzer” hatte Gretel Opitz (FDP) bereits im Vorfeld moniert - und Opitz war es auch, die in der Sitzung die Absetzung dieses brisanten Tagesordnungspunktes beantragte, weil noch Beratungsbedarf bestehe. „Was man uns als Ehrenamtlern mit diesem Wust von Papier auferlegt hat, ist schlichtweg unmöglich”, argumentierte auch Jakob von Thenen (CDU). Kein Verständnis dafür zeigte Silke Bastian (Grüne): „Warum absetzen, wir haben uns vorbereitet, man braucht ja nicht alles zu lesen.” Mehrheitlich wurde der Punkt aber abgesetzt, er wird in einer Sondersitzung am Montag, 15. November, 19 Uhr, wieder aufgenommen.

Anders in der Bezirksvertretung Richterich, wo ebenfalls die FDP für eine Absetzung plädiert hatte, dies aber abgelehnt wurde. Die SPD ist für regenerative Energien, lehnt aber die Windkraftanlagen im Bereich Vetschauer Berg/Bocholtzer Weg wegen der schon bestehenden Belastung durch die Anlagen in Butterweiden ab. Am Ende wurde der Verwaltungsvorschlag zur Flächennutzungsplan-Änderung und damit das gesamträumliche Planungskonzept zur Nutzung von Windenergie mit knapper Mehrheit beschlossen.

Bei den Bürgern in Kornelimünster, die zahlreich erschienen waren, gab es keinen Beratungs-, sondern Fragebedarf. Der Verwaltung in Person von Elmar Wiezorek, Leiter des Fachbereichs Umwelt, blies heftiger Gegenwind wegen der geplanten Windräder im Münsterwald ins Gesicht. Dr. Thomas Schmeink (Bürgerinitiative Schmithof) bemängelte, das zweite Offenlegungsverfahren sei formell ungültig, denn nicht alle eingegangenen Bedenken seien „auf den Tisch gekommen”.”

Beim Flächenverbrauch seien die Angaben der Stadt nicht nur widersprüchlich, sondern sogar verschleiernd, kritisierte er. Auch um den Abstand der Anlagen zum Wohngebiet und um den generellen Erhalt des Münsterwaldes ging es bei den Fragen der Bürger. Niemand wisse, was „abgeholzt” werde und was übrig bleibe, wurde moniert. Befürchtet wird, dass ein ganzes Erholungsgebiet „auf der Kippe steht”. Und was passiere, wenn der Flächenverbrauch doch größer sei, als zunächst angenommen? Die Verwaltung dazu: „Es müssen noch viele Fragen geklärt werden.”

Eckart Mueller, sachkundiger Bürger der FDP, machte gar „Nebelkerzen über dem Münsterwald” aus, denn es lägen seitens der Verwaltung widersprüchliche Angaben zum Flächenverbrauchs für sieben Windkraftanlagen im Münsterwald vor. Er fürchtet, dass man bei einer Umsetzung auf zehn bis 15 Hektar kommen werde, die „entwaldet” würden. Im Klartext hieße das: „Der Münsterwald wird grob durchlöchert, von einem geschlossenen Waldgebiet bleiben nur noch spärliche Reste.”
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